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Weltkriegs-Gedenken
08.05.2022

Bundeskanzler Olaf Scholz: "Frieden und Freiheit werden siegen"

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) will der Ukraine weiter helfen.
Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa

Russlands Angriff auf die Ukraine prägt das Gedenken ans Ende des Zweiten Weltkriegs. Deutschland sichert Kiew weitere Unterstützung zu.

77 Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vergangen. Russland hatte 1945 gemeinsam mit den Alliierten die Nationalsozialisten besiegt – in Deutschland wird der 8. Mai als „Tag der Befreiung“ gefeiert, in Moskau am 9. Mai der „Tag des Sieges“. Doch der Angriffskrieg gegen die Ukraine überschattet das Gedenken. In einer Fernsehansprache, in der er sich direkt an die Bürgerinnen und Bürger wandte, appellierte Bundeskanzler Olaf Scholz, sich nicht von der Angst lähmen zu lassen. „Dass es keinen Weltkrieg mehr geben soll – erst recht keinen zwischen Nuklearmächten –, auch das ist eine Lehre des 8. Mai“, sagte er. Er werde alles dafür tun, Schaden von Deutschland abzuwenden.

Und dennoch sei es richtig, die Ukraine mit Waffen zu versorgen. „Es war der militärische Sieg der Alliierten, der der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland ein Ende setzte“, betonte der Kanzler. Heute müsse Deutschland Recht und Freiheit an der Seite der Angegriffenen verteidigen und die Ukraine gegen den Aggressor verteidigen. „Wir helfen, damit die Gewalt ein Ende finden kann.“ Der Ukraine dürfe kein Diktatfrieden aufgezwungen werden. „Freiheit und Sicherheit werden siegen – so wie Freiheit und Sicherheit vor 77 Jahren über Unfreiheit, Gewalt und Diktatur triumphiert haben.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte bei einem Auftritt beim Deutschen Gewerkschaftsbund: „Wir waren uns zu sicher, dass Frieden, Freiheit, Wohlstand selbstverständlich sind.“ Er fordert das Land auf, wehrhaft zu sein – und das jenseits von Sonntagsreden. „Dieser Krieg macht uns auf eine brutale Weise klar, dass wir unsere Demokratie schützen und verteidigen müssen – nach innen und nach außen!“, sagte er. Der Krieg sei ein Epochenbruch gewesen, der den Westen zwinge, schmerzhafte Gewissheiten zu erkennen. Außenministerin Annalena Baerbock schrieb auf Twitter: „Der heutige Jahrestag mahnt, im Ringen um Freiheit und Menschlichkeit nie wieder auf der falschen Seite zu stehen.“

Emotionales Video des ukrainischen Präsidenten

In Kiew richtete sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an die Weltöffentlichkeit. In einem emotionalen Video warf er der russischen Führung vor, die Antikriegslosung „Niemals wieder“ ersetzt zu haben durch „Wir können das wiederholen“. „In der Ukraine haben sie eine blutige Neuauflage des Nazismus organisiert“, sagte Selenskyj, im Hintergrund der Aufnahme waren die Trümmer eines Wohnhauses zu sehen. „Eine fanatische Imitation des Regimes, seiner Ideen, Handlungen, Worte und Symbole. Eine verrückte detailgetreue Wiedergabe seiner Bestialitäten und Alibis, die diesem Bösen angeblich ein heiliges Ziel geben.“

Bärbel Bas besuchte Kiew

Am Nachmittag empfing Selenskyj mit Bundestagspräsidentin Bärbel Bas eines der höchsten deutschen Regierungsmitglieder. Zusammen mit ihrem ukrainischen Amtskollegen Ruslan Stefantschuk legte Bas zunächst am Grabmal des unbekannten Soldaten Kränze nieder. Dieses Gedenken sei für sie „sehr bewegend“, sagte Bas. Stefantschuk dankte ihr ausdrücklich für den Bundestagsbeschluss zur Lieferung schwerer Waffen und für die Unterstützung. „Ich möchte, dass Sie die Dankbarkeit unseres ganzen Volkes für die Unterstützung in den Bundestag mitnehmen.“ Bas war am Morgen mit dem Zug in Kiew angekommen. Ob und wann der Bundeskanzler in die Ukraine reisen könnte, ist unklar.

