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GNTM 2017

15.02.2017

"Germany’s Next Topmodel"? Schluss mit dem Theater!

"Germany’s Next Topmodel" läuft zurzeit wieder im TV.
Bild: Richard Hübner

Heidi Klum sucht auf ProSieben "Germany’s Next Topmodel" - nun schon zum zwölften Mal. Warum GNTM sich endgültig überlebt hat. Ein Kommentar.

„Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) ist ein einziges Theater. Ein „Drama, Baby“, würden Beteiligte sagen. Es handelt vom ständigen Auf-und-ab-Stöckeln mehr oder weniger talentierter junger Frauen, die sich allesamt mit „Mädchen“ anreden und wie Kinder behandeln lassen. Eine davon wird am Ende zur Siegerin ernannt, und wer das ist, ist eigentlich egal, keine von ihnen wurde je ein echtes Topmodel. Oder sagen Ihnen Lovelyn Enebechi, Vanessa Fuchs und Kim Hnizdo irgendwas? Die Gewinnerin ist jedes Jahr die gleiche: Heidi Klum.

Eigentlich sollten wir gar nicht darüber reden. Über dieses Format, in dem es nicht darum geht, Talente zu finden, sondern nur darum, dem Zuschauer eine inszenierte Show und Werbung, Werbung, immer wieder Werbung zu zeigen.

Nur leider ist dieses Theater so hochprofessionell und beliebt, dass wir es nicht ignorieren können. Es wird gerade zum zwölften Mal aufgeführt. Knapp drei Millionen Zuschauer sehen immer noch zu. 150.000 junge Frauen haben sich bislang beworben, begleitet von der Kritik vieler Experten und Eltern, pünktlich zu jedem Staffelbeginn.

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Der Streit um GNTM macht müde

Aus pädagogischer Sicht ist die Sendung zweifellos problematisch: Junge Frauen, die Model werden wollen, müssen zum Teil absurde Prüfungen – je mehr Drama, Baby, desto besser – durchstehen, werden dabei regelrecht vorgeführt. Die Körperbilder, die gleichzeitig propagiert werden, der Schlankheitswahn, der Perfektionismus verunsichern viele der überwiegend jungen Zuschauerinnen. Dünn und schön wollen sie sein, wie Heidi Klums Mädchen. Immer wieder wird deshalb die Kommission für Jugendmedienschutz alarmiert. Immer wieder lautet das Ergebnis, zuletzt 2015, GNTM sei nicht jugendgefährdend. Dann beginnt die nächste Staffel... Dieser Streit scheint niemals enden zu wollen – und nicht nur das macht langsam müde.

Es ist auch die Show selbst, die so langweilig und banal daherkommt, dass sie sogar Zuschauer ermüdet, die dieses Theater irgendwann mal irgendwie unterhaltsam fanden. Keine Entwicklung zu sehen, nicht genug an sich gearbeitet, nicht wandlungsfähig – legt man den typischen GNTM-Sprech an die Sendung selbst an, bleibt nach Folge eins der neuen Staffel nur die Erkenntnis: Es reicht. Und das eben auch, wenn man für einen Moment vergisst, dass die Sendung mit Blick auf das Frauenbild noch nie etwas getaugt hat.

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Ein Leben vor der Kamera: Topmodel Heidi Klum
Bild: Picture-alliance/dpa (Archivbild)

GNTM 2017: Maja und die Achselhaare

Wie unmodern und redundant GNTM ist, haben auch die Macher erkannt. Seit vergangenen Donnerstag spielen vermeintlich individuelle, selbstbewusste junge Frauen die Hauptrollen des Klum’schen Märchens. Da ist die 25-jährige Anh, die mit rosa Kurzhaarfrisur proklamiert, Deutschland sei bereit für die erste asiatische Siegerin. Oder die 20 Jahre alte Giuliana, die als Pascal zur Welt gekommen ist.

Die Juroren finden die Kandidatinnen „faszinierend“ und rufen so oft „Diversity“ in die Kamera, bis es auch der letzte Zuschauer verstanden hat: „Germany’s Next Topmodel“ setzt bei der Auswahl seiner Mädchen jetzt auf Vielfalt. Fassungslos machte Heidi Klum an diesem Abend auf Pro Sieben aber erst Maja. Die 19-Jährige kam mit unrasierten Achseln zum Topmodel-Casting. Was für eine Rebellion gegen das Schönheitsdiktat! Was für eine Chance!

Leider nein. Denn am Ende ist doch alles nur wieder Theater. Die Körper der jungen Frauen – Pardon, Mädchen – passen weiter in die gleiche, strenge Schablone. Die Teilnahme eines Übergrößen-Models, wie etwa im Vorbild „America’s Next Top Model“, bleibt auch 2017 undenkbar. Und Majas Achselhaare? Die müssen ab. Was für ein Theater!

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