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Wahl in Kanada

19.10.2019

Andrew Scheer - der Kandidat im Fahrwasser Donald Trumps

Der konservative Andrew Scheer (r.) fordert Kandas derzeitigen Premierminister Justin Trudeau (l.) heraus.
Bild: Sean Kilpatrick/The Canadian Press/AP, dpa

Der junge Andrew Scheer plant eine konservative Kehrtwende für Kanada, falls er die Wahl gewinnt. Auch Europa und der Nahe Osten bekämen das zu spüren.

Als er im Mai 2017 als Nachfolger von Stephen Harper zum Parteivorsitzenden der Konservativen Partei Kanadas gewählt wurde, rechnete kaum jemand damit, dass Andrew Scheer eine ernste Gefahr für den auf dem Höhepunkt seiner Popularität schwimmenden Premierminister Justin Trudeau werden könnte. Das hat sich geändert. In Umfragen kurz vor den Parlamentswahlen am Montag liegt seine Partei gleichauf mit Trudeaus Liberalen.

Scheer ist gerade einmal 40 Jahre alt und damit sieben Jahre jünger als der Premier. Er ist Vater von fünf Kindern im Alter von drei bis dreizehn Jahren, Trudeau hat drei. Bereits 2004 hat Scheer einen Wahlkreis in der mittelkanadischen Provinz Saskatchewan gewonnen. 2011 stieg er zum „Speaker of the House of Commons“ auf, vergleichbar mit dem Bundestagspräsidenten. Er war der jüngste „Speaker“ in der Geschichte Kanadas.

Seine Vorfahren kamen Mitte des 19. Jahrhunderts aus Frankfurt an der Oder in das nordamerikanische Land. Scheer wurde 1979 in Ottawa geboren, besuchte dort die High School und studierte an der örtlichen Universität Geschichte und Politik. Hier lernte er seine Frau Jill kennen, mit der er nach Regina, der Hauptstadt Saskatchewans, zog.

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Andrew Scheer: "pro life" und gegen die CO2-Abgabe

Scheer ist geprägt von konservativen Werten. Er ist „pro life“, will aber an der Rechtslage in Kanada, die Abtreibungen erlaubt, nichts ändern. Die Liberalen attackieren ihn, weil er kein eindeutiges Bekenntnis zum Entscheidungsrecht der Frau ausspricht.

Der konservative Politiker ist vehement gegen die CO2-Abgabe, die Trudeau eingeführt hat. Diese will er sofort abschaffen, sollte er die Regierung übernehmen. Er bekennt sich zwar zum Pariser Klimaabkommen und spricht von der Förderung „grüner Technologie“. Konkrete Aussagen über Reduktionsziele legt er aber nicht vor, er propagiert allerdings den Ausbau von Pipelines sowie der Öl- und Gasindustrie. Den Kampf gegen den Klimawandel will er vor allem auf globaler Ebene führen, weil Kanadas Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen unter zwei Prozent liegt. Während Trudeau ein bekennender Freund der Europäischen Union ist, kann man dies von Scheer nicht behaupten. Er hat beispielsweise die Briten offen dazu aufgefordert, für den Brexit zu stimmen.

Scheer will Kanadas Auslandshilfen um 25 Prozent kürzen und stattdessen angeblich mehr als zwei Milliarden Dollar für bedürftige Kanadier zur Verfügung stellen. Dass er damit auch Mittel streichen würde, die Ländern im Nahen Osten und in Asien helfen, die viele Millionen Flüchtlinge aufnehmen, nimmt er in Kauf. Auch im Nahen Osten würde Scheer den Spuren Donald Trumps folgen: Er hat angekündigt, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die kanadische Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, gegen die bisherige offizielle Position Kanadas.

Lesen Sie dazu auch: Wie Justin Trudeau im Wahlkampf die Balance verlor

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