Lesen Sie dazu auch
Bärbel Bas (Bundestagspräsidentin), sprach mit Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, während ihres Treffens in Kiew. Die SPD-Politikerin ist nach dem Bundespräsidenten die zweithöchste Repräsentantin der Bundesrepublik und damit die wichtigste deutsche Politikerin, die die Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskriegs besucht.
Foto: Pressedienst Präsidentenbüro

Der russische Präsident Wladimir Putin will an diesem Montag bei der traditionellen großen Militärparade in Moskau sprechen. Erwartet wird, dass er dabei die weitere Richtung für den zweieinhalb Monate dauernden Krieg gegen die Ukraine vorgibt. (mit dpa)

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10.05.2022

@ THOMAS T.

"Dr. Johannes Grotzki, der ehemalige Hörfunkdirektor des BR, der wie kein Zweiter in die Reihe der „sachkundigen Russlandkenner“ vom Schlage Schröder, Steinmeyer, Gysi pass „weiß wovon er redet“!"

Ihr Umgang mit der Meinung Andersdenkender entlarvt Ihr vorgebliches Eintreten für Demokratie und Freiheit als ziemlich unglaubwürdig und scheinheilig.
Das in ihrer Heimat DDR vermittelte Narrativ - hier der gute sozialistische Osten, da der böse kapitalistische Westen - haben Sie nicht verlernt - es hat sich bei Ihnen nur ins Gegenteil verkehrt.
Was ebenfalls blieb ist diese dumme Schwarz-Weiss-Denke, in der sie immer noch gefangen sind.

Dr. Johannes Grotzky, passt natürlich nicht in dieses primitive Schema. Weil er auch Tatsachen benennt, die zu dem derzeit im Westen gepflegten Hype von der angeblich so demokratischen Ukraine samt ihrem Superman Selenskyj gar nicht passen.

Fast peinlich, wie er gestern mit stolzgeschwellter Brust dozierend mit Pianogeklimper untermalt eine Straße entlang ging.

Der Tagesschau-Einspieler liess unwillkürlich an Gary Cooper in der Schluss-Szene des alten Hollywood-Schinkens "High noon" denken . . .

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09.05.2022

@ THOMAS T.

"Die Sowjetunion aber hat auf verbrecherische Weise den Krieg mit ausgelöst."
Hat die Sowjetunion Deutschland angegriffen oder war es nicht genau anders herum?

"Aber als „Befreier“ ist die Rote Armee in den 104 Jahren ihres Bestehens noch nie und nirgends aufgetreten."
Die nächste Lüge. Fragen sie doch mal einen der wenigen noch lebenden Auschwitz-Überlebenden wer ihn befreit hat . . .

Die Befreiung vom Hitler-Gesindel verdankt Deutschland natürlich auch der "Roten Armee". Eine Tatsache, die hierzulande viel zu wenig bekannt ist bzw. bewusst verschwiegen wird.

" . . . zeigt nur, wie orientierungslos dieser Kanzler noch immer durch die Geschichte tappt, wie wenig er der Herausforderung seines Amtes gewachsen ist."
Auch das trifft genau auf Sie zu . . .

"Der neue Deutsche Osten wurde erneut zum realen und ideologischen Gefängnis für 17 Millionen Deutsche."
Die meisten DDR-Bürger empfanden das nicht so. Selbst wenn es zutrifft: Es war eine Folge des deutschen Angriffskriegs auf die Sowjetunion.

Nur noch peinlich und geschmacklos ist ihre Aufrechnerei bzgl. der Opferzahl des von Nazi-Deutschland zu verantwortenden WK 2.

Behalten Sie lieber Ihre von Maria T. übernommenen Weisheiten für sich . . .

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09.05.2022

Ach Herr Georg Kr.

Da haben Sie schön bei den Genossen Hager, Honecker und Mielke gelernt und meinen anscheinend nicht gelesen aber sicher nicht verstanden.

Wenn die Sowjetunion so versessen darauf war, die Hitler-Faschisten zu schlagen, warum haben die die dann nicht gleich 1939 auf polnischem Territorium gestellt und versucht zu schlagen? Warum haben die mit den Nazis lieber gemeinsame Siegesparaden abgehalten und gleichzeitig ein paar Tausend polnische Offiziere inhaftiert um die dann in Massen hinzurichten?

