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Interview

03.01.2019

Susanne Fröhlich verrät ihren Abschied vom „Moppel-Ich“

Autorin Susanne Fröhlich: Beim Fasten gebe es ein ähnlich erhebendes Gefühl wie nach dem Sport, sagt die 56-Jährige. „Wenn sich dieses gute Gefühl erwerben ließe, würde ich es kaufen.“
Bild: Holger John, dpa

Exklusiv Mit „Moppel-Ich“ hat sie unzähligen Frauen Mut gemacht. Doch privat ist die Bestsellerautorin eine überzeugte Anhängerin des Fastens - aus einem ernsten Grund.

Frau Fröhlich, Sie haben nicht nur in „Moppel-Ich“ übers Leben mit einigen zu vielen Pfunden geschrieben. In Ihrem neuen Buch „Fröhlich fasten“ geht es ums Fasten. Warum denn das?

Susanne Fröhlich: Ich habe das Fasten schon vor Jahren begonnen, um mein Rheuma in den Griff zu bekommen. Da ich ein sehr schulmedizinisch geprägter Mensch bin, der mit Blutwerten und klaren Ergebnissen etwas anfangen kann, waren meine Erwartungen zunächst sehr verhalten. Ich dachte, es ist eine Option, schaden kann es nicht – und es kostet kein Geld. Meine Ärzte und auch ich selbst waren dann überrascht, wie gut das anschlug. Ich hätte es tatsächlich nicht für möglich gehalten, dass es so einfach ist, sein Rheuma loszuwerden. Ich konnte keinen Sport mehr machen und meine Arme nicht mehr unbeschwert bewegen. Seitdem ich faste, jogge ich wieder ganz normal und der Rheumamarker in meinem Blut ist weg. Da war ich echt geplättet. Heute geht es mir wunderbar.

Wie oft fasten Sie?

Fröhlich: Ich faste ein bis zweimal im Jahr und habe seither nie mehr Schmerzen in der Hüfte und der Schulter gehabt. Wenn ich die Schulter wieder spüre, faste ich wieder. Das ist ein relativ einfacher Weg zur Besserung. Denn ich wollte nur sehr ungern weiter cortisonhaltige Medikamente nehmen.

Sie machten das sogenannte Buchinger-Fasten. Wie funktioniert das?

Fröhlich: Es gibt keinerlei feste Nahrung, das ist die schlechte Nachricht. Man hat nichts zu kauen. Ein wenig Gemüsebrühe ist erlaubt, allerdings ohne Gemüsestücke. Ich habe mir ab und zu einen Gemüsesaft mit kochendem Wasser verdünnt und mir eingeredet, es wäre eine Suppe. Mein Hirn hat aber gesagt: Nein, Susanne, das ist keine Tomatensuppe, sondern ein sehr, sehr stark verdünnter Tomatensaft. Diese Wärme tat mir ganz gut.

Warum haben Sie sich für das Buchinger-Fasten entschieden?

Fröhlich: Weil man bei dem wenigstens noch ein paar Mineralstoffe bekommt. Und man darf auch mal ein Gläschen Obstsaft trinken. Überhaupt ist das Trinken sehr wichtig. Auch an die frische Luft zu gehen, ist gut. Aber das war es an Nahrung.

Alle fürchten sich vor den ersten Fastentagen. Wie lange dauert es, bis das Anfangsgrauen vorbei ist?

Fröhlich: Ich hatte sehr großen Respekt, nicht nur vor den ersten Tagen, sondern vor jedem Tag, an dem ich nichts esse. Ich bin nämlich eine austrainierte, begeisterte Esserin. Ich liebe Essen! Gutes Essen ist für mich etwas ganz Tolles. Insofern hatte ich schon einen großen Horror.

War es dann wirklich so schlimm?

Fröhlich: Es ist ja so: Wenn man sich vor etwas wirklich fürchtet, ist man hinterher überrascht, dass es gar nicht so schlimm war, wie man dachte. Aber tatsächlich sind die ersten Tage nicht schön, weil der Körper natürlich sagt: Gib mir Nahrung, gib mir Nahrung. Der ist das einfach gewohnt. Ich hatte ein, zwei Tage richtig Hunger, ins Unendliche steigerte sich der allerdings nicht. Das ist ein bisschen wie bei der Flugangst. Da kann man auf der Langstrecke auch nach Sydney fliegen, irgendwann wird die Angst nicht mehr stärker.

Aber Appetit hat man?

