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17.06.2017

Prozess um U-Bahn-Trittbeginnt neu

Der angeklagte „U-Bahn-Treter“ am Donnerstag vor Gericht.
Bild: dpa

Eine Schöffin war offenbar befangen

Der Prozess um die brutale Attacke gegen eine Frau auf einer Berliner U-Bahn-Treppe muss neu aufgerollt werden. Das Landgericht Berlin hat das Verfahren ausgesetzt, teilte eine Sprecherin am Freitag mit. Damit wurde dem Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen eine Schöffin stattgegeben.

Diese habe, so auch das Gericht, vor einigen Jahren in Leserbriefen an eine Berliner Tageszeitung im Zusammenhang mit Jugendkriminalität die Kompetenz der zuständigen Behörden angezweifelt. Ein anderes Mal soll sie sich abfällig über Menschen mit Migrationshintergrund geäußert haben. Damit ist die Frau nicht mehr unvoreingenommen. Der Prozess soll nun mit neuen Schöffen am 26. Juni ein zweites Mal beginnen.

Schöffen sind ehrenamtliche Richter, die in einem Prozess Berufsrichtern beigeordnet werden. Dabei hat ihre Stimme das gleiche Gewicht wie jene der Berufsrichter. Die ausgewechselte Schöffin war dem Gericht zufolge eine unerfahrene Hilfsschöffin. Ihr Einsatz am Donnerstag sei ihr erster bei einer Großen Strafkammer gewesen und ihr insgesamt zweiter Einsatz beim Landgericht Berlin seit ihrer Ernennung im Jahr 2014 überhaupt.

Der angeklagte 28-jährige Bulgare soll eine arglose Passantin am 27. Oktober 2016 mit einem wuchtigen Tritt in den Rücken eine Betontreppe hinuntergetreten haben. Der Angriff im U-Bahnhof Hermannstraße im Stadtteil Neukölln hatte bundesweit Entsetzen und Empörung ausgelöst. Dem mutmaßlichen Täter wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er sitzt in Untersuchungshaft. Das damals 26-jährige Opfer erlitt einen Armbruch und eine Kopfverletzung. Die Frau tritt im Prozess als Nebenklägerin auf.

Die Verteidiger hatten gleich zum Prozessauftakt am Donnerstag beantragt, die Schöffin nicht zuzulassen. Dadurch kam es weder zur Verlesung der Anklage noch zur Feststellung der Personalien. Die Verhandlung wurde vertagt und sollte ursprünglich am Dienstag fortgesetzt werden. (dpa, afp)

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