Was sagt uns der Fakt, dass der ein irre bestialische Diktator den Anderen angegriffen hat, über die Motive?
Überlebende russische Inhaftierte aus KZ lies Stalin dann schon mal als

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09.05.2022

Ach Hr Georg Kr.

Da haben Sie aber schön bei den Genossen Hager, Honecker und Mielke gelernt. Aber meinen Text haben Sie wahrscheinlich nicht gelesen aber sicher nicht verstanden.
Wenn die Sowjetunion so scharf darauf war, den Hitlerfaschismus zu beenden, warum haben die das dann nicht gleich 1939 auf polnischem Territorium getan? Stattdessen haben sie mit den Nazis gemeinsame Siegesparaden abgehalten,
Und was sagt uns der Umstand, das der eine irre bestialische Diktator den anderen angegriffen hat zu deren Kampfes-Motivationen?
Und Stalin hat dann schon mal russische Inhaftierte aus dem KZ als Landesverräter in den Gulag geschickt. Schöne Befreiung. Und sicher können Sie uns allen erläutern, wo die Rote Armee Befreier war? 51 in der DDR? 54 in Ungarn? 68 in der Tschechoslowakei? Später in Afghanistan?

„ Die Befreiung vom Hitler-Gesindel verdankt Deutschland natürlich auch der "Roten Armee"“
Da sind sie ja bei mir als gelerntem DDR-Bürger an der richtigen Adresse. Und wenn Sie meinen Text gelesen hätten - da steht das genau so drin. Nur hätte die Rote Armee das Jahr 1941/42 ohne US-Hilfe nicht überlebt. Sie dürfen mich gerne korrigieren, da ich die Zahlen gerade aus dem Kopf versuche zusammenzu finden. 9 von 10 Katjuschas waren auf US-Studenaker montiert. 8 von 10 Kampfflugzeugen der Roten Armee stammten von den West-Aliierten. Und die deutsche Luftwaffe hatte etwa 80% ihrer Verluste an der Ostfront erlitten. So gut wie alle Funkgeräte, die ab 1941 in T-34 verbaut wurden, stammten aus den USA. Ohne die wären die russischen Panzertruppe gar nicht fühlbar gewesen. So gut wie die komplette Sowjetische Logistik beruhte auf US-Amerikanische Fahrzeuglieferungen.
Und das Wesentlichste - die USA banden Japan im pazifischen Raum. Das Kaiserreich traute sich keinen 2.-Fronten-Krieg. Die Info, dass die Japaner nicht angreifen mag Stalin von Dr.Richard Sorge erhalten haben, den Sachverhalt haben die USA hervorgerufen. Nur so konnte Schukow die pazifischen Divisionen vor Moskau in den Kampf werfen.

(Ironie an) Und natürlich waren, wie sie sagen, „die meisten DDR-Bürger“ über die Nachkriegsordnung total glücklich. Der „antifaschistische Schutzwall“ wurde, so wie Putin ja heute auch nur gegen Nazis losgeht, als solcher erkannt und heiss geliebt. Ein paar hundert Menschen wollten sich gar kein anderes Land mehr vorstellen, und haben sich deshalb, bevor die Faschisten kommen dort lieber niederschiessen lassen. Das Niederreissen des antifaschistischen Schutzwalles haben Konterrevolutionäre, Faschisten und Vertreten des US-Imperialismus gegen den ausdrücklichen Willen der Menschen in der DDR geschliffen (Ironie aus). Kein Wunder, das jemand wie Sie ein Fan der LINKE ist.

Und die Kriegsfolgen kennen nun mal keine kausalen Beziehungen zur Kriegsschuld. Dann hätten Japaner, SU, Italien auch aufgeteilt werden können. Das zu genau der Zeit, in der der Nürnberger Prozess stattfand, Viehwaggons voller Menschen durch Deutschland gekarrt wurden, bei deren Entleerung dann auch Leichen zu bergen waren, war freie Entscheidung der Sieger. Man hätte das auch anders entscheiden können.

