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Nepal

28.04.2015

Angst vor Nachbeben: Tausende fliehen aus der Hauptstadt Kathmandu

Tausende wollen nach dem schweren Erdbeben Nepals Hauptstadt Kathmandu verlassen.
Bild: Subel Bhandari, dpa

Nach dem schweren Erdbeben in Nepal fliehen Tausende aus Kathmandu. In der Hauptstadt herrscht nicht nur Angst vor weiteren Beben, sondern auch ein Mangel an Hilfsgütern.

Am Kalanki Chowk, einer chaotischen Kreuzung, wo die meisten Busse in Kathmandu abfahren, warten Massen von Menschen auf einen Platz in einem der hoffnungslos überfüllten Fahrzeuge. Die Preise haben sich versechsfacht. Selbst die Plätze auf dem Dach der klapprigen Busse sind begehrt. Tausende vom Erdbeben Betroffene wollen die Stadt so schnell wie möglich verlassen. Es fehlt an allem: Trinkwasser, Toiletten, Essen, Benzin, Holz, Medikamenten.

Die Menschen haben Angst vor weiteren Beben. „Ich will in mein Dorf, um in Sicherheit zu sein“, sagt Ishwor Chalise, ein 26-jähriger Student, der verzweifelt versucht, seine Heimat, etwa 400 Kilometer von Kathmandu, zu erreichen. Sein Dorf sei unzerstört, erzählt er Journalisten.

Flughafen Kathmandu ist hoffnungslos überlastet

Chaotische Szenen spielten sich auch am Flughafen von Kathmandu ab, wo hunderte Reisende schon seit Sonntag darauf warten, das Land endlich verlassen zu können. „Wir sind seit zwei Tagen hier, weil es hier sicherer ist als in anderen Teilen der Stadt, aber Wasser, Essen und Platz sind knapp“, berichtet Gwang Jung aus Korea, der eigentlich nach Nepal gekommen ist, um dort Urlaub zu machen.

Der kleine Flughafen ist hoffnungslos überlastet mit dem Andrang. Das Personal hat zum Teil die Stadt verlassen, um auf dem Lande nach den Familien zu schauen. Die ankommenden Rettungsflüge haben Priorität vor den kommerziellen Flügen. Wer ausfliegen will, muss Geduld mitbringen. Viele Menschen schlafen weiter im Freien. Unter ihnen selbst der Präsident des Landes, Ram Baran Yadav, dessen Residenz nach dem Beben beschädigt ist.

Sintflutartiger Regen am Dienstag machte die Lage der vielen Obdachlosen in der 2,5-Millionen-Metropole noch trostloser. Der Untergrund in Parks und anderen Freiflächen, wo viele ihre Zelte aufgespannt haben, verwandelte sich in Matsch. Und der Regen soll die kommenden zehn Tage anhalten. Kein Wunder, dass bei vielen Überlebenden der Schock nun dem Ärger weicht: Denn trotz guter Bemühungen kommt die Hilfe nur schleppend voran.

Nepals Premierminister geht von über 10.000 Toten aus

Dabei ist das Ausmaß der Katastrophe immer noch nicht voll abzusehen. Nepals Premierminister Sushil Koirala sagte, es könnten mehr als 10000 Menschen bei dem Beben umgekommen sein. Die Regierung tut alles, was sie kann, um Rettung und Hilfe zu bringen – „unter Bedingungen wie in einem Krieg“, erklärte der Regierungschef. „Es ist eine Herausforderung und eine sehr schwere Stunde für Nepal.“

Die Vereinten Nationen schätzen, dass insgesamt acht Millionen Menschen von dem Erdbeben betroffen sind, mehr als ein Viertel der Bevölkerung. Mindestens 1,4 Millionen Menschen sind laut dem UN-Welternährungsprogramm auf Lebensmittelhilfe angewiesen.

Am größten scheint die Not auf dem Lande. Bewohner in Barkobot, einem Dorf eineinhalb Stunden von Kathmandu entfernt, warten vergeblich auf Unterstützung. Alle Häuser sind dort entweder komplett oder teilweise zerstört. Die Einwohner haben Angst vor Dieben und Plünderern. Wie in so vielen ländlichen Gegenden Nepals leben vor allem Frauen, Kinder und Alte in Barkobot, während die Männer im erwerbstätigen Alter in Indien, in den Golf-Staaten oder anderswo arbeiten, um ihre Familien zu ernähren.

Im Gorkha-Distrikt, nahe dem Epizentrum des Bebens, sind inzwischen erste Hilfskräfte eingetroffen. Das Gebiet, etwa 100 Kilometer von Kathmandu entfernt, hat um die 270000 Einwohner, der Großteil verteilt auf um die 1000 kleine Dörfer. Die erste Momentaufnahme der Situation ist düster. „Ich habe gehört, dass ganze Dörfer mit bis zu 1500 Menschen verschüttet worden und bislang nicht zu erreichen sind“, berichtet Matt Darvas, ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation World Vision.

„In diesem Gebiet, wo die Dörfer komplett von der Außenwelt abgeschnitten sind, wird die Zahl der Toten noch erheblich steigen, wenn wir endlich Zugang bekommen haben und realisieren, wie schlimm die Situation ist. Wenn man sich die Berichterstattung der Medien anhört, dann redet jeder über die ausländischen Bergsteiger am Mount Everest und in der Umgebung... aber ich muss betonen: Die Zahl der Nepalesen, die in ihren Dörfern eingeschlossen sind, die schon sonst in extremer Armut leben, ist das größte Problem hier“, fügt Darvas hinzu.

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