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Königsbrunn

15.09.2019

Der christliche Glaube als Mittel gegen Geisterfurcht

Reinhard Weber Pastor Missionar ThailandBibelstunde im Schein einer kleinen Lampe: Diese stand in einer Schüssel mit Wasser, um so die Insekten aufzufangen, die an der Lampe verbrannten. Daraus wurde dann Suppe gekocht.
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Reinhard Weber Pastor Missionar ThailandBibelstunde im Schein einer kleinen Lampe: Diese stand in einer Schüssel mit Wasser, um so die Insekten aufzufangen, die an der Lampe verbrannten. Daraus wurde dann Suppe gekocht.
Bild: Familie Weber

Reinhard Weber hat als Pastor der evangelischen Gemeinschaft in Königsbrunn viel bewegt. Prägende Jahre erlebt er in Thailand, wo viel übers Leben lernt

Eine lebendige Beziehung mit Gott attestiert sich Pastor Reinhard Weber. In 26 Jahren in Königsbrunn hat er die evangelische Gemeinschaft entscheidend geprägt und geht jetzt in Ruhestand. Seinen Lebensweg hat Weber immer als Berufung gesehen. Prägend war seine Zeit als Missionar im Urwald von Thailand. Diese Berufung hat ihm viele Erlebnisse und Erkenntnisse beschert.

Eine wichtige Erkenntnis: „Gott hat mir ein Potenzial gegeben. Wenn ich das realisiere, macht es mit glücklich.“ Als Kind musste er nach dem Tod seines Vaters viel Verantwortung und Arbeit für den elterlichen Bauernhof übernehmen, lernte Landwirt. Doch schon als Kind sei ihm immer klar gewesen, dass er sein Leben Gott widmen wolle, sagt Weber. Er studierte Theologie in Marburg, nachdem er mühsam Stoff in Altgriechisch und deutscher Grammatik nachgelernt hatte. Danach studierte er Kulturanthropologie, Missiologie und Buddhismus in England. Schon da stand für ihn fest: Ich will ins Ausland und Missionar werden.

Der Pfarrer soll Opiumbauern bei der Umstellung auf Ananas helfen

Aufgrund seiner landwirtschaftlichen Kenntnisse wollte ihn die Kirche nach Thailand schicken: „Dort wurden Leute mit Erfahrung gesucht, weil die Bauern dort vom Opium- auf Ananasanbau umgeschult werden sollten.“ Ganz nebenbei brachte ihn das endgültig mit seiner Frau Lydia zusammen, die ihre Zukunft ebenfalls in Thailand sah. So ging das frisch verheiratete Paar 1978 erst in die Hauptstadt Bangkok und dann weiter in „Goldene Dreieck“, einen Landstrich im Grenzgebiet zwischen Thailand, Laos und dem heutigen Myanmar.

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Nach der Ankunft lernten die Webers die Landessprache. Gerade für Reinhard Weber keine leichte Zeit: „Thailändisch ist eine Fünf-Laut-Sprache. Die Grammatik ist simpel, aber je nach Betonung bedeuten die Worte etwas völlig anderes.“ Seine Frau erfasste die Systematik viel schneller, Weber war schnell der Verzweiflung nahe: „Wir haben uns dann einen zweiten Lehrer genommen, weil meine Frau sich im gemeinsamen Unterricht gelangweilt hat.“

Ein Missionar muss Antworten auf die drängenden Fragen der Menschen haben

Doch das Lernen brachte Reinhard Weber eine weitere Erkenntnis: Um die Menschen zu erreichen, muss man die Fragen beantworten, die sie drücken. Und das war bei den Thais nicht der Wunsch nach Vergebung der Sünden oder ewigem Leben. Sie hatten Angst vor Geistern. „Die Menschen dort lebten eine Mischung aus Buddhismus und ihrer alten Naturreligion“, sagt Weber. Die moderne westliche Welt war in diesem Landstrich Ende der 1970er noch weit weg: Stromanschlüsse oder Telefon gab es nicht, die staubigen Straßen waren während der Regenzeit oft wochenlang unpassierbar. Das Leben, die ganze Natur wurde nach dem Glauben der Thais von Geistern kontrolliert. Man entschuldigte sich vor der Reisernte bei den Pflanzen, bei Krankheiten ging man zum Schamanen und ließ sich erklären, welchen der 32 Lebensgeister man mit einer Opfergabe besänftigen müsse.

Mit dieser Basis lernte Weber zu arbeiten. Die einheimischen Christen sorgten nicht mit großen Kirchen oder Worten für Aufsehen, sondern weil sie ohne Angst vor den Geistern lebten. „Es liefen Leute teils viele Kilometer durch den Dschungel, die fragten, wie es sein könne, dass die Hühner Eier legen, obwohl man nicht den Geistern opfere“, sagt Weber. Damit gab es eine Gesprächsgrundlage.

Bibelkreise fanden im Schneidersitz auf einfachen Matten statt, Gottesdienste in einer Holzhütte, sagt Reinhard Weber. In den Jahren bildete Weber Kirchenleiter aus, zwei kleine Gotteshäuser aus Stein wurden gebaut und auf den Ananasfelder fand er eine Möglichkeit, die Erträge zu steigern: „Man hatte mir gesagt, dass ich so arbeiten muss, dass die Menschen nach zehn Jahren ohne mich auskommen.“

Reinhard Weber will Zeit in Menschen investieren

Zwischen all der Arbeit reifte eine weitere Erkenntnis: „Ich will meine Zeit in Menschen investieren, nicht in Projekte.“ Die Thais hätten kein lineares Zeitverständnis, man gucke dort nicht dauernd auf die Uhr. Diese Fähigkeit, Dinge mal beiseite zu legen, und sich dafür Zeit zum Zuhören zu nehmen, versuchen die Webers auch in Deutschland bei Kommunikationsseminaren an Ehepaare zu vermitteln.

Die Rückkehr nach Deutschland war für die Eheleute mit ihren mittlerweile vier Kindern schmerzhaft. Reinhard Weber hatte eine neue Aufgabe in der Großstadt zugewiesen bekommen, die Familie hatte den Urwald verlassen. Doch plötzlich erkrankte Lydia Weber an Typhus, die Familie kehrte nach Deutschland zurück. Schnell war klar: Die Mutter wird wieder gesund, das für Reisen in die Tropen erforderliche Gesundheitszeugnis bekommt sie aber nicht mehr. „Dass wir nicht mehr zurück konnten hat mich lange frustriert“, sagt Weber. Doch es half, dass sich die Kinder in dem ihnen fremden Land schnell heimisch fühlten. Und der Rat eines thailändischen Freundes: „Vielleicht hat Gott mit Dir in Deutschland etwas vor und das war der einzige Weg, Dich zurückzubringen.“

Mit dieser Einstellung ging Reinhard Weber die Aufgabe in Königsbrunn an und suchte Antworten auf die Fragen der Menschen hier. Die evangelische Gemeinschaft verdreifachte ihre Mitgliederzahl auf heute etwa 200, im Jahr 2000 wurde das neue Gemeindezentrum eingeweiht. Im Ruhestand wird Reinhard Weber weiter versuchen, seine Potenziale zu verwirklichen. Seine Erlebnisse in einem Buch niederzuschreiben, wäre ein Projekt. Und er wird im sächsischen Freiberg bei einer Gemeinschaft als Aushilfspfarrer einspringen.

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