Und ich rechne nix auf. Ich besitze jede Menge Literatur aus aller Herren Länder zu dem Thema. „Mehr als 60 Millionen“ ist extrem neu. Und die dann zu 100% in das Schuldenpacket der Deutschen zu packen „Das ist geschichtsverfälschend“

Aber immer wieder schön - wie Anhänger dogmatischer Kommunisten noch immer das Gute am Massenmörder Stalin herausstellen.

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09.05.2022

"Da haben Sie schön bei den Genossen Hager, Honecker und Mielke gelernt und meinen anscheinend nicht gelesen aber sicher nicht verstanden."

Höchst bedauerlich, dass offenbar selbst Richard v. Weizsäcker in seiner Rede vom 8. Mai 1985 über die "Befreiung" vom Hitler-Faschismus auf "sowjetische Geschichtserzählung" zurückgegriffen hat.

(edit/mod/NUB 7.3)

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09.05.2022

Sehr geehrter Herr Georg Kr.
(edit/mod/NUB 7.3)

Und Richard von Weizsäcker hatte natürlich Recht, als er am 8.Mai 1985 verkündete: „ Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“ Das war im Westdeutschen Bundestag. Und ich schrieb es auch. Die „Befreiung“ war aber kein sowjetisches Kriegsziel. Stalin wollte erobern. Niemand im sowjetischen Einflussgebiet wurde „befreit“ sondern kam aus einem tyrannischen System ins nächste. Die Farbe der Gitterstäbe wechselte nur von Braun auf Rot. Den Unterschied habe ich beschrieben. Sie verstehen es nur nicht.

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10.05.2022

"Die „Befreiung“ war aber kein sowjetisches Kriegsziel. Stalin wollte erobern."

Aber auf jeden Fall Fakt. Ob hinter dem US-Engagement bei der "Befreiung" nur edle Gründe standen, darf auch bezweifelt werden.

Was Sie natürlich (edit/mod/NUB 7.3) n verschweigen: Kaum hatten um 1994 herum die russischen Truppen freiwillig Ostdeutschland verlassen, wanzte sich die NATO entgegen gegebener Zusagen und dem Geist, in dem die Zwei-plus-Vier-Gespräche stattfanden systematisch an Russlands Grenzen heran.

Schon Anfang September 1993 gab es Pläne der US-Administration zur Osterweiterung der Nato; man wollte mit Mittel- und Osteuropa sowie den baltischen Staaten beginnen und 2005 auch die Ukraine einbeziehen. Das zeigen 2017 freigegebene Dokumente des US-Außenministeriums.

Sicherheitsbedürfnisse der Sowjetunion und später Russlands wurden von Seiten des Westens völlig ignoriert.

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09.05.2022

@THOMAS T., 09.05.2022, 11:08 Uhr
Herr Thomas T., Ihre Kenntnisse der Geschichte des 20. Jahrhunderts beeindrucken mich. Aber mal ganz ehrlich, was genau kann man aus der Aufzählung dieser Fakten ableiten?
Ich erlaube mir, weniger auf Fakten als auf Gedanken aufmerksam zu machen, wie z. B. auf Wikipedia und „Volk ohne Raum“. Das Schlagwort stammt aus der Zeit als meine Großeltern lebten. Wissen Sie, ich lebe gerne und bin von daher meinen Großeltern wirklich dankbar, dass sie sich vermehrten. Aber würde ich das Ganze als Unbeteiligter betrachten, würde ich vielleicht schon zur Fragestellung gelangen, ist es bei einem Volk ohne Raum nicht etwas unangemessen, wenn man 12 bzw. 5 Kinder zeugt.

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09.05.2022

Sehr geehrter Herr Eimiller

Was wollen Sie mir mit dem Nazi-Müll vom „Volk ohne Raum“ erzählen?

