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Interview

19.10.2019

Kohls Geliebte: Privat war er ein anderer Mensch

Beatrice Herbold war die Geliebte von Helmut Kohl. Heute lebt sie als Immobilienmaklerin in Berlin. In ihrem Buch beschreibt sie die private Seite des 2017 gestorbenen Politikers. 
Bild: Europaverlag

20 Jahre lang schwieg Beatrice Herbold über ihr Liebesverhältnis zum Ex-Kanzler. Im Interview erzählt sie auch von Plänen und einem ungewöhnlichen Einkauf.

Beatrice Herbold, 61, war von 1995 bis etwa 2000 die heimliche Geliebte des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl. Früher leitete sie eine Modelagentur. Heute ist sie Immobilienmaklerin und lebt in Berlin.

Frau Herbold, Sie waren jahrelang die Geliebte von Helmut Kohl. Was hat diesen Mann so interessant gemacht?

Beatrice Herbold: Wir haben uns 1990 kennengelernt, eher zufällig. Das war in der Sauna in einem Hotel in Bad Hofgastein. Richtig zusammen waren wir dann ab 1995. Ich habe ihm in die Augen geschaut und dabei eine tiefe Seelenverwandtschaft entdeckt. So etwas kannte ich bisher nicht. Es war Vertrautheit auf den ersten Blick.

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Helmut Kohl kannten alle. Man spricht auch von der Magie der Macht. Hat das eine Rolle gespielt?

Herbold: Mir war das unangenehm. Wir zwei konnten uns doch nicht frei bewegen. Es war ein Nachteil, dass er so prominent war. Wir mussten uns immer bedeckt halten, damit es nicht herauskommt. Es war anstrengend.

Wie würden Sie ihn beschreiben?

Herbold: Wenn er einen Raum betrat, füllte er ihn aus.

Sie meinen seine physische Präsenz?

Herbold: Nein, er hatte eine außerordentliche große Aura. Und wenn Sie auf seine Fülle anspielen: Sein Konfektionsgröße war ein gut gehütetes Geheimnis. Als ich ihm zu Weihnachten einmal einen Pullover schenken wollte, durfte sein Fahrer Eckhard Seeber weder Konfektionsgröße noch Gewicht verraten.

Und dann?

Herbold: In einem Geschäft für Übergrößen habe ich dann einen Pullover auf Verdacht gekauft. Ich sagte dem Verkäufer, dass ich einen Pullover für einen Mann benötige, der in etwa die Figur von Kohl hat. Er brachte mir ein zeltförmiges Teil. Ich nahm dann zwei, drei Größen kleiner und schenkte es Helmut. Er hat sich unheimlich darüber gefreut.

Viele Zeitgenossen beschreiben den ehemaligen Kanzler als robust bis brutal. Sie haben ihn anders erlebt.

Herbold: Er wartete sehr lange, bis er jemandem Vertrauen schenkte. Er hat polarisiert, das steht fest, an ihm haben sich auch die Parteifreunde gerieben. Bevor ich ihn kannte, mochte ich ihn nicht besonders. Für mich war er eher ein Elefant im Porzellanladen – bis ich ihn persönlich traf. Privat war er ein anderer Mensch. Er war emphatisch, fürsorglich, auch witzig. Er gab mir immer das Gefühl, wertgeschätzt zu sein. Was ich vorher nicht kennenlernen durfte.

Haben Sie über Politik gesprochen, wenn Sie den Bundeskanzler trafen?

Herbold: Am Anfang nicht. Das änderte sich im Frühjahr 1998 schlagartig. Für ihn ging es damals um die Frage, ob er wieder antritt. Er war ausgelaugt und wollte im Herbst des Jahres nicht wieder als Spitzenkandidat in den Wahlkampf ziehen. Er wollte ursprünglich an Schäuble abgeben, doch war er von ihm derart enttäuscht worden, dass er diese Idee verwarf.

Die CDU verlor die Bundestagswahl 1998. Hat die Niederlage Helmut Kohl verändert?

Herbold: Ja, das hat sie, denn es war für ihn ein kompletter Lebensumbruch. Jeder Bundeskanzler will lieber freiwillig abtreten, als abgewählt zu werden. Er war auch der Meinung, dass die Legislaturperiode zu lang ist. Trotzdem zog er in den Wahlkampf. In Interviews war er oft übellaunig, danach rief er an und fragte: „Wie war ich?“ Ich sagte ihm dann klar, dass er nicht gut war.

Wie ging es weiter?

