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Saudi-Arabien
27.08.2010

Frauen dürfen nicht an der Supermarkt-Kasse sitzen

Frauen dürfen in Saudi-Arabien nun doch nicht an Supermarkt-Kassen sitzen.
Foto: DPA

Man hätte meinen können, in Saudi-Arabien ginge es bald liberaler zu: Die Supermarktkette Panda wollte erstmals Frauen als Kassiererinnen einstellen. Konservative Kreise protestierten dagegen - erfolgreich.

Frauen an der Supermarktkasse? In Saudi-Arabien ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Unternehmen musste dort die Einstellung von Kassiererinnen wieder rückgängig machen. Saudis hatten zum Boykott der Läden aufgerufen.

Der Job an der Supermarktkasse ist in Deutschland ein klassischer Frauenberuf. Im islamischen Königreich Saudi-Arabien dürfen dagegen bisher nur Männer an der Kasse sitzen - und es soll auch in Zukunft so bleiben. Die saudische Supermarktkette Panda hatte zwar vor einigen Tagen als erstes Unternehmen Frauen an die Kassen gesetzt. Dies wurde jedoch am Donnerstag, nur wenige Tage nach dem Arbeitsantritt der 13 ersten Kassiererinnen, wieder rückgängig gemacht.

Der Grund: Zahlreiche Saudis hatten aus Protest gegen diese Neuerung zu einem Boykott der Panda-Geschäfte aufgerufen. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, Panda werde für die 13 Frauen nun andere Jobs finden. Die Supermarktkette werde sie nicht mehr an der Kasse beschäftigen, "um eine Konfrontation zu vermeiden".

Boykott-Aufruf auf Facebook

Die Firma Panda, die mehrheitlich zur Kingdom Holding von Prinz Walid bin Talal gehört, hatte den Widerstand konservativer Kreise offensichtlich unterschätzt. In den vergangenen Tagen hatten mehrere Religionsgelehrte des Königreiches islamische Rechtsgutachten (Fatwa) gegen die Arbeit von Frauen als Kassiererinnen veröffentlicht. Zudem hatten Saudis eine Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook gegründet, wo sie zu einem Boykott der Panda-Märkte aufriefen, falls das Unternehmen die Frauen nicht bis zum 24. September von den Kassen abberufen sollte.

Der oberste Rechtsgelehrte des Landes, der Mufti Scheich Abdulasis bin Abdullah al-Scheich, reagierte verärgert auf die Auseinandersetzung um die Kassiererinnen. Er zitierte am Donnerstag Scheich Jussif al-Ahmad zu sich, weil dieser in einer TV-Sendung eine Fatwa gegen die Beschäftigung der Frauen in den Panda-Märkten ausgesprochen hatte. Das Büro des Muftis, der die höchste religiöse Autorität des Landes ist, erklärte er dem Scheich, der an einer Universität unterrichtet, dieser dürfe islamische Rechtsgutachten künftig nur noch nach Absprache mit dem nationalen Fatwa-Komitee erteilen.

Geschlechtertrennung im öffentlichen Leben

Frauen dürfen in Saudi-Arabien nur bestimmte Berufe wie Lehrerin, Journalistin oder Bankkauffrau ausüben. Am Arbeitsplatz herrscht außerdem Geschlechtertrennung. Das bedeutet zum Beispiel, dass Kundinnen einer Bank in der "Frauen-Filiale" des Geldinstitutes von Frauen bedient werden. Es gibt auch kleinere Frauen-Einkaufszentren, in denen nur Frauen beschäftigt sind.

Lediglich in den Krankenhäusern gibt es keine Geschlechtertrennung. Der Milliardär Prinz Walid bin Talal gehört zu einer Minderheit liberaler Saudis, die sich für die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen für Frauen einsetzt. Bis vor rund fünf Jahren arbeiteten an den Supermarktkassen in Saudi-Arabien nur ausländische Männer. Inzwischen üben wegen der wachsenden Jugendarbeitslosigkeit auch einige junge Saudis aus weniger wohlhabenden Familien diesen Beruf aus. dpa

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