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Krieg in der Ukraine
30.08.2022

Wie der Ukraine-Krieg in Bulgarien den Urlaub verändert

Albena war ein beliebtes Ziel für viele russische und ukrainische Gäste: Nun treffen sie hier aufeinander als Urlauber und Geflüchtete.
Foto: Adobe Stock

An der bulgarischen Küste verbrachten einst Reisende aus Russland und der Ukraine unbeschwerte Sommertage. Jetzt begegnen sie sich wieder: als Urlauber und Geflüchtete.

Wenn Svitlana Konoplyova die Klaviermelodie aus der Ukraine spielt, ist sie in Gedanken in ihrer Heimatstadt Mykolajiw, im Krieg. Eine geradezu zärtliche Melancholie erfüllt die Hotellobby im Paradise Blue.

Vielleicht ist die Musik ein wenig zu schwermütig für ihr Publikum, für einen heißen Sommerabend am Schwarzen Meer. Die meisten Hotelgäste, die in Strandkleidchen und Badeshorts an der Bar gegenüber einen Wodka Lemon bestellen, nehmen Konoplyova kaum am Klavier wahr. Manche aber setzen sich ein paar Minuten auf die Sessel hinter der Pianistin und lauschen. „Spasiba“, sagt ein älterer Herr, der ihr etwas länger zugehört hat, „Danke“ auf Russisch, das hier an der bulgarischen Riviera lange die Sprache zwischen den Einheimischen und den Touristen aus Osteuropa war und noch immer ist. Die Pianistin sieht zur Seite und lächelt. Es ist eine Weile her, seit die 54-jährige am Flügel unter den Kronleuchtern und vollen Sitzreihen im Nationaltheater ihrer Heimatstadt Opern spielte.

„Wenn ich hier sitze und spiele, sind meine Gedanken bei meinem Mann und meinen Freunden“, sagt die Pianistin, „das gibt mir Kraft.“ Auf ihrem Mobiltelefon zeigt sie Bilder von brennenden Wohnhäusern und zerbombten Straßenzeilen. Die Metropole zwei Autostunden östlich von Odessa war in den letzten Wochen immer wieder Ziel von russischen Raketen. „Ich weine jeden Tag“, sagt Konoplyova. „Ich hatte erst Hoffnung, dass der Krieg schnell vorbeigeht, aber jetzt glaube ich, dass Mykolajiw bald komplett evakuiert wird.“

Konoplyova war im April mit ihrer Tochter und ihrer Mutter über Rumänien nach Bulgarien geflohen. Sie fand Zuflucht an der Schwarzmeerküste und lebt nun in einem einfachen Hotel im Seebad Albena. Etwa 12 Kilometer nördlich des Goldstrands, das derzeit allein von Geflüchteten aus der Ukraine bewohnt wird. „Mein Mann war vor vielen Jahren einmal im Urlaub hier“, erzählt die Pianistin, die in Mykolajiw stellvertretende Direktorin an einer Kultur- und Musikhochschule ist. Eher durch einen Zufall fand sie die Anstellung als Hotelpianistin und spielt nun an den Abenden in verschiedenen Lobbys.

In Bulgarien leben 90.000 Geflüchtete aus der Ukraine

Aktuell hat die UNHCR etwa 90.000 Geflüchtete aus der Ukraine in Bulgarien registriert. Im Frühjahr wurden viele davon zunächst in Hotels am Schwarzen Meer untergebracht. „Es ist natürlich eine Herausforderung, Touristen und Geflüchtete gleichzeitig zu beherbergen“, sagt Viktoria Krasteva, die mit dem Zdravets, Veshen, Perunika und Arena Mar vier einfache Hotels nahe des Goldstrands führt. Anfang März war die 45-Jährige eine der ersten, die Geflüchtete aus der Ukraine aufnahm, zeitweise bis zu 180. „Die Ukrainer wissen nicht, wohin sie sollen“, sagt sie, „Ich habe eine Mutter hier, die allein mit ihrem gelähmten Kleinkind ist. Manche sind gut ausgebildet, Psychologinnen, Anwältinnen, die jetzt in der Küche arbeiten.“ In den letzten Wochen sind ihr die unbeglichenen Rechnungen über den Kopf gewachsen. „Ich habe eine vier mal höhere Rechnung für Elektrizität seit letztem Jahr“, sagt die Hotelbesitzerin.

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In etlichen Hotels, in denen nun ausschließlich Geflüchtete wohnen, wurden die Klimaanlagen und der Internetzugang abgestellt und die Nutzung von Wasserkochern und Kochgeräten untersagt, um Strom zu sparen.

Svitlana Konoplyova ist froh, in Albena gelandet zu sein. Das Seebad war vor dem Krieg und der Pandemie ein beliebter Ferienort, wo sich im Sommer Touristen aus Bulgarien, Russland, der Ukraine, Rumänien, Deutschland und anderen Ländern Ost- und Westeuropas begegneten. 1969 wurde die Hotelstadt an einem noch unbebauten Sandstrand an der waldreichen Küste im Nordosten Bulgariens aus dem Boden gestampft. Mit sozialistischer Wucht wurden zunächst neun große Hotels errichtet. Anders als die Bettenburgen am nahen Goldstrand muten die Hotels in Albena eher wie kubistische Interpretationen im Dschungel verborgener Mayatempel an. Der Eichen- und Ulmenwald ringsum wurde hier nicht komplett gefällt. Zwischen den Resorts und Poolanlagen spenden noch heute alte Bäume Schatten. Im über 200 Hektar großen, direkt angrenzenden Naturschutzgebiet Baltata haben Spechte, Schwarzstörche und Schreiadler noch immer einen Rückzugsort.

