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Interview

23.05.2020

COPD-Patient: "Eine Infektion mit Corona wäre mein Exitus"

Walter Eichner leidet an der Lungenerkrankung COPD. Er benötigt 24 Stunden am Tag Sauerstoff.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Walter Eichner aus Landsberg am Lech benötigt wegen einer Lungenerkrankung rund um die Uhr Sauerstoff. Wie er die Corona-Krise erlebt, erzählt er im Interview.

Herr Eichner, an welcher Krankheit leiden Sie?

Walter Eichner: Ich habe COPD (Abk. f. "chronic obstructive pulmonary disease", eine chronisch-obstruktive Bronchitis, Anm. d. Red.) mit einem Lungenemphysem. Das bedeutet: Die Lungenbläschen, an denen der Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid stattfindet, sind teilweise zerstört und überdehnt, sodass ihre innere Oberfläche verkleinert ist. Seit Januar 2018 benötige ich 24 Stunden am Tag Sauerstoff.

Wie schränkt Sie diese Erkrankung normalerweise im Alltag ein?

COPD-Patient: "Eine Infektion mit Corona wäre mein Exitus"

Eichner: Meine Lunge ist nur noch zu 30 Prozent intakt, ich gerate daher sehr oft in Sauerstoffnot, insbesondere wenn ich mich anstrenge. Das ist das Grundübel an der Sache. Meine Lunge produziert nicht mehr den Sauerstoff, der ins Blut gehört, damit alle Organe versorgt werden. Deshalb muss ich den fehlenden Sauerstoff von außen zufügen. Dazu erhalte ich Flüssigsauerstoff über eine Nasensonde. Das schränkt mich natürlich auch in der Freizeit ein, Schwimmen ist nicht mehr möglich, Radfahren nur eingeschränkt. Alles, was mich anstrengt, geht bei mir nicht mehr. Treppensteigen zum Beispiel. Ich habe mir einen Treppenlift angeschafft, damit ich zu Hause problemlos in den ersten Stock komme.

Was hat sich für Sie durch die Corona-Krise verändert?

Eichner: Ich habe doppelt Angst, dass ich mich anstecke, daher habe ich mich sehr eingeschränkt. Zuletzt bin ich nur noch aus dem Haus gegangen, wenn es dringend notwendig war, also für Arztbesuche. Ich bin aufgrund meiner Mehrfacherkrankung bei mehreren Ärzten, die mir alle geraten haben, so wenig wie möglich unter Leute zu gehen. Wegen einer Krebserkrankung muss ich zur Chemotherapie fahren, aber andere Ärzte kommen mittlerweile zu mir nach Hause. Mit meinen drei Kindern und fünf Enkelkindern skypen wir jetzt. Mein Bruder und meine Schwägerin sowie eine Freundin meiner Frau haben für uns eingekauft. Meine Frau und ich haben zudem geschaut, dass wir uns immer die Hände desinfizieren. Ich habe mich nicht hysterisch machen lassen, aber ich sehe schon die Gefahr.

Wie gefährlich wäre eine Corona-Infektion für Sie persönlich?

Eichner: Ich bin kein ängstlicher Typ, aber ich meine, das wäre mein Exitus.

Wie gehen Sie damit um?

Eichner: Ich fühle mich eingeengt, glaube aber auch, dass man es aushalten kann. Man hat jetzt Zeit für andere Dinge. Ich lese viel, schreibe an einer Autobiographie. Durch meine Krebserkrankung habe ich in den kommenden zwölf Wochen Chemotherapie, weswegen ich ohnehin nicht in Urlaub fahren könnte. Vielleicht kann man das nicht nachvollziehen, aber die Lockerungen finde ich aufgrund der aktuellen Infiziertenzahlen richtig. Ich habe auch Verständnis dafür, dass die Wirtschaft wieder anlaufen muss. Ich hoffe jedoch, dass wir aus dieser Krise lernen und wegkommen von der Immer-schneller-höher-weiter-besser-Mentalität.

In vielen Geschäften und dem öffentliche Nahverkehr gilt mittlerweile eine Maskenpficht. Ist es mit Ihrer Erkrankung möglich, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen?

Eichner: Es ist möglich, aber es erschwert das Atmen nochmal ein Stück. Mich persönlich stört das weniger, aber ich kann mir vorstellen, dass es für Mitpatienten von mir, die schwächlicher sind, schon ein Handicap ist. Ich denke aber, dass die Maske sich bei uns etablieren und auch weiter getragen werden, wenn Corona vorbei ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir dann in der Straßenbahn, wo Leute teilweise bloß zehn Zentimeter voneinander entfernt stehen, Bilder sehen werden wie in Asien.

Zur Person: Walter Eichner ist 70 Jahre alt und lebt in Landsberg am Lech. Er leidet seit zwei Jahren an COPD mit Lungenemphysem.

Lesen Sie dazu auch: Asthma-Expertin: "Asthmatiker sind besser vor schweren Corona-Verläufen geschützt"

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