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USA

28.11.2018

Gavin Newson - der Mann, der Trumps Nachfolger werden könnte

Dienstliche Begegnung zweier scharfer Konkurrenten in der von Waldbränden zerstörten kalifornischen Stadt Paradise: Der künftige Gouverneur Gavin Newsom und US-Präsident Donald Trump.
Bild: Saul Loeb, afp

Demokrat Gavin Newsom will zunächst Kalifornien reformieren. Er könnte Amerikas "Anti-Trump"-Präsident werden - die Wahl 2020 kommt aber wohl zu früh.

Beide pflegen ihre Eitelkeiten. Sie verbringen viel Zeit, ihre Haarpracht in Form zu bringen oder vor der Kamera in Anzug und Krawatte gut auszusehen. Sie twittern um die Wette und freuen sich über jede Schlagzeile in den Medien. Über Jahre lieferten beide reichlich Futter für die Klatschspalten. Und beide blicken auf eine Kindheit zurück, der das fehlte, was sie heute antreibt: Anerkennung.

Dennoch könnten der Präsident der Supermacht USA und der künftige Gouverneur Kaliforniens, also des wichtigsten Bundesstaates, nicht verschiedener sein. Während Donald Trump eine verklärte Vergangenheit restaurieren will, versteht sich Gavin Newsom, 51, als Bannerträger der Zukunft Amerikas. Der eine bewegte sich immer weiter nach rechts, der andere nach links.

Gavin Newsom hat Hochzeiten von Schwulen und Lesben möglich gemacht

Als Symbol dafür mag die Haltung zur gleichgeschlechtlichen Ehe dienen. Trump unterstützt heute die extremen Positionen christlicher Fundamentalisten. Newsom dagegen machte nationale Schlagzeilen, als er sich 2004 als Bürgermeister von San Francisco über das Gesetz hinwegsetzte, und es Schwulen und Lesben erlaubte, in der Stadt der Homosexuellen zu heiraten.

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Bei einer Begegnung kürzlich auf der von der Brandkatastrophe verkohlten Erde Kaliforniens gelobten beide, zum Wohle der Menschen zusammenzuarbeiten. Doch kaum jemand glaubt, dass sie die Größe haben werden, sich daran zu halten. Wohl auch wegen der unterschwelligen privaten Rivalität. Trumps ältester Sohn Donald Junior lebt mit Newsoms Ex-Frau Kimberly Guilfoyle zusammen. Newsom hatte die Fox-Moderatorin in seinen von Alkohol-Exzessen geprägten Jahren in San Francisco nach einer Affäre mit seiner Sekretärin verlassen.

Seit seinem Entzug und einer Therapie hat sich viel im Leben des künftigen Gouverneurs geändert. Er traf seine zweite Frau Jennifer Siebel Newsom, eine ehemalige Schauspielerin und Dokumentar-Filmerin, die seine Unsicherheiten durchschaute. Diese reichen bis in die Kindheitstage zurück, als den von seiner alleinerziehenden Mutter großgezogene Gavin der Spott seiner Mitschüler traf. Die lachten über seinen Topfhaarschnitt, die Stützbandagen und sein Lispeln. Gleichzeitig rang Gavin mit einer angeborenen Lese- und Rechtschreibschwäche. Ein Problem, das der Linkshänder überwinden lernte, indem er wichtige Passagen aus Büchern abschrieb.

Gavin Newsom und der große Unterschied zu Donald Trump

Das macht er bis heute, was auch erklärt, warum in seinem Dienst-SUV – er ist seit acht Jahren Vize- Gouverneur von Kalifornien – überall Notizbücher herumliegen. Newsom machte aus der Not eine Tugend. Während Trump bis heute keine Geduld hat, sich mit Fakten zu befassen, findet sich in den USA kaum ein Politiker, der so viele Details parat hat, wie Newsom.

Die Jahre als Stellvertreter von Gouverneur Jerry Brown haben Newsom ebenso geläutert wie die Verantwortung, die er als Vater von vier Kindern in seiner neuen Beziehung übernahm. Der mit überwältigender Mehrheit gewählte neue Gouverneur will Kalifornien zu einem Modell für die USA machen. Von flächendeckenden Kindergärten bis schrankenlosem Zugang zu staatlichen Colleges steht Bildung ganz oben auf seiner Prioritätenliste. Gefolgt von der Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung, dem Ende der fossilen Energieerzeugung und einer progressiven Politik gegenüber Einwanderern.

Gavin Newsom hat genug Selbstbewusstsein für das Weiße Haus

Einen Vorgeschmack lieferte Newsom diese Woche, als Bilder von einem Flüchtlingskind in Windeln die Nation bewegte, das dem Beschuss von Tränengas durch US-Grenzschützer am Übergang von San Ysidro ausgesetzt war. „Wir sind ein Land der Flüchtlinge, der Hoffnung, der Freiheit. Und wir werden das nicht akzeptieren“, schrieb Newsom Donald Trump ins Stammbuch, der auf Twitter wieder gegen „die Karawane“ hetzte.

Er habe das Zeug, zum „Führer des Widerstands“ zu avancieren, schreibt der New Yorker. Zumindest bis die Demokraten einen Präsidentschaftskandidaten haben. Der wird 2020 nicht Newsom heißen. Aber er hat das nötige Selbstbewusstsein, sich eines Tages auch im Oval Office zu sehen – als „Anti-Trump“, der Amerika in eine neue Zukunft führt.

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