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Mexiko

10.11.2014

Nach dem Mord an 43 Studenten: Proteste werden laut

Nach dem Verschwinden von 34 Studenten kam es in Mexiko zu gewalttätigen Ausschreitungen: Studenten steckten ein Regierungsgebäude in Brand.
Bild: Sasheka Gutierrez

Der Mord an 43 Studenten stürzt das Land in eine tiefe Krise. Es kommt mehr und mehr zu Unruhen. Eine wütende Menge versucht, den Präsidentenpalast in der Hauptstadt zu stürmen.

Nun soll eine Wahrheitskommission die Hintergründe ans Licht bringen. Der Vorschlag der Senatorin Monica Arriola Gordillo in der Tageszeitung El Universal könnte in der Tat ein Ausweg aus der schweren Krise sein, in der sich das Land nach den Enthüllungen rund um die mutmaßliche Ermordung der 43 verschwundenen Studenten von Iguala befindet.

Verschwundene Studenten: Eine Wahrheitskommision soll Klarheit bringen

Die Kommission soll aus unabhängigen Persönlichkeiten bestehen, die unverdächtig sind, auf der Gehaltsliste der Drogenkartelle zu stehen. Mexikos Staatsanwaltschaft hatte zuvor die Öffentlichkeit über den Stand der Untersuchungen informiert, und was Chef-Ermittler Jesús Murillo Karam zu sagen hatte, ließ seinen Landsleuten den Schrecken in die Glieder fahren. Es ist nicht nur die Schilderung der Grausamkeit der Ermordung. Es ist vielmehr das Ausmaß, in dem die Drogenmafia die verschiedenen Gewalten des mexikanischen („Narco“-)Staates beherrscht.

Die seit dem 26. September verschwundenen Studenten wurden offenbar in einer Gemeinschaftsaktion von lokaler Polizei und dem Drogenkartell „Guerreros Unidos“ auf Weisung des Bürgermeisters von Iguala, José Luis Abarca, und seiner Frau María de los Ángeles Pineda auf bestialische Weise aus dem Weg geräumt. Die Lehramtsstudenten einer linksgerichteten Schule sollten offenbar daran gehindert werden, eine Rede der Bürgermeistergattin während eines Wohltätigkeitsfestes zu stören. María de los Ángeles Pineda gilt als ein wichtiges Führungsmitglied der lokalen Mafia. Die festgenommenen Studenten wurden von der Polizei in Viehtransporter gepfercht und an die Auftragsmörder der „Guerreros Unidos“ übergeben. Auf einer Müllhalde wurden die Studenten, die den Todestransport überhaupt überlebten und nicht erstickten, dann zunächst zu Boden geworfen und schließlich erschossen. Den Leichenstapel übergossen die Mörder mit Benzin und zündeten den Berg der toten Körper an. Was anschließend noch übrig blieb, stopften die Täter in Plastiktüten und warfen sie in den Fluss. Zu Asche verbrannte Knochen und Zähne sollen nun unter anderem von Experten der Rechtsmedizin in Innsbruck untersucht werden, um anhand der DNA-Spuren die Identität der Opfer zu klären.

Das Misstrauen in die Polizei ist groß

Ob das gelingen wird, weiß auch Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam nicht, denn unklar ist, ob die gefundene Asche ausreicht, um genug DNA-Spuren zu isolieren. Ihre Erkenntnisse stützt die Staatsanwaltschaft auf die Aussagen der verhafteten Verdächtigen. Die Angehörigen haben indes Zweifel an den Ermittlungsergebnissen. Weil die lokale Polizei tief in den Skandal verwickelt ist, weigern sich viele Familien, den Worten der Staatsanwaltschaft Glauben zu schenken. Zu tief ist das Misstrauen in die staatlichen Institutionen. Murillo Karam, der sich mit den Familien traf, verspricht: „Solange nicht auch der letzte Körper identifiziert ist, gelten die jungen Männer als vermisst und die Suche geht weiter.“

Unterdessen machten Studenten der betroffenen Lehramtsschule im Bundesstaat Guerrero ihrem Ärger auf gewalttätige Weise Luft. Sie steckten das Regierungsgebäude der Provinz in der Hauptstadt Chilpancingo in Brand. Auch aus anderen Landesteilen wurden Ausschreitungen gemeldet, aber auch friedliche Solidaritätsmärsche gemeldet. Doch koordiniert sind diese Aktionen bislang noch nicht, es gibt keine politische Kraft, die die Wut und die Fassungslosigkeit über den mutmaßlichen Mord an den Studenten kanalisiert und in konkrete Forderungen umsetzen kann.

Forderungen nach Reformen werden immer lauter

Präsident Enrique Pena Nieto steht vor der schwersten Bewährungsprobe seiner Amtszeit. Zwar gelangen dem Staatsoberhaupt durchaus respektable Fahndungserfolge gegen führende Drogenkartellbosse und auch in der aktuellen Krise scheint Pena Nieto mit der Verhaftung von mehr als 70 Verdächtigen auf dem richtigen Weg zu sein. Doch die Forderungen nach Reformen in der von Korruptionsgeldern der mächtigen Drogenkartelle durchtränkten Polizei und Justiz werden lauter. Der Fall der „Los 43“, wie in Mexiko die Gruppe der Studenten gerufen wird, mag zwar vor der Aufklärung stehen. Die politischen Konsequenzen des Falles sind dagegen noch gar nicht abzusehen. Die Protestbewegung hat gerade erst Fahrt aufgenommen.

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