Herbold: Das Ende unserer Beziehung hängt mit der CDU-Spendenaffäre zusammen, nicht mit der Wahlniederlage. Auf den Abschied von der großen Politik war er vorbereitet, aber nicht auf den großen Sturz innerhalb der Partei. Er schmiedete bereits große Pläne für uns. Es sollte zum Great Barrier Reef in Australien gehen. Das habe ich mir immer gewünscht.

Der Plan zerschlug sich.

Herbold: Ich dachte, das renkt sich alles wieder ein, er wird sich neu orientieren. Er sagte mir bereits Anfang 1998, dass etwas gegen ihn im Gang sei, aber er wisse nicht, worum es geht. Für seine Familie war es furchtbar, als die Spendenaffäre herauskam. Seine Frau wurde auf der Straße angespuckt, die Söhne wurden angepöbelt. Stellen Sie sich das vor! Das ist entsetzlich. Ich habe mich damals zurückgezogen.

Sie hätten sich bekennen können.

Herbold: Es hätte alles noch schlimmer gemacht, wenn unsere Beziehung auch noch bekanntgeworden wäre. Besonders für ihn und seine Familie.

Hannelore Kohl war bis zuletzt seine Frau.

Herbold: Er sagte immer zu mir: „Mach’ dir keine Sorgen, es ist alles geregelt.“ Er sagte mir, dass Hannelore auch jemanden hätte. Den Namen hat er mir nicht genannt. Allerdings habe ich ihn von zwei anderen Leuten erfahren. Dann wurde mir klar: Sie haben sich arrangiert.

Ihr Buch ist mutig. Wie Helmut Kohls Witwe noch immer für den Altkanzler kämpft Maike Kohl-Richter wacht streng über das Erbe. Sehen Sie einen möglichen Konflikt?

Herbold: Das glaube ich weniger. Zu meiner Zeit gab es sie noch nicht.

Wie war es für Sie, als er starb?

Herbold: Am Morgen des 17. Juni 2017 verfolgte ich keine Nachrichten. Eine Journalistin rief mich an und sagte es mir. Für mich war es ein Schock. Ich war sehr traurig.

Warum haben Sie dann das Buch geschrieben?

Herbold: Schon vor mehr als drei Jahren erhielt ich einen Anruf. Ein Journalist der Bunten konfrontierte mich mit Fakten über das Verhältnis zu Kohl. Die Fakten stimmten. Leugnen half nicht. Ich erbat mir einige Wochen Bedenkzeit. Daraufhin trafen wir uns in Berlin zum Interview. Deshalb wollte ich es dann so erzählen, wie es wirklich war. Helmut Kohl lebte zu diesem Zeitpunkt ja noch, er hätte sein Veto einlegen können. Wenn er das gemacht hätte, hätte ich natürlich kein Buch geschrieben. Deshalb reifte in mir der Gedanke, ein Buch zu schreiben, was ich damals schon mit meiner Co-Autorin Katrin Sachse schreiben wollte. Aber kein Verlag hat sich getraut. Erst nach dem Tod von Helmut Kohl fand ich einen.

Haben Sie Helmut Kohl nicht geschadet?

Herbold: Nein. Im Zuge der Spendenaffäre kursierten damals ungeheure Spekulationen. Eine davon lautete, dass sich Kohl 2,1 Millionen Mark in die eigene Tasche geschoben hätte. Das stimmt nicht. Für Geld interessierte er sich kaum. Er wollte Politik machen, so war er. Nie und nimmer hätte er so etwas gemacht. Das habe ich alles so geschrieben.

Hatten Sie je Kontakt zu Walter und Peter, den Söhnen?

Herbold: Nein. Er wollte mir seine Söhne sogar vorstellen, aber dazu kam es nicht. Ich habe sie nie kennengelernt.

Würden Sie alles nochmals machen?

Herbold: Ja! Er war ein einzigartiger Mann. Es war eine Seelenverwandtschaft. Die finden Sie nur einmal und wenn Sie Glück haben zweimal im Leben. Mit meinem damaligen Mann erlebte ich die nie. Ich bereue nichts.

Das Buch: Beatrice Herbold/Katrin Sachse „Geliebte Freundin. Meine geheimen Jahre mit Helmut Kohl“, Europa-Verlag, 192 Seiten, 18 Euro.

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19.10.2019

Was schon lange vermutet, jedoch nie bestätigt wurde, aber jetzt wird Krankheit "Lichtempfindlichkeit" von Hanelore Kohl in ein ganz anderes Licht gerückt.

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