Ein Hauch Normalität: ein Sandburgen-Wettbewerb am Strand.
Foto: Win Schumacher

Während der Goldstrand mit seiner Partymeile und zahlreichen Nachtclubs als „Ballermann des Balkans“ gilt, zieht Albena vor allem Familien und ruhesuchende Rentner an. Im Aquamania-Wasserpark können sich Kinder austoben. An dem sechs Kilometer langen Sandstrand reihen sich endlose Reihen mit Sonnenschirmen und Liegestühlen aneinander.

Deutlich weniger Urlauber an den bulgarischen Stränden

Anders als derzeit wieder am Mittelmeer, liefern sich die Sonnenbadenden hier jedoch keine Handtuchkriege um die besten Plätze. Was Bulgariens Touristiker betrüblich stimmt, sorgt unter den Urlaubern für gelassene Stimmung. Einzig vor dem Hotel Dobrotitsa sorgt ein Sandburgen-Wettbewerb an diesem Vormittag für eine kleine Menschenansammlung und fröhliches Kinderjubeln. Albenas kleine Spezialklinik für Rehabilitation lockte vor der Pandemie mit ihren Mineralwasserbecken und Heilschlamm-Anwendungen aus dem Schwarzen Meer auch deutsche Kurgäste. Nur zögernd kehren sie zurück. Lediglich etwa 20 der heute insgesamt 33 Hotels haben in diesem Sommer geöffnet. Viele davon sind nicht ausgebucht. Auf der Meerespromenade und dem Hauptsträßchen zwischen den größten Hotels schlendern Grüppchen von Urlaubern ohne Hektik wie sonst oft nur in der Nebensaison vorbei an Ständen mit Badeartikeln, Eisverkäufern und Porträtmalern.

 

„Bis Februar sah alles noch total gut für Bulgarien aus“, sagt Vjara Mitkova auf einer Führung durch die Hafenstadt Warna. „2020 war die schlimmste Saison überhaupt. 2021 kamen ebenfalls nur wenige deutsche Touristen.“ Die 59-jährige Reiseleiterin, die seit mehr als drei Jahrzehnten vor allem deutsch- und bisweilen russischsprachige Gruppen durch Bulgarien begleitet, hatte nach den ersten beiden Pandemiejahren auf eine Rückkehr der Touristen gehofft. Dann kam der Krieg in der Ukraine. Im historischen Meeresgarten von Warna, sonst mit seinen Blumenrabatten, dem Delfinarium und Zoo ein beliebtes Ausflugsziel für Familien, hört man in diesem Sommer nur wenig Deutsch und Englisch. „2019 war ich ausgebucht und hatte 14 Rundreisen durch Bulgarien“, sagt Mitkova, „dieses Jahr habe ich zwei.“ Noch schlimmer sei die Situation für ihre Kollegen, die russischsprachige Gruppen durch das Land führten.

Die Flüge aus Russland wurden in diesem Jahr gestrichen

Nicht nur die Flüge aus Russland wurden in diesem Jahr gestrichen, auch viele Direktverbindungen nach Warna und Burgas aus anderen Ländern. Dennoch kommen einige russische Individualtouristen über die Türkei. Auch in Bulgarien, Deutschland, Israel und einigen osteuropäischen Ländern lebende Russen verbringen ihren Urlaub hier. Bulgarien gilt als das russlandfreundlichste Land der EU. Viele russische Touristen kommen seit Generationen für ihre Sommerfrische an die bulgarische Schwarzmeerküste.

„Ich weiß, dass es die hier gibt“, sagt Daria. Wie Svitlana Konoplyova ist die 43-Jährige, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, im April aus dem Süden der Ukraine nach Bulgarien geflohen. Auch sie spricht vom „Glück im Unglück“, in Albena eine Bleibe gefunden zu haben. Als Universitätsdozentin fand Zaitseva dank ihrer Sprachkenntnisse eine Anstellung in der Administration von Albena. „Ich bin nicht verpflichtet, mit russischen Touristen zu arbeiten. Meine Chefin schont mich.“ Wie viele Geflüchtete aus der Südukraine ist sie auch mit Russisch als Muttersprache aufgewachsen. „Die Russen sagen, dass wir unterdrückt und zum Ukrainischen gedrängt werden. Nein, niemand hat uns verboten, Russisch zu sprechen. Es ist so absurd, weil die Völker verwandtschaftlich so verbunden sind.“

Viele Ukrainerinnen arbeiten nun als Zimmermädchen

Sie ist dankbar, in Albena eine Anstellung gefunden zu haben. „Nicht alle können arbeiten“, sagt sie, „ die Oma sehe nach ihrer dreizehnjährigen Tochter. Sie weiß, dass viele gut ausgebildete Ukrainerinnen nun als Zimmermädchen und Küchengehilfinnen arbeiten, wenn sie sich nicht selbst um ihre Kinder kümmern müssen. Wie es im Herbst weitergeht, weiß sie nicht. „Ich habe meinen Mann und meine Katze zuhause“, sagt sie. „Es ist schwierig. Man kann ja nicht schreiben: ‘Bist du noch am Leben?’. Man beginnt den Morgen damit, dass man Nachrichten liest, man weint, man wäscht sich, man schminkt sich, geht zur Arbeit und schickt Smileys.“ Kann sie sich eine Zukunft in Bulgarien vorstellen? „Wir sind hier zu Gast. Ich danke den Leuten, die uns empfangen haben“, sagt Zaitseva, „aber ich glaube an die Zukunft für mein Land.“

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31.08.2022

Tja - nach den Informationen von heute werden wohl auch einige russische Touristen fehlen. Einige Pensionen/Hotels werden es spüren.

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