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Ökumene

06.09.2016

Ein Kirchlein kündet vom Gemeinschaftsgeist

Die ökumenische Friedenskapelle St. Josef in Obermeitingen ist ein gelungenes Beispiel für dörflichen und ökumenischen Gemeinschaftsgeist. Sie ist im Besitz des Kapellenvereins Obermeitingen, der sie der katholischen und der evangelischen Pfarrei für Gottesdienste und Andachten zur Verfügung stellt.
Bild: Sybille Heidemeyer

Wie ein Verein die St.-Josefs-Kapelle in Obermeitingen baute. Brandstiftung als Rückschlag

Vor 13 Jahren hatten 30 Obermeitinger eine Vision: Eine Kapelle, die ein besonderes Beispiel für dörflichen und ökumenischen Gemeinschaftsgeist darstellen sollte. Dazu gründeten sie am 12. Oktober 2003 den Kapellenverein Obermeitingen. Keine drei Jahre später wurde ihre Vision Wirklichkeit. Das zehnjährige Bestehen der ökumenische Friedenskapelle St. Josef wird am Sonntag, 25. September, um 14 Uhr gefeiert.

Auf einem Grundstück in zentraler Lage in Obermeitingen an der Lechfelder Straße, das die Eheleute Irma und Georg Spatz stifteten, legte man am 26. Juni 2005 den Grundstein für den Bau. Feierlich eingeweiht wurde die ökumenische Friedenskapelle St. Josef am 24. September 2006.

Ihre Wurzeln reichen weit über hundert Jahre zurück. „Nachgewiesen ist im 19. Jahrhundert eine kleine Kapelle am westlichen Ortsrand, die dem heiligen Josef geweiht war und abgerissen wurde“, erläutert der langjährige Vorsitzende des Vereins, Herbert Rid, einen der Gründe, die für eine Kapelle sprachen.

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Zudem sollte der Bau einer Kapelle die Dorferneuerung abschließen. Auch wollte man für Gottesdienste auf das kleine Gotteshaus ausweichen können, da die katholische Pfarrkirche St. Mauritius nicht stoßweise beheizt werden sollte.

Die Errichtung der Kapelle und die Innenausstattung finanzierte der unabhängige Verein komplett mit Spenden. „Die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung war sehr groß, alle haben zusammengeholfen – handwerklich mitgearbeitet oder uns anderweitig unterstützt“, so berichtet Clemens Weihmayer, Altbürgermeister und jetziger Vorsitzender des Kapellenvereins. Firmen spendeten Material, Vereine machten Benefizveranstaltungen und Basare zugunsten der Kapelle. Der Verein erhielt auch großzügige Einzelspenden von Privatpersonen. Zudem wurden Dachplatten verkauft, auf denen der Name der Käufer vermerkt ist. „Bei den Anschaffungen war uns die Qualität wichtig und dass alles zusammenpasst“, betont Herbert Rid.

Das ist dem Verein wirklich gut gelungen, wie der Blick in die Kapelle zeigt. Der gekreuzigte Jesus an der Wand hinter dem aus Holz und Metall modern gestalteten Altar stammt von einem Feldkreuz in Obermeitingen. In einer Ecke hat der Namenspatron der Kapelle, der heilige Josef, als aufwendig geschnitzte und bemalte Holzfigur mit Hobel und Winkel seinen Platz gefunden.

Zu einem richtigen Gotteshaus gehört natürlich auch eine Glocke. Allerdings wäre eine große, schwingende Glocke zu schwer für das kleine Dach gewesen. So kam man auf die Idee eines Glockenspiels. Die Eheleute Spatz waren davon so begeistert, dass sie dieses Glockenspiel mit acht Glocken spendeten.

Den Unterhalt der Kapelle, wie Heizung, Strom und Versicherung, bestreitet der Verein durch die Beiträge seiner 85 Mitglieder und den Verkauf von Opferkerzen. Um Blumenschmuck und Reinigung kümmern sich Ehrenamtliche. Es war ein großer Schock für den Verein und die ganze Gemeinde, als unbekannte Brandstifter am 28. Mai 2011 auf dem Altar in der Kapelle Feuer legten. „Die gepolsterten Stühle hatten Feuer gefangen. Auch die Figuren wurden arg in Mitleidenschaft gezogen und mussten restauriert werden. Die Innenwände wurden sandgestrahlt und neu gestrichen“, berichtet Herbert Rid. Seitdem wird die Kapelle mit einer Kamera überwacht. Seit Juli 2012 komplettiert der gegeißelte Wiesheiland in einer Grotte als Bildstock das Ensemble der Friedenskapelle und der kleinen Grünanlage.

Seit zehn Jahren ist die ökumenische Friedenskapelle St. Josef, in der rund 40 Personen Platz finden, nunmehr im Besitz des Kapellenvereins, der das kleine Gotteshaus kostenfrei der katholischen und der evangelischen Gemeinde zur Verfügung stellt. Die nutzen sie regelmäßig für Gottesdienste, Andachten sowie das Rosenkranz- und Taizégebet. Immer wieder kommen auch Gläubige für ein stilles Gebet.

ist die St.-Josefs-Kapelle täglich von 8 bis 20 Uhr, sie ist barrierefrei zugänglich.

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