Was ich erzählen wollte: Die Sowjetunion wollte 1945 niemanden befreien. Sie wollte erobern. Nur „Tag der größten Eroberung der Menschheitsgeschichte“ macht sich propagandistisch nicht so gut wie „Tag der Befreiung“

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09.05.2022

VON THOMAS T., 18:00 Uhr: „Was wollen Sie mir mit dem Nazi-Müll vom „Volk ohne Raum“ erzählen?“
Herr Thomas T., ich habe inzwischen verstanden, dass Sie sich nichts sagen lassen. Wenn ich auf Ihre oder auch die Beiträge anderer antworte, dann will ich für gewöhnlich darauf hinweisen, dass man auch eine andere Sicht auf die Dinge haben kann. (Zum vorgegebenen Stichwort könnte man z. B. an den Versailler Friedensvertrag mit seinen unerfüllbaren Reparationsforderungen, die Ruhrbesetzung durch Frankreich und Belgien und die Hyperinflation 1923 („Geldentwertung“) sowie die Hungertote in Deutschland denken, was Hitlers Machtergreifung begünstigte.)
Da Sie aber schroff von „Nazi-Müll“ sprechen, möchte ich schon darauf hinweisen, dass ich auf Wikipedia verwiesen habe. Mit „Nazi-Müll“ möchte ich mich nun wirklich nicht umgeben.

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09.05.2022

Kanzler Scholz hatte die „Zeitenwende“ ausgerufen. Was er darunter versteht, hat er nie erläutert. Man darf also unter diesem Begriff vieles subsumieren.
Und eigentlich gibt uns Putins Angriffskrieg, mit seinen genozidalen Zielen auch die Chance, auch über unser eigenes Geschichtsbild nachzudenken. In Scholz‘s Rede ist davon nichts zu finden. Die Opferzahlen des WK2 steigen ja, je länger der Krieg zurück liegt, kontinuierlich. Lange galt 50 Millionen Tote als Konsens. Scholz ist nun bei „mehr als 60 Millionen“ angelangt. Und als abgemacht gilt „Deutsche haben dieses Menschheitsverbrechen verübt.“ Diese Ausschließlichkeit ist das geltende Narrativ und wird, trotz verkündeter „Zeitenwende“ auch von Scholz bedient. Es gibt gar keinen Zweifel daran, dass die Deutschen Faschisten den Krieg in Europa begonnen haben. Diese Wahnsinnig haben, so wie Putin heute, erklärt, dass sie so provoziert wurden, dass Ihnen keine andere Option zur Verfügung stand, als Polen anzugreifen. Aber schon da passiert etwas, dass das Narrativ der deutschen Alleinschuld in Frage stellt. In enger Abstimmung mit dem faschistischen Deutschland marschiert Stalins Sowjetunion in Polen ein. Die Sowjetunion war sofort mit Ausbruch des Krieges in Europa, unter Bruch eines polnisch-sowjetischen Nichtangriffspaktes Aggressor an der Seite Hitlers.
In der von Scholz benutzten Gesamtzahl der Opfer des 2.Weltkrieges sind aber auch ca. 13 Millionen Chinesen und 4 Millionen Japaner enthalten. Die Japaner haben bereits 1937 den Krieg in China, der Teil des 2.Weltkrieges ist begonnen. Wie kann man aber die dortigen Ereignisse unter: „Deutsche haben dieses Menschheitsverbrechen verübt.“ zusammenfassen?
Es geht gar nicht darum, die deutsche Verantwortung klein zu reden, zu relativieren oder gar abzuwehren.
Aber die Geschehnisse waren deutlich komplizierter als das man sie unter: „Die Deutschen sind an allem Schuld“ zusammenfassen kann.
Dann der Narrativ von der „Befreiung“. Dieser Begriff geht klar auf die sowjetische Geschichtserzählung zurück. Also auf die Sowjetunion, die an der Seite des faschistischen Deutschlands in den Krieg eingetreten ist und mit diesen gemeinsamen Feldparaden zur Feier des Sieges über Polen abhielten. Die Gelegenheit nutzend überfiel dann die Sowjetunion Finnland. Die Toten des „Winterkrieges“ zählen auch zu den „mehr als 60 Millionen Opfern des 2.WK“.
1941 wurde Stalin vom deutschen Überfall überrumpelt. Das ist belegt. Er konnte nicht glauben, dass sein Partner im Geist ihn angreift. Und so war der „2.Vaterländische Krieg“ dessen Ende Russland heute feiert, zuerst ein Krieg um die Erhaltung der kommunistischen Terrorherschafft Stalins. Die Balten und Ukrainer jubelten den vorrückenden Deutschen tatsächlich zu. Sie fühlten sich tatsächlich vom kommunistischen Joch befreit. Bald aber lernten sie, dass nur eine Blutherrschaft durch eine andere ersetzt wurde. Die Ukrainer und Weißrussen gingen als Partisanen in die Wälder, und so mancher blieb dort, als die Rote Armee zurück kam.
Diese Rote Armee brach der Deutschen Wehrmacht das Rückgrat und rückte dann vor. Was war aber dann, nach der Sicherung der stalinistischen Macht sowjetisches Kriegsziel? Befreiung? Die Konferenzen von Teheran und Jalta sprechen da eine völlig andere Sprache. Ab da ging es, basierend auf militärischen Erfolgen, um so viel als möglich Eroberung. Polen, Tschechoslowaken, Bulgaren, Ungarn, Rumänen wurde ja nicht die Freiheit erkämpft. Die wurden mehr oder weniger der Sowjetunion direkt oder als Einfluss-Sphäre zugesprochen. Diese Länder waren der Preis, den die Westmächte bereit waren, dafür zu zahlen, dass die Rote Armee den Hauptanteil an der Zerschlagung der Wehrmacht übernahm. Aber „befreit“ wurden diese Länder nicht. Wenn es mein Ziel ist, ein Land von einem verbrecherischen System zu befreien, dann nehme ich mir danach nicht Land und vertreibe ca. 12 Millionen Menschen wegen ihrer Nationalität. Wer oder was wurde den in Ostpreußen, Pommern oder Schlesien „befreit“? Die Menschen dort wurden von ihrem Besitz, ihrer Geschichte, ihren Vorfahren und von ihrem Leben „befreit“. Wenn der Narrativ der „Befreiung“ gültig wäre, dann müsste auf den militärischen Akt des Sieges auch eine gesellschaftliche Befreiung folgen. Gefolgt ist in Ostdeutschland der Weiterbetrieb der Konzentrationslager - nur diesmal unter Führung des NKWD.

