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Oldenburg
22.06.2016

Krankenpfleger Niels H. soll noch mehr Patienten umgebracht haben

Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. hat vielleicht mehr Menschen getötet, als bislang bekannt war.
Foto: Carmen Jasperse, dpa (Archivfoto)

Die Mordserie des ehemaligen Krankenpflegers Niels H. ist noch umfassender als bisher bekannt. Deshalb soll er sich einem weiteren Prozess vor Gericht stellen.

Der bereits wegen Mordes an Patienten verurteilte Ex-Pfleger Niels H. hat offenbar mehr Menschen getötet, als bisher bekannt war. H. habe vor seinen Taten im Klinikum Delmenhorst auch im Klinikum Oldenburg mehrere Patienten getötet, teilten die Ermittler am Mittwoch in Oldenburg mit. H. hatte das bislang bestritten. Nach Angaben der Ermittler hat er nun aber auch gestanden, in Oldenburg mehrere Patienten mittels einer Kaliuminjektionen getötet zu haben. "Wie viele Patienten Opfer in Oldenburg waren, können wir derzeit nicht sagen", sagte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann am Mittwoch in Oldenburg zu den Vernehmungen des Ex-Pflegers.

Dutzende möglicher Opfer wurden entdeckt

H. soll sich wegen seiner Tötungsserie einem weiteren Prozess stellen. "Es wird natürlich eine weitere Anklage geben", sagte Schiereck-Bohlmann. Das Verfahren werde alle Taten umfassen, die Niels H. noch nachgewiesen werden könnten. "Die rechtliche Konsequenz wird am Ende dieselbe sein: Lebenslänglich und besondere Schwere der Schuld. Daran wird sich nichts ändern", sagte die Staatsanwältin. Wegen der Vielzahl der neuen Fälle wird das Verfahren gegen H. den Angaben zufolge in diesem Jahr nicht mehr abgeschlossen werden können.

Der 39 Jahre alte H. war im Februar 2015 unter anderem wegen zweifachen Mords vom Landgericht Oldenburg verurteilt worden. Er hatte gestanden, dutzenden Patienten ein hochwirksames Herzmittel gespritzt zu haben, um bei ihnen lebensbedrohliche Zustände herbeizuführen und sie dann wiederzubeleben. Er selbst gab an, dass bei der Prozedur insgesamt etwa 30 Menschen gestorben seien.

Die Ermittler exhumierten als Folge der Aussagen die Leichen von 99 Verstorbenen des Klinikums Delmenhorst. Bei 27 von diesen sei das Herzmittel nachgewiesen worden, bei sieben Fällen stehe das Ergebnis noch aus, bei 65 Toten habe kein Nachweis gelingen können. Zusammen mit früheren Fällen habe es damit in Delmenhorst mindestens 33 Fälle gegeben, so die Ermittler. "Man kann sagen, das Grauen hört nicht auf", sagte der Oldenburger Polizeipräsident Johann Kühme.

Niels H. wollte beweisen, wie gut er Menschen wiederbeleben kann

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft räumte H. die nun bestätigten 27 neuen Taten bei einer neuen Vernehmung "voll umfänglich pauschal" ein. Anders als bisher habe er nun auch erstmals gestanden, bereits bei seiner Tätigkeit in Oldenburg Patienten absichtlich vergiftet zu haben. Ein Gutachter habe bei neun auffälligen Sterbefällen eine Vergiftung mit Kalium nachgewiesen. H. soll Patienten zum Teil mehrmals vergiftet haben, um sie zu reanimieren.

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In Oldenburg sollen nun "mehrere hundert Patientenakten" überprüft werden. Anschließend werde ein Gutachter diese Akten auswerten. Auf der Basis des Gutachtens werde dann entschieden, ob auch in Oldenburg Massenexhumierungen notwendig seien. Häufig sei der Nachweis der Medikamente kaum noch möglich, weshalb es ein sehr großes Dunkelfeld gebe, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Sander.

Die Ermittler hegen inzwischen den Verdacht, dass H. noch andere Medikamente nutzte als bisher bekannt. Der Leiter der zuständigen Sonderkommission, Arne Schmidt, begründete dies mit anderen Ermittlungserkenntnissen. So seien in der Delmenhorster Klinik insgesamt an lediglich neun Tagen während einer Schicht gleich drei Patienten gestorben - jedes Mal habe H. Dienst gehabt.

Schwere Vorwürfe gegenüber des Klinikums in Oldenburg

Polizeipräsident Kühme machte den Verantwortlichen des Klinikums in Oldenburg, wo H. vor seiner Zeit in Delmenhorst beschäftigt war, schwere Vorwürfe. Im Klinikum Oldenburg hätten die Verantwortlichen von Auffälligkeiten beim Dienst von H. gewusst. Warum die Polizei nicht eingeschaltet worden sei, wisse er nicht.

"Es spricht vieles dafür, dass die Morde von Niels H. im Klinikum Delmenhorst hätten verhindern werden können", sagte Kühme. Spätestens im Jahr 2001 sollen die Verantwortlichen in Oldenburg von Auffälligkeiten gewusst haben. Die Mordserie in Delmenhorst soll nach dem neuen Geständnis von H. Ende 2002 begonnen haben. Gegen die Verantwortlichen beider Kliniken laufen Ermittlungen. afp/dpa

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