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Wohnen

16.05.2019

Die Miete wird immer mehr zum großen Schuldenrisiko

Die explodierenden Mieten, Wohnungs- und Hauspreise werden für Deutschland zunehmend zum Problem.
Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolfoto)

Immer häufiger geben die Deutschen die Hälfte ihres Einkommens für Wohnkosten aus. Da geraten selbst Haushalte mit mittlerem Einkommen an ihre Grenzen.

Die angespannte Lage auf dem Immobilienmarkt wird immer häufiger zum Thema für Schuldnerberater. Für viele Mieter steige das Risiko, sich finanziell zu übernehmen. Selbst Haushalte mit mittlerem Einkommen könnten angesichts gestiegener Wohnkosten vielerorts kaum noch Rücklagen bilden für unvorhergesehene Rechnungen oder Reparaturen, teilte die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung mit.

„Die hohen Wohnkosten selbst sind ein Überschuldungsrisiko“, sagte Geschäftsführerin Ines Moers. „Und Menschen, die ohnehin Schulden haben, sind ganz besonders benachteiligt.“

Immer mehr Menschen in Deutschland sind überschuldet

Tatsächlich steigt die Zahl der überschuldeten Deutschen seit 2014 kontinuierlich. Im Jahr 2018 waren 6,9 Millionen Menschen über 18 Jahren betroffen – darunter sind zunehmend Ältere und Frauen. „Für die Bezieher kleiner Einkommen in Ballungszentren sind die Wohnkosten kaum zu tragen und ein Einfallstor für Überschuldung“, warnt auch Michael Bretz von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, die regelmäßig den Schuldner-Atlas veröffentlicht.

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Besonders gefährlich könne das werden, wenn sich die wirtschaftliche Situation im Land eintrübe. Schon heute haben laut einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung etwa 1,3 Millionen Haushalte in deutschen Großstädten nach Abzug der Miete nur ein Resteinkommen unterhalb der Hartz-IV-Regelsätze zur Verfügung.

Immer häufiger geben Deutsche die Hälfte ihres Einkommens für Miete aus

Im Schnitt geben die Deutschen fast 30 Prozent des Einkommens für Wohnkosten aus – für Fachleute ist das bereits eine kritische Schwelle. Immer häufiger werde sogar die 50-Prozent-Marke überschritten. „Da kann man sich ausrechnen, was noch zum Leben übrig bleibt“, sagt Ulrich Ropertz, Chef des Deutschen Mieterbundes. „Die hohen Mieten sind für viele Haushalte schlicht nicht mehr bezahlbar.“

Betroffen seien vor allem jene Haushalte, die knapp über dem Niveau von Hartz IV liegen und keine Transferleistungen beziehen. „Aber das reicht dann auch ganz schnell in die Mittelschicht hinein“, sagt der Mietexperte. Die Politik reagiere zu langsam auf das Problem. Zwar werde jetzt das Wohngeld für Bedürftige erhöht, doch damit laufe man dem Thema nur hinterher.

„Verbal ist das Thema in der Politik angekommen, aber es passiert zu wenig“, kritisiert Ropertz. Auch die Verlängerung der Mietpreisbremse, wie von Justizministerin Katarina Barley vorgeschlagen, könne nur ein Ansatz von vielen sein. Ropertz fordert eine Begrenzung des Preisanstiegs nach Modernisierungen. „Solange es kein breiteres Angebot an Wohnraum gibt, kann man eben immer nur mit dem Mietrecht reagieren“, sagt er unserer Redaktion.

In München kostet der Quadratmeter im Schnitt 18,10 Euro

Mit Quadratmeterpreisen von im Schnitt 18,10 Euro befinden sich die Mieten in München 138 Prozent über dem Bundesmittel von 7,60 Euro. 13,90 Euro pro Quadratmeter kostet in Frankfurt eine Wohnung, in Augsburg sind es 7,27 Euro pro Quadratmeter und Monat.

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW teilt die Sorgen der Schuldnerberater nicht. „Für unsere Wohnungsunternehmen können wir diese Aussage so nicht bestätigen“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Branchenverbandes. Im Gegenteil: „Die rund 3000 im GdW organisierten Wohnungsunternehmen haben im Jahr 2017 erneut einen Rückgang bei den Mietschulden verzeichnet.“

Diese seien um 9,6 Prozent auf 372 Millionen Euro gesunken. Für Michael Bretz von Creditreform ist das allerdings kein Argument. Die Menschen würden um jeden Preis versuchen, ihre Mieten zu zahlen und lieber an anderer Stelle sparen, da mit einer Zwangsräumung der soziale Abstieg drohe. „Dafür wird auch noch der letzte Cent zusammengekratzt“, sagt Bretz.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

17.05.2019

Nicht auf das Gejammer hören - die wahren Wohlstandsindikatoren beachten!

https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/In-Augsburg-gibt-es-immer-mehr-Einwohner-und-noch-mehr-Autos-id40885226.html

>> Die Augsburger bekommen offenbar immer mehr Lust aufs Auto. Die Zahl der Pkw stieg in den vergangenen neun Jahren von 112.600 auf aktuell rund 133.000 an. Das ist eine Steigerung um etwa 20 Prozent. Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl der Einwohner aber nur um etwa zehn Prozent zu. In Augsburg kommen damit auf 1000 Einwohner rund 455 Pkw. <<

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16.05.2019

... wo habt ihr denn die 7,27€/m² her !? ... schaut mal in die gängigen Immo-Seiten ... 8,50€ bis 11,50€ kalt ist mittlerweile in Augsburg "normal" ... und weil alle das Problem erkannt haben, verhökert Augsburgs Rathaus brav weiter an Immo-Spekulanten; und der Zuzug der (Raum) Münchner verteuert den Markt nochmals für die Augsburger Löhne/Gehälter ... wenn man dann noch den Verkauf des Industrie-Tafelsilbers nach Asien (und die damit einhergehend weiter ansteigende, in By höchste, Arbeitslosenquote) bedenkt, dann darf man sich nicht wundern, dass Augsburg sich in den letzten 15 Jahren zum Armenhaus Bayerns entwickelt hat ...