Und das ist es, was Putin heute in Moskau feiert - ein militärischer Sieg der zur größten Ausdehnung der russischen Einfluss-Sphäre die es jemals gab, führte. In Deutschland wurde der Nationalsozialistische Verbrecherstaat beseitigt. Das hat die Sowjetunion nicht allein geleistet. Nur im westlichen Teil Deutschlands fand danach eine Befreiung statt. Mitteldeutschland fiel der Sowjetunion als Einflussgebiet zu, der Osten Deutschlands wurde als Gnadenakt an Polen im Ausgleich für die Ostpolnischen Gebiete verramscht. Bezeichnend ist, wie Stalin während der Potsdamer Konferenz noch persönlich Grenzverläufe um Stettin herum zeichnete.

Ja - die Deutschen konnten sich nicht selbst vom faschistischen Staat befreien. Sie wollten das auch gar nicht, waren in breiter Masse diesem Staat verfallen. Die militärische Niederlage mündete in der Befreiung vom Hitlerfaschismus. Aber wirklich befreit wurde nur Westdeutschland. Der neue Deutsche Osten wurde erneut zum realen und ideologischen Gefängnis für 17 Millionen Deutsche.

Die Sowjetunion aber hat auf verbrecherische Weise den Krieg mit ausgelöst. Sie wäre ihrem eigenem verbrecherischem Tun fast zum Opfer gefallen und sie konnte ihr Einflussgebiet als Ergebnis des Krieges maximal ausweiten. Diesen Umstand imperialer Größe feiert Putin heute. Zu diesem Zustand will er zurück. Und daher greift er mit der Ukraine auch uns an. Aber als „Befreier“ ist die Rote Armee in den 104 Jahren ihres Bestehens noch nie und nirgends aufgetreten. Immer war sie Instrument eines verbrecherischen Systems.

Und deshalb wäre es auch an Kanzler Scholz, vor den Ostdeutschen, Polen oder Tschechoslowaken zu erklären, was er meint, wenn er erklärt, dass vor 77 Jahren „Freiheit und Sicherheit …. über Unfreiheit, Gewalt und Diktatur triumphiert haben.“ Diese Aussage ist in ihrer Absolutheit schlicht historischer Unsinn.
Wer „Zeitenwenden“ ausruft, muss erklären was das heißt. Dann zu erzählen, dass „die Bundeswehr“ uns verteidigen soll, als wäre sie irgend ein Dritter, dem man einen Auftrag gegen Bezahlung erteilt hätte, und der das einfach umsetzten und ansonsten nicht stören soll, zeigt nur, wie orientierungslos dieser Kanzler noch immer durch die Geschichte tappt, wie wenig er der Herausforderung seines Amtes gewachsen ist.

