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Spanien

16.03.2020

König Felipe bricht mit Vater Juan Carlos

Im Jahr 2008 salutierten sie noch gemeinsam: Nun hat sich König Felipe endgültig von seinem Vater entzweit.
Bild: Javier Cebollada, dpa

Der frühere Monarch von Spanien, Juan Carlos, bekommt keine royalen Zuwendungen mehr. Sein Sohn König Felipe hat offenbar die Nase voll von den Eskapaden des Vaters.

Es war der zweite Schock für die Nation innerhalb von 48 Stunden: Erst wurde wegen der Virus-Epidemie der Ausnahmezustand samt Ausgangssperre verhängt. Dann verkündete König Felipe, 52, am späten Sonntagabend, dass er mit seinem Vater Juan Carlos bricht – weil dieser ein geheimes Vermögen zweifelhafter Herkunft im Ausland versteckte. Ein Paukenschlag, der Spaniens Königshaus erneut ins Wanken bringt. Und der den Ruf von Juan Carlos, 82, der in den vergangenen Jahren vor allem durch Jagdskandale und Seitensprünge von sich reden machte, endgültig ruinieren dürfte.

Briefkasten-Stiftung in Panama

Zuletzt waren immer neue Informationen über Juan Carlos’ fragwürdige Geschäfte durchgesickert: Er soll eine Briefkasten-Stiftung in Panama benutzt haben, um Geldflüsse zu verschleiern. Diese habe in Genf ein Konto unterhalten, auf dem 2008 von der saudischen Regierung 100 Millionen Dollar eingezahlt worden sein sollen. Ein Großteil dieses Geldes habe Juan Carlos, damals noch Staatsoberhaupt Spaniens, 2012 auf ein Schweizer Konto seiner deutschen Ex-Geliebten Corinna zu Sayn-Wittgenstein verschoben. Und: Felipe soll, im Todesfall von Juan Carlos, der zweite Begünstigte des geheimen Panama-Vermögens gewesen sein.

Ein Königshaus, das über ein undurchsichtiges Finanznetz im Ausland Geld wäscht? Diesen Verdacht konnte Felipe nicht auf sich sitzen lassen. Deswegen sah er sich am Sonntagabend gezwungen, alle Brücken zu seinem Vater abzubrechen. In einem offiziellen schriftlichen Kommuniqué, das die Vorwürfe gegen Juan Carlos indirekt bestätigt, erklärt Felipe, dass er an diesen mutmaßlichen Machenschaften seines Vaters nicht beteiligt war. Angesichts der unklaren Herkunft des Vermögens von Juan Carlos verzichtet Felipe nun ausdrücklich auf jeglichen Erbanspruch.

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Zudem bestraft Felipe den Altkönig mit dem Entzug der finanziellen Zuwendung, die Juan Carlos seit seiner Abdankung in 2014 vom Staat erhält. Das waren bisher immerhin rund 200.000 Euro im Jahr. Dieser Schritt wird Juan Carlos allerdings kaum wehtun, wenn richtig ist, was in den letzten Jahren immer wieder von verschiedenen Medien behauptet worden ist: Danach soll sich Juan Carlos eines riesigen Vermögens im In- und Ausland erfreuen, das aus Immobilien und Geldanlagen bestehen soll.

Das Privatvermögen ist ein Geheimnis

Die New York Times hatte einmal, wenn auch ohne Quellenangabe, den Wert des königlichen Besitzes auf 2,3 Milliarden Dollar geschätzt. Offizielle Informationen dazu gibt es nicht, da das Privatvermögen der spanischen Königsfamilie als Staatsgeheimnis gilt und nicht, wie im Falle anderer hoher Amtsträger, veröffentlicht werden muss.

Hinzu kommt, dass ein Teil des von Juan Carlos gehorteten Geldes aus illegalen Aktivitäten stammen könnte. Spanische wie auch Schweizer Ermittler schließen nicht aus, dass die 100 Millionen Dollar, die über die Panama-Stiftung auf Schweizer Konten flossen, an Juan Carlos als Schmiergeld gezahlt wurden. Um den königlichen Staatschef dafür zu entlohnen, dass er bei der Einfädelung eines attraktiven Milliardengeschäfts zwischen der spanischen Industrie und Saudi-Arabien behilflich war. Bei diesem Deal handelte es sich um den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Medina nach Mekka, die zwischen 2006 und 2008 ausgeschrieben worden war. Dass dies so gewesen sein könnte, geht auch aus Aussagen von Juan Carlos’ früherer „Amiga“ Corinna zu Sayn-Wittgenstein hervor. Die deutsche Geschäftsfrau sagte auf Audio-Bändern, die 2015 heimlich von einem spanischen Polizeioffizier gemacht wurden, dass es Juan Carlos mit der Ehrlichkeit nicht ganz so genau nahm. „Er unterscheidet nicht zwischen dem, was legal ist und was illegal ist“, klagte Sayn-Wittgenstein damals. Und sie sprach darüber, dass Juan Carlos eine millionenschwere Kommission für das Bahngeschäft verlangt habe, und dass er sein Vermögen im Ausland verstecke.

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