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Hadsch

08.09.2016

Pilgerfahrt nach Mekka: Ein Jahr nach der tödlichen Massenpanik

Tausende Muslime beten in Mekka.
Bild: Altaf Qadri, epa (Archivbild)

2300 Menschen starben vergangenes Jahr bei einer Massenpanik während des Hadsch. Wie die Pilgerfahrt nach Mekka heuer ablaufen soll.

Wenn am Samstag im saudiarabischen Mekka die alljährliche muslimische Pilgerfahrt Hadsch beginnt, dürften bei vielen Teilnehmern schreckliche Erinnerungen wach werden. Rund 2300 Menschen starben gegen Ende der Großveranstaltung im vergangenen Jahr bei einer tödlichen Massenpanik. Der Nigerianer Muhammad Sani verlor dabei zwei Kindheitsfreunde. Dennoch reiste der 46-Jährige in diesem Jahr erneut nach Mekka. Insgesamt werden zu der wichtigsten Pilgerreise für Muslime mehr als 1,4 Millionen Gläubige aus dem Ausland und hunderttausende Saudiaraber erwartet.

Nach dem schlimmsten Unglück in der Geschichte des Hadsch hat Gastgeber Saudi-Arabien die Sicherheitsvorkehrungen verbessert. Aber die Ereignisse vom 24. September 2015 lassen den Nigerianer Sani nicht los: "Ich blieb wie durch ein Wunder unverletzt, aber der Vorfall hat eine Narbe in meinem Herzen hinterlassen, die niemals heilen wird", sagt der Apotheker.

Schweren Schaden nahmen durch die Tragödie auch die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien. Unter den Opfern der Massenpanik waren 464 Iraner, es war die größte Opferzahl für ein einzelnes Land. Rund 60.000 Iraner waren im vergangenen Jahr nach Mekka gepilgert.

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Schuldfrage für tödliche Massenpanik nicht geklärt

Das Unglück ereignete sich, als die Pilger zur symbolischen Teufelssteinigung in Mina bei Mekka marschierten. Teilnehmer machten Polizeiabsperrungen und die fehlende Kontrolle über die Menschenmassen für das tödliche Gedränge verantwortlich. Die örtlichen Behörden behaupteten, die Pilger hätten sich nicht an Vorschriften gehalten.

Gespräche zwischen Teheran und Riad über eine Verbesserung der Sicherheit brachten im Mai kein Ergebnis. Riad verwehrte Gläubigen aus dem Iran daraufhin für dieses Jahr die Teilnahme. Iraner, die aus anderen Staaten anreisen, dürfen jedoch teilnehmen. 

Wenige Tage vor Beginn des Hadsch verschärfte sich der Ton zwischen Teheran und Riad weiter. Der Iran warf Saudi-Arabien erneut "Inkompetenz" bei der Organisation des Großereignisses vor, Saudi-Arabiens Großmufti Abdulasis al-Scheich sagte, Iraner seien keine Muslime.

Die Massenpanik vom vergangenen Jahr war nicht das erste verheerende Unglück während des Hadsch, aber nie gab es so viele Opfer wie 2015. Während Riad von 770 Toten sprach, ergaben Zahlen aus mehr als 30 Staaten, aus denen Pilger angereist waren, eine Gesamtzahl von mindestens 2297 Toten.

Die örtlichen Behörden hielten sich auch bei der Frage nach der Unglücksursache bedeckt - anders als bei einem tödlichen Unglück, das sich kurz vor dem Beginn des Hadsch im vergangenen September ereignete. Durch den Einsturz eines Baukrans auf einen Innenhof der Großen Moschee von Mekka kamen mindestens 109 Menschen ums Leben. 14 Menschen müssen sich dafür vor Gericht verantworten.

Pilgerfahrt nach Mekka Pflicht für gläubige Muslime

Ungeachtet der Gefahren zieht Mekka jedes Jahr hunderttausende Pilger an. Der Hadsch ist eine der fünf Säulen des Islam, jeder gläubige Muslim soll mindestens einmal im Leben daran teilnehmen.

Einige Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit wurden in diesem Jahr getroffen: So wurde das Gelände, auf dem die Teufelssteinigung stattfindet, erweitert. Die Zeit für die Steinigung wurde begrenzt. Auch High Tech kommt zum Einsatz: Zum ersten Mal tragen alle Pilger elektronische Armbänder mit ihren persönlichen Informationen, darunter Angaben über Medikamente. Überwachungskameras sollen die Menschenströme beobachten.

Bereits angereiste Pilger bemerkten eine Verbesserung der Organisation und der Sicherheitsvorkehrungen. Schon am Flughafen sei alles schneller gegangen, sagt der Thailänder Asi Wat Azizan. Saudi-Arabien "handelt, damit sich die Tragödie nicht wiederholt", meint der Indonesier Abdul Dschamil.

Die sudanesische Teilnehmerin Nadschwa Hassan hat "keine Angst vor Unfällen". Doch auch die Gefahr von Attentaten schwebt über dem Großereignis. Im Juli wurden bei einem Selbstmordanschlag nahe der Moschee von Mohammed in Medina, der zweitheiligsten Stätte des Islam nach Mekka, vier Sicherheitskräfte getötet. afp

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