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Auszeichnung

20.10.2020

Bundesverdienstkreuz war teils "made in China" – das soll sich jetzt ändern

Das Bundesverdienstkreuz kommt die Steuerzahler bald teurer.
Bild: Britta Pedersen, dpa (Archiv)

Deutschlands höchste Auszeichnung war bisher teils „made in China“. Das ändert sich nun – doch zu einem hohen Preis.

Das Bundesverdienstkreuz ist die höchste Auszeichnung, die der deutsche Staat vergibt. Jährlich rund 1000 Persönlichkeiten erhalten es für herausragende Leistungen in Politik, Wirtschaft, Kultur oder Ehrenamt aus den Händen des Bundespräsidenten. Gerade wurde die Auszeichnung etwa dem Virologen Christian Drosten verliehen. Edel schimmert das Ehrenkreuz in Schwarz, Rot und Gold. Es gibt acht verschiedene Stufen, je nach Bedeutung der Leistung.

„Kosten für Orden und Ehrenzeichen“ klettern auf 150.000 Euro

Doch der Orden selbst spielt rein qualitativ eher in einer Liga mit Modeschmuck oder Anstecknadeln aus dem Andenkenladen. Bisher jedenfalls, denn in Zukunft soll der Orden nicht nur schön aussehen, sondern auch im Inneren glänzen. Was seinen Preis hat. Das geht aus Unterlagen des Bundespräsidialamts hervor, die unserer Redaktion vorliegen. Demnach musste sich Schloss Bellevue im Rahmen der Haushaltsverhandlungen rechtfertigen, dass die „Kosten für Orden und Ehrenzeichen“ von 85.000 Euro in diesem Jahr auf 150.000 Euro im nächsten Jahr klettern. In dem Papier heißt es, dass es zuletzt „erhebliche Qualitätsprobleme bei Orden und Etuis“ gegeben habe.

Virologe Christian Drosten zeigt den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, mit dem er vom Bundespräsidenten zum Tag der Deutschen Einheit im Schloss Bellevue geehrt wurde.
Bild: Michael Sohn, AP/dpa

Wesentliche Arbeitsschritte bei der Herstellung fanden zudem in Fernost statt. Die Orden bestehen aus einer vergoldeten Kupferlegierung. Ihren Glanz aber erhalten sie durch die Emaillierung. In Europa gibt es kaum mehr Anbieter von Emailletechnik. Dem Präsidialamt sei bekannt geworden, dass Orden aller Stufen in China mit Emaille versehen wurden. Auch die Etuis für die Kreuze der unteren Stufen stammten aus chinesischer Fabrikation – und gingen nicht selten aus dem Leim.

Seit Jahren bezieht das Bundespräsidialamt die Orden vom Anbieter Steinhauer & Lück. Die Lüdenscheider Firma zählt zu den ersten Adressen in Sachen Abzeichen und Plaketten, auch viele Schützen- und Karnevalsvereine decken dort ihren Bedarf. Nach dem Ärger um die Qualitätsprobleme wurde der Auftrag laut Präsidialamt 2019 neu ausgeschrieben. Dabei wurde klargestellt, dass bei der Herstellung die Einhaltung von Mindestlohn sowie sozialer Mindeststandards zu garantieren seien.

Acht Anbieter forderten die Unterlagen an. Doch am Ende gab nur eine Firma ein Angebot ab: Steinhauer & Lück, der bisherige Lieferant. Der erhielt den Auftrag auch mangels Alternative. Allerdings sind die Verdienstkreuze nun deutlich teurer. Denn seit Sommer wird in einem Betrieb in Frankreich emailliert. Pro Orden kostet das 25 statt 2,67 Euro. Die Etuis bezieht man nun von einer Thüringer Werkstatt. Auch das hat seinen Preis: 15 Euro pro Stück statt 2,60 Euro.

Deligöz: „Auch Bundesbehörden sollten nachhaltig vorgehen“

Trotz des Kostensprungs um 65.000 Euro kommt aus dem Haushaltsausschuss Lob für die nun ganz in Europa hergestellten Orden. So sagt die Grünen-Abgeordnete Ekin Deligöz: „Auch unsere Bundesbehörden und Verfassungsorgane sollten bei der Produktion nachhaltig vorgehen. Wenn wir das von unserer Wirtschaft einfordern, sollten wir auch als gutes Beispiel vorangehen.“

Nach der Affäre um das „Verdienstkreuz made in China“ wollten die Grünen im bayerischen Landtag wissen, woher denn die Orden stammen, die der Freistaat vergibt. Laut Antwort der Staatsregierung werden der Bayerische Verdienstorden und weitere Ehrenzeichen von einem Betrieb in der baden-württembergischen Schmuckmetropole Pforzheim gefertigt. Der habe sich verpflichten müssen, bei der Herstellung die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards zu garantieren.

Lesen Sie dazu auch: Stadtbergerin Ingrid Strohmayr erhält Bundesverdienstkreuz

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