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Pressespiegel

05.03.2009

Diskussion: Darf Althaus nochmals kandidieren?

Die Zeitungen in Deutschland und Österreich diskutieren eine erneute, mögliche Kandidatur von Dieter Althaus kontrovers und spiegeln damit die Diskussionen der Bevölkerung in ganzer Breite wider:

Die Presse (Österreich): "Die Strafe erscheint für einen Unbescholtenen, der bei der Kollision selbst schwere Kopfverletzungen erlitten hat, nicht zu milde. Irritierend wirkt vielmehr das Tempo, mit dem das Urteil gefällt wurde."

Sächsische Zeitung (Dresden): "Bei allem Verständnis für die Tragik des Unfalls und seiner Folgen, bei aller gebotenen Zurückhaltung und allem Respekt für die bisherige Leistung des Politikers Althaus: Kann sich wirklich jemand ernsthaft vorstellen, dass er nach den Ereignissen auf der Ski-Piste in die Erfurter Staatskanzlei zurückkehrt, wie er sie vor Jahreswechsel verlassen hat? Kann man sich einen wahlkämpfenden Althaus ohne Einschränkungen vorstellen? Die berechtigten Zweifel daran kann er nur selbst in der Öffentlichkeit ausräumen. Derzeit ist Althaus nur eine Art Phantom. Und ein Phantom kann nicht regieren."

Pforzheimer Zeitung: "Niemand spricht bis heute von Dieter Althaus als einem Täter, der seinem Opfer mit krimineller Energie Schaden zugefügt hat. Wer da den moralischen Zeigefinger hebt, sollte sich vielleicht selbst erst einmal ausmalen, wie schnell man in eine vergleichbare Situation geraten kann. Es gibt also keinen Grund, Althaus nachhaltig zu stigmatisieren. Für das Amt des thüringischen Ministerpräsidenten ist und - so denn es seine Gesundheit zulässt - bleibt er deshalb geeignet."

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Mitteldeutsche Zeitung (Halle): "Althaus ist Schuld am Tod einer 41-jährigen Mutter. Das wiegt schwer und wird auch durch die tragischen Umstände des Falls nicht relativiert. Fest steht: Der unglückliche Althaus hat auf der Skipiste gegen Regeln verstoßen und damit eine Frau umgebracht. Diese Gewissheit wird ihn ein Leben lang begleiten. Eine schwere Bürde, die niemandem zu wünschen ist. Im strengen Wertekanon für Politiker ist aber für Mitleid kein Platz. Minister treten zurück, weil sie auf der Autobahn zu schnell fahren oder zur falschen Zeit im falschen Swimmingpool knutschen. Über die Unerbittlichkeit des Apparates bei moralischen Verfehlungen (oder dem, was dazu gemacht wird), mag diskutiert werden. Solange dieser Maßstab aber angelegt wird, darf ein Ministerpräsident, der wegen fahrlässiger Tötung verurteilt ist, dieses Amt nicht noch einmal anstreben."

Abendzeitung (München): "Wenn das ganze Land sehen kann, dass der Chef dienstunfähig ist und es keineswegs ausgemacht ist, dass er mit voller Kraft zurückkehrt, dann ist es keine Blasphemie, sich für den Fall des Falles nach Ersatz umzusehen. Sondern das Gebot der Stunde. Und wenn die handelnden Figuren das gemeinsam umsetzen, ist es auch ohne gegenseitige Verletzungen möglich. Tricks aber wie das Schnellverfahren in Österreich bewirken das Gegenteil: Sie beschädigen das Vertrauen in Althaus."

Münchner Merkur: "Dieter Althaus ist etwas widerfahren, was uns allen geschehen kann, die wir halbwegs sportlich sind ob wir radeln, skaten, snowboarden oder eben skifahren. Ein Moment der Unkonzentriertheit, ein Blick in die falsche Richtung kann über Leben und Tod entscheiden. Auch ohne das Schicksal vorsätzlich herauszufordern, durch Alkohol, Drogen oder Rücksichtslosigkeit. Schuld ist im Fall Althaus keine präzise Kategorie. Das Unbehagen, das die Umstände des Prozesses bei Beobachtern hervorrufen mögen, ändert daran nichts."

Badisches Tagblatt: "Sollte er sich von seinen schweren Kopfverletzungen erholen, kann er keinesfalls zur Tagesordnung übergehen. Der Gedanke, für den Tod eines Menschen verantwortlich zu sein, wird ihn ein Leben lang verfolgen. Dass es unter einer solchen psychischen Belastung möglich ist, ein politisches Amt wie das eines Ministerpräsidenten mit vollem Einsatz auszuüben, erscheint abwegig. Althaus sollte von sich aus auf die Spitzenkandidatur verzichten aus gesundheitlichen Gründen."

Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Der Anstand verbot es der Thüringer CDU bisher, ihren Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten mit dieser Frage während der Rekonvaleszenz zu bedrängen. Doch die Zeit, die sie Althaus lassen kann, (...) läuft allmählich ab."

Süddeutsche Zeitung: "Doch dank der Geheimniskrämerei um ihn (Althaus) ist völlig unklar, in welchem Zustand sich Dieter Althaus eigentlich zurzeit befindet: Ist dieser Mann Herr seiner selbst oder handeln andere in seinem Namen?"

Trierischer Volksfreund: "Kann dieser Mann weiterhin eine politische Führungsposition bekleiden? Natürlich kann er das! ... Althaus aus diesem tragischen Ereignis politisch einen Strick zu drehen, ist nicht fair, und jeder weiß das. Das wird ihm allerdings nichts nutzen. Er wird politisch nicht überleben. ... Wieder ein Anständiger weniger in der politischen Riege! Aber das interessiert die Jäger nicht. Sie jagen, bis sie ihr Wild erlegt haben. Das heißt in diesem Fall Dieter Althaus."

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