Fröhlich: Natürlich. Ich hatte Lust auf Essen, weil das ja auch Struktur für den Tag schafft. Das ist ein fester Bestandteil des Lebens, und zu den normalen Essenszeiten sitzt man da und denkt: Was mache ich denn jetzt? Darum habe ich auch versucht, nicht dauernd die gesamte Fastenzeit im Auge zu haben. Da wäre ich in eine Art mentales Koma gefallen und hätte gesagt: Das geht eh nicht! Also habe ich mich von Tag zu Tag gehangelt. Ich habe mir gesagt: Oh, jetzt habe ich schon zwei Tage durchgehalten. Will ich wirklich wieder von vorne anfangen? Also habe ich immer weitergemacht. Irgendwann wird es dann selbstverständlich.

Dann geht es einem gut?

Fröhlich: Ja, es tut gut, wenn man sich selbst als willensstark erlebt. Gerade in einem Bereich, in dem ich es nicht für möglich gehalten hätte. Das hat mich sogar irgendwie berauscht und ich habe mir gedacht: ,Wahnsinn, ich esse nichts!‘ Das hat mich total beglückt.

Wie lange kann ein gesunder Mensch fasten, ohne dass es bedenklich wird?

Fröhlich: Ich denke, je nach Ausgangsgewicht etwa 40 Tage. Ich würde allerdings niemand raten, zum Einstieg mit 40 Tagen anzufangen. Ich habe drei Freunde, darunter meinen Ex-Mann, gebeten, für das Buch Fasten auszuprobieren, weil ich mir dachte, das sonst manche Leser sagen würden: Ach die, die kann sich immer so richtig in irgendwelche Ideen verrennen. Mein Ex-Mann ist, was das Essen angeht, eine Art menschlicher Labrador, wie er selbst sagt. Auch zwei Freundinnen konnte ich animieren. Alle kamen zu dem Schluss: Der Gedanke ans Fasten ist viel schlimmer als das Fasten selbst. Mein Ex hat sogar gerade zum zweiten Mal gefastet, weil er die Erfahrung so toll fand.

Viele Frauen leben in der Annahme, dass mit dem Erreichen der Traumfigur ihr Leben besser und schöner wird. Ist Ihr Leben nun tatsächlich besser?

Fröhlich: Ich nehme unterschiedlich viel ab, denn ich mache das nun schon einige Jahre. Inzwischen bin ich relativ schlank und darum nehme ich auch nicht mehr so viel ab. Wenn das Ausgangsgewicht höher ist, verliert man mehr Pfunde, und Männer tun sich dabei leichter als Frauen. Ich glaube, dass man Frauen einmal erklären muss, dass Gewicht kein Indikator für Glück ist.

Denken aber viele!

Fröhlich: Ja, aber nur weil man fünf Kilo leichter ist, ist der Chef nicht freundlicher und die Männer stehen auch nicht plötzlich Schlange. Man gewinnt deswegen auch keine Preise und rennt nicht den ganzen Tag beseelt durch die Gegend. Schlank zu sein heißt nicht, glücklich zu sein. Vielleicht hat man bessere Blutwerte und man fühlt sich vielleicht etwas besser. Nur, sich zu sagen: Wenn ich schlank bin, dann mache ich einen Salsa-Kurs oder ich finde einen Mann, ist Käse. Quatsch ist auch, dass alle Männer speziell auf schlanke Frauen stehen.

Moderne Menschen streben immer mehr nach Selbstoptimierung...

Fröhlich: Ja. Diese Selbstoptimierung ist aber etwas, was ich sehr kritisch sehe. Man kann sich den ganzen Tag mit sich, seinem Körper und seinen Leistungen beschäftigen. Das wäre aber schade, denn man kann in dieser Zeit auch tolle andere Sachen machen, die mehr Spaß machen. Perfektion zieht mich per se nicht an. Das verstört mich eher. Ein Leben lang an sich selbst abzuarbeiten, ist eine traurige Vorstellung. Auf lange Strecke ist es besser, sich mit sich selbst anzufreunden.

Warum ist das Fasten derzeit so in?

Fröhlich: Dass Fasten gerade so im Trend liegt, hat auch mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu tun. Früher war das etwas, was man mit Esoterikern verbunden hat, die alle spirituell waren und irgendwie einen an der Klatsche haben. Heute sagten mir aber alle Schulmediziner, die ich befragt habe: Es ist keine Frage mehr, ob Fasten funktioniert. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Das Bestechende am Fasten im Vergleich zu einer Diät ist, dass es einem keinen Handlungsspielraum lässt. Bei einer Diät heißt es: Ich darf ein Knäckebrot mit 50 Gramm Putenaufschnitt essen, vielleicht nehme ich noch ein Brot mehr… Beim Fasten indes gibt es nichts. Fertig!

