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Interview

29.10.2020

Komikerin Maria Groppler: "Frauen sollen lieb, brav, nicht zu intim sein"

Gesellschaftliche Themen sind Maria Clara Groppler wichtig. Die Komikerin redet gerne über Männer und Frauen - und ihr Verhältnis zueinander.
Bild: Henning Kaiser, dpa

Maria Clara Groppler ist Comedy-Newcomerin des Jahres. Im Interview spricht sie über Männer, ihren ersten Shitstorm und darüber, wie ihre Texte entstehen.

Frau Groppler, Sie sind Komikerin und erklären ihren Zuhörern unter anderem, wie man Männer dazu bekommt, einen zu lieben. Wie geht das?

Groppler: Wollen Sie die Comedy-Strategie hören oder die, die ich für richtig halte?

Fangen wir mit der Comedy an.

Groppler: Dafür habe ich gegoogelt. Im Internet steht: Man soll zufällig da sein, wo der andere auch gerade ist. Man soll bei WhatsApp nicht sofort antworten. Man soll dem Typ sagen, dass er stark und dass der Sex gut ist. Eigenartige Vorschläge, die Teil meiner Nummer sind.

Und im richtigen Leben?

Groppler: So sein, wie man ist. Dann wird man jemanden finden, der einen mag. Manchmal muss man vielleicht etwas Geduld beweisen. Googeln hilft nur begrenzt.

Sie selbst sind Single. Sind Sie glücklich?

Groppler: Glücklich bin ich auf jeden Fall, egal ob mit oder ohne Partner. Wenn der Richtige irgendwann kommt, sage ich nicht Nein.

Sie sind der Meinung, dass ein veraltetes Bild der Frau herrscht. Woran machen Sie das fest?

Groppler: Frauen sollen lieb, brav, nicht zu intim, nicht zu laut oder hysterisch sein. Männer hingegen schicken Frauen unaufgefordert Fotos von ihren Penissen. Das gilt als normal, ist aber sexuelle Belästigung.

Sie haben vergangenes Jahr einen Shitstorm besonders aus der rechten Szene bekommen, weil Sie Sachsen mit Avocados verglichen haben. Wenn man die Früchte etwas länger liegen lässt, werden sie schnell braun, sagten Sie. So wie die Sachsen, die man auch lange habe liegen gelassen. Inwiefern bereuen Sie diese Aussage?

Groppler: Ich bereue sie nicht. Ich habe damit ein Statement in Richtung „Kein Platz für Rechte“ gesetzt. Das war mir wichtig und ich denke, wir alle dürfen nicht wegschauen. Jeder setzt sein Statement auf seine Art und dies war meine Art für „Nein gegen Rechts“.

Wie hält man einen Shitstorm aus?

Groppler: Ich habe damals viele Nachrichten nicht gelesen. Sie kamen besonders über Facebook. Kommentare zu meinen Videos auf Youtube lese ich auch nicht, da bekomme ich schlechte Laune. Ich erhalte aber auch viele nette Nachrichten.

Wie entstehen Ihre Texte?

Groppler: Ich beobachte Menschen und frage mich, warum sie tun, was sie tun. Ich hinterfrage Dinge, die als gesetzt gelten. Ich schreibe meistens erstmal alles auf, was mir zu dem Thema einfällt, dann suche ich Pointen und teste den Text auf Bühnen.

Was sagen die Leute so?

Groppler: Dass sie mich lustig finden, dass ich eine coole, selbstbewusste Frau bin und so weitermachen soll. Ein großes Lob ist auch, wenn Zuhörer nach der Show sagen, dass es ein guter Abend war.

Was sagt Ihre Mutter, dass Sie seit Ihrem Abitur vor zwei Jahren weder eine Ausbildung noch ein Studium angefangen haben?

Groppler: Ich habe ein Studium angefangen, habe aber aufgehört, weil ich mit Comedy in Deutschland unterwegs war und es gut lief. Meine Mutter freut sich für mich, dass ich das gefunden habe, was mir Spaß macht.

Sie sind Solo-Selbstständige und leben hauptsächlich von Auftritten. Wie kommen Sie durch die Pandemie?

Groppler: Meine Ersparnisse reichen und ich habe ab und zu Einnahmen. Fernsehaufzeichnungen sind noch möglich. Auf Facebook und Instagram kann ich viel machen. Aber manche Kollegen haben sich einen neuen Job gesucht.

Wo wollen Sie noch hin als Comedian?

Groppler: Ich möchte eine etablierte Komikerin werden und noch mehr Menschen erreichen. Ich mache seit vier Jahren Comedy. Am Anfang stand ich vor 10 bis 15 Leuten, seit einiger Zeit vor 100 bis 150. Die Corona-Zeit erinnert mich wegen der wenigen Zuschauer an meine Anfangszeit.

Zur Person: Maria Clara Groppler, 21 Jahre alt, wurde in Berlin geboren und wohnt seit zwei Jahren in Köln in einer WG. Seit vier Jahren ist sie Komikerin. Beim deutschen Comedypreis in diesem Jahr erhielt sie den Titel als beste Newcomerin. Gropplers erstes Solo-Programm heißt Jungfrau. Ihr Auftritt am 2. November in der Augsburger Kresslesmühle ist auf den 20. Juni 2021 verschoben worden. Im Ulmer Roxy tritt sie am 27. Januar auf. In München ist sie am 5. November zu sehen. Die Show in der bayerischen Landeshauptstadt ist ausverkauft.

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