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09.05.2022

Scholz hat in seiner gestrigen Ansprache klare Prioritäten gesetzt: Natürlich steht Deutschland in diesem Krieg auf der Seite der Ukraine und wird mit Geld und Material weiterhin helfen. Als deutscher Bundeskanzler ist er aber in erster Linie dem deutschen Volk und seiner Sicherheit verpflichtet. Das bedeutet, dass es keine gefährlichen deutschen Alleingänge geben wird und dass die Fähigkeit Deutschlands zur Selbstverteidigung durch militärische Hilfen nicht beeinträchtigt werden darf. Wer das anders sieht, sollte es offen sagen.

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09.05.2022

Volle Zustimmung. Der Kanzler muss sich vorrangig um das Wohl des eigenen Landes kümmern ohne die inteenat. Verpflichtungen ausser Acht zu lassen. Er tut gut daran nicht dem Strömungen und Emotionen in der veröffentlichten Meinung hinterher zu laufen oder auf Zurufe von der Seitenlinie zu reagieren. Emotionsgetriebenes Handeln widerspricht den Regeln der Realpolitik diametral.

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09.05.2022

@ WOLFGANG L. u. JOCHEN H.

https://www.br.de/mediathek/podcast/tagesgespraech/nach-der-putin-rede-in-moskau-wie-muss-man-mit-russland-umgehen/1855926

Falls Sie etwas Zeit haben und die Sendung heute auf BR 2 nicht gehört haben. Hören Sie mal rein. Der Studio-Experte ist Dr. Johannes Grotzki, ein sachkundiger Russlandkenner, der weiss, wovon er redet und die ganze Geschichte und Entwicklung dieses Krieges etwas anders sieht, als die große Zahl der Russlandhasser, die für mein und vermutlich auch Ihr Empfinden derzeit etwas überrepräsentiert sind.

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09.05.2022

Dr. Johannes Grotzki, der ehemalige Hörfunkdirektor des BR, der wie kein Zweiter in die Reihe der „sachkundigen Russlandkenner“ vom Schlage Schröder, Steinmeyer, Gysi pass „weiß wovon er redet“!
Lange nicht so gelacht.

(persönliche Angriffe gelöscht/edit/mod/NUB 7.2)

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08.05.2022

Wenn man die Sachlage kennt und zur Kenntnis nimmt, dass seit 2014 kriegerische Handlungen zwischen der Ukraine und Russland stattfinden und Frau Merkel als Botin 8 Jahre lang missbraucht wurde, kann die Rede von Olaf Scholz nur als richtig empfunden werden. ERGO: Gut, dass es ihn gibt, da derzeitig alternativlos für Deutschland, in Ermangelung von politischer Qualität.

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09.05.2022

Genau Richtig. Merkel wurde von beiden "Kriegsparteien" als Botin missbraucht. Im Grunde wollten beide Seiten Minsk 2 nur sehr bedingt erfüllen. Wobei Kiew unter dem neuen Präsidenten ganz offen verkündet hat den Vertrag nicht zu erfüllen mit den jetzt bekannten Folgen. Da hat Scholz gut daran getan sich nicht zu unbedachten Handlungen und Äußerungen hinreissen zu lassen und nicht noch Öl ins Feuer zu giessen.

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08.05.2022

Es handelt sich hier schlichtweg um Völkermord (realistisch- JA; juristisch ??? ).
Putin hat sich total über- und die EU und NATO total unterschätzt!
Welchen Weg kann dieser Despot jetzt noch einschlagen - totales Chaos!?

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09.05.2022

Realistisch ist Krieg. Russland hat die NATO unterschätzt? Wieso? Die NATO hat m.w. nicht aktiv in den Krieg eingegriffen. Sie liefert auch keine Waffen an die Ukraine - das sind Staaten. Die EU unterschätzt? Sanktionen? Damit war auch in Russland ztu rechnen.

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