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Kindheitserinnerung
20.06.2018

Seifenblasen: Wie Pustefix zum zeitlosen Spielzeug wurde

Seifenblasen begeistern nicht nur Kinder. Auch Erwachsene pusten gerne mal durch das kleine Röhrchen.
Foto: Annette Zoepf

Vor 70 Jahren entdeckte ein Chemiker die Rezeptur für Seifenblasen. Seitdem bringen sie Kinder zum Staunen. Doch die Idee entstand aus der Not heraus.

Das knallige Röhrchen mit dem roten Deckel und dem gelben Bären wirkt aus der Zeit gefallen. Aber kaum ein Spielzeug ist zeitloser als Seifenblasen. Generationen von Kindern pusteten durch den Plastikstil, um den schillernden Bläschen hinterher zu jagen. Dabei entstand die Idee eher aus der Not heraus, in einem Hinterzimmer in Tübingen vor genau 70 Jahren.

Damals begann der Chemiker Rolf Hein mit Waschmitteln zu experimentieren, um sie in den Trümmern der Nachkriegszeit gegen Lebensmittel einzutauschen. Durch Zufall stieß er auf eine Rezeptur, mit der sich Seifenblasen herstellen ließen. Hein erkannte das Potenzial der schmierigen Flüssigkeit und machte sich daran, ein fertiges Spielzeug zu kreieren.

Ein undichter Korken sorgte für enttäuschte Gesichter

Anfangs wurde er für seine Idee belächelt. Doch schon bald entwickelten sich die Pustefix-Seifenblasen zum Kassenschlager. Für das Etikett ließ sich der Chemiker vom Teddybären seiner Kinder inspirieren. Seit dem ist der gelbe Bär das Symbol für die Leichtigkeit und Schönheit der glänzenden Seifenblasen.

Die Flüssigkeit verkaufte Hein in Aluminiumröhrchen, als Verschluss diente ein Korken, in dem ein Metallstift mit Drahtspirale steckte. Doch so manches Kind dürfte enttäuscht in die leere Dose geblickt haben. Oft war der Korken undicht und die Flüssigkeit zersetzte die Spirale. Erst der Plastikboom der 50er Jahre löste das Problem und die Seifenblasen wurden in die ganze Welt exportiert.

Seifenblasen wecken Kindheitserinnerungen

Die Genialität des Spielzeugs liegt in seiner Einfachheit. Kurz rühren, pusten und schon schweben unzählige Seifenblasen durch die Luft. In ihnen spiegelt sich die Leichtigkeit, mit der Kinder die Welt entdecken. Kein Wunder, dass der gelbe Bär auch Erwachsene begeistert. Er hat etwas Beständiges.

Wer das Röhrchen öffnet, fühlt sich in die eigene Kindheit zurückversetzt. Erinnerungen werden wach, wie man mit den Geschwistern um die größte Seifenblase wetteiferte und die bunten Bläschen platzen ließ. Das einfache Spielzeug funktioniert bis heute. Keine Barbie, kein blinkender Bildschirm konnte die Seifenblasen verdrängen.

In Tübingen arbeiten heute 25 Mitarbeiter

Heute beschäftigt Pustefix am Standort Tübingen 25 Mitarbeiter. Jedes Jahr werden 700.000 Liter Flüssigkeit abgefüllt. Die Rezeptur ist geheim. 2011 übernahm der österreichische Stadlbauer-Konzern die Firma, aber Frank Hein, der Enkel des Seifenblasenerfinders, blieb Geschäftsführer.

Vor Spielzeugläden weltweit sitzen Bären und pusten Seifenblasen made in Germany in die Luft. Wind und Wetter setzten ihnen zu. Ist das Fell zerzaust oder die Elektrik kaputt, kommen sie in die Werkstatt nach Tübingen. Die Bären sind die einzige Werbung. Auch nach 70 Jahren verkaufen sich die Seifenblasen scheinbar wie von selbst.

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