Sie schreiben, nach ein paar Tagen des Fastens kann man riechen wie ein toter Iltis. Motiviert nicht gerade...

Fröhlich: Nein, das ist es nicht. Aber mit guten Hygienemaßnahmen kann man natürlich etwas dagegen tun. Es gibt ja Zahnpasta, Mundwasser und es gibt Deodorants. Aber man merkt schon, dass sich etwas im Körper tut. Das hat aber auch etwas Bestechendes.

Sollte man eher im Sommer mit dem Fasten beginnen, wenn man sowieso weniger Hunger hat, oder eher in der Weihnachtszeit, in der man am meisten Speck an den Rippen hat?

Fröhlich: Das ist wie mit dem Kinderkriegen. Zeitlich passt es eigentlich nie. Irgendjemand hat immer Geburtstag oder man feiert sonst etwas. Persönlich finde ich den Fastenbeginn am Jahresanfang ganz gut, so als Einstieg, der einem einen Kick gibt. Ich konnte es ganz gut nach diesen vielen Festtagsgelagen. Im Sommer fällt es mir auch leicht, weil man da sowieso nicht so viel Lust auf schweres Essen hat. Es hängt auch damit zusammen, ob man arbeiten will oder nicht.

Kann man beim Fasten arbeiten?

Fröhlich: Ja, aber es gibt auch Leute, die sich beim Fasten ein wenig schwach fühlen. Es hängt auch damit zusammen, ob man einer körperlichen Tätigkeit nachgeht. Denn es geht der Blutdruck runter und da kann einem schon mal schwindelig sein. Aber ich habe immer gearbeitet. Ich wollte nicht den langen Tag freihaben, dasitzen und drüber nachdenken: Was mach’ ich bloß?

Wie hat Ihr persönliches Umfeld auf die gepurzelten Pfunde reagiert?

Fröhlich: Es dauert ja immer, bis die Leute das merken. Man selber denkt: Oh, schon 800 Gramm abgenommen, aber das sieht man erst so ab fünf, sechs Kilo. Erst nahmen es die meisten ganz gut auf. Es gibt aber immer welche, die mit erhobenem Zeigefinger warnen: Du wirst das Doppelte zunehmen. Auch da muss man sich von den Kommentaren der Leute freimachen: Für die einen bist du zu dick, für die anderen zu dünn. Ich habe noch niemand erlebt, der gesagt hätte: Genau jetzt hast du das richtige Gewicht. Ich war aber auch nicht unglücklich darüber, als ich noch mehr gewogen habe. Nur meine Mutter hat gesagt: Gut, dass es einen 16:9-Fernseher gibt, dein Kopf passt ja nicht mehr auf einen normalen Bildschirm.

Ihre Mutter ist aber hart drauf...

Fröhlich: Ja, die ist nicht zimperlich.

Was passierte mit Ihrem Selbstbewusstsein durch das Fasten?

Fröhlich: Fasten ist ein Selbstbewusstseins-Booster, wie man heute so schön sagt. Man merkt, etwas, was man für nahezu ausgeschlossen hat, funktioniert. Ich hatte auch Tage, da war ich fast überheblich.

Mussten Sie nicht mit dem inneren Schweinehund kämpfen?

Fröhlich: Ich habe ja nicht nur einen inneren Schweinehund, sondern ein ganzes Rudel davon. Ich kenne das auch vom Joggen. Sich da auf den Weg zu machen, ist ja auch nicht einfach. Aber ich liebe dieses erhebende Gefühl nach dem Sport. So ähnlich ist es auch beim Fasten. Wenn sich dieses gute Gefühl erwerben ließe, würde ich es kaufen.

Nimmt man nach dem Fasten nicht gleich wieder zu?

Fröhlich: Klar, nach dem Fasten nimmt man zu, weil der Körper wieder Wasser speichert und sich der Darm füllt. Aber ich konnte mein Gewicht im Großen und Ganzen immer halten. Im Laufe des Jahres nehme ich dann bis zur nächsten Fastenkur um die drei, vier Kilo zu. Aber ich möchte mich auch nicht lebenslang kasteien. Das finde ich sehr trostlos. Ich möchte ja auch keine Gewichtshysterikerin sein. Interview: Josef Karg

Buch und Autorin: Die Frankfurter Autorin und Journalisten Susanne Fröhlich arbeitet als Fernsehmoderatorin und hat mit ihrem früheren Mann Gerd Scobel zwei Kinder. Bekannt wurde die 56-Jährige mit ihrem Sachbuch „Moppel-Ich“. Ihr neues Buch „Fröhlich fasten“ erschien bei Gräfe und Unzer (224 Seiten, 17,99 Euro).

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