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17.05.2019

>> verhökert Augsburgs Rathaus brav weiter an Immo-Spekulanten <<

Diese allgemeine Aussage können gebildete Menschen nicht nachvollziehen.

>> Verkauf des Industrie-Tafelsilbers nach Asien <<

Die Grenzen sind offen - für Menschen, Kapital und Ideen - der nationale Sozialstaat ist ein Auslaufmodell.

>> in By höchste, Arbeitslosenquote <<

Faktencheck nicht bestanden - Deutschland braucht Leistungsträger und keine Schwindler!

https://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Regionen/Politische-Gebietsstruktur/Bayern-Nav.html

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16.05.2019

>> Im Schnitt geben die Deutschen fast 30 Prozent des Einkommens für Wohnkosten aus – für Fachleute ist das bereits eine kritische Schwelle. Immer häufiger werde sogar die 50-Prozent-Marke überschritten. „Da kann man sich ausrechnen, was noch zum Leben übrig bleibt“, sagt Ulrich Ropertz, Chef des Deutschen Mieterbundes. <<

Es ist wirklich kritisch, wenn nicht genug Geld für das in Deutschland übliche größere Auto bleibt...

Man muss diese Mieteraktivisten mit solchen Rechnungen nicht ernst nehmen; die kapieren das System kommunizierender Röhren aus Wohnort und Mobilitätskosten im Umfeld großer Städte nicht.

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16.05.2019

"Es ist wirklich kritisch, wenn nicht genug Geld für das in Deutschland übliche größere Auto bleibt..."

Einmal mehr eine messerscharfe Analyse. Das ist der wahre Grund, weshalb wir gerade eine Entmischung vieler Innenstädte erleben. Die Einkommensgruppe der Erzieher, Polizisten, Kranken- und Altenpfleger, Facharbeiter usw. will einfach nicht zugunsten ihrer netten Vermieter auf den Zweit-SUV der Gattin verzichten und zieht deshalb in die Pampa.


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16.05.2019

... sehr flaches Statement - und ohne kalkulatives Wissen ... 1600,00€/netto sind das Durchschnittseinkommen; 30% wären 480,00€ fürs Wohnen (zum Wohnen gehören aber auch Strom, Wasser, Gas etc.) - ziemlich unrealistisch, oder (also die Wohnung nehm` ich sofort !) ... realistischer sind da schon die 50% (und mehr !) ... dann bleiben 800,00€ für Essen, Trinken, private Altersvorsorge, Tel/www, Klamotten, soziale Teilhabe (Kneipe, Kino etc.) - da wird's aber knapp mit dem SUV bzw. dem zweiten! ... und noch was nebenher: mich kostet der Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Arzt etc. mit dem PKW monatlich 50,00€ - die Monatskarte kostet mittlerweile über 70,00€ ! ... also; bitte erst den Taschenrechner raus und dann behaupten ;o)

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16.05.2019

50 € für einen PKW im Monat? Was haben Sie für ein Auto?

Bei einem Anschaffungswert von 10.000 € (Kleinstwagen) und einen Verkaufswert von 7.000 € nach 4 Jahren bleibt ein Wertverlust von rund 63 € im Monat.
Bei einer Nutzunsgzeit von 15 Jahren sind es ein Wertverlust von 55 €. Die Wertverluste dürften in der Realität eher größer sein. Hinzu kommen monatsanteilig Wartung, Reifen, Raparaturen, Versicherung, Steuer.
Das Auto kostet im Monat nicht nur den verbrauchten Sprit! Somit ist man bei einem Kleinstwagen auch bei geringer Fahrleistung gleich bei knapp 100 € Kosten im Monat.
Wenn ein Mittelklasseauto mit durchschnittlicher Fahrleistung nimmt, kommt man schnell auf monatliche Kosten von mindestens 250 € eher aber mehr.

Ja, je zentraler, umso eher kann ich auf ein Auto bzw. 2. PKW verzichten.
Das Problem ist, dass oft gerade die, die sich kein Auto leisten können, ebenfalls die Mieten in der Stadt oder den Vororten nicht mehr leisten können. Hier sind auch Vollzeitarbeitnehmer betroffen.

Zudem sind die Umlandsgemeinden auch nicht unbedingt billig. Erst wenn man weit aufs Land wird es günstiger.
Dafür fährt, wenn überhaupt, halt nur 3 mal am Tag ein Bus nach Augsburg. Die Fahrzeit mit dem Bus ist dann entsprechend ...

Auch ist die Verlagerung von den Wohnungen weg von den Arbeitsstätten ist nicht unbedingt gut. Man sehe sich allein die Steigerung (+ 50 %) der PKWs auf der B2 an.
War vor gar nicht langer Zeit hier in der AZ Thema. Da war doch auch mal was mit den Klimazielen ...

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17.05.2019

Thomas S. >> 1600,00€/netto sind das Durchschnittseinkommen <<

Bitte Quellennachweise - ich sage Fake News - erst recht in den Trend Großstädten!

https://www.lecturio.de/magazin/durchschnittsgehalt-deutschland/

>> Das Netto-Durchschnittsentgelt pro Monat liegt 2015 je nach Veranlagung zwischen 2.193 und 2.578 Euro. <<

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16.05.2019

Und der Politik sind die steigenden Mieten egal, sie tun nichts dagegen!

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16.05.2019

(edit/mod)

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