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Königsbrunn

03.11.2019

Heiterkeit zum Fremdschämen

Die Couplet AG servierte in Königsbrunn bitterböse Satire und schrägen Humor.
Foto: Regina Elias

KLIK präsentiert in Königsbrunn mit der Couplet AG bitterböse Satire und schrägen Humor.

„Wir kommen – die Rache der Chromosomen.“ Das war sowohl Titel als auch Programm des bayrischen Kabarett-Ensembles um Jürgen Kirner und sorgte auch nach 25 Bühnenjahren für volles Haus im Evangelischen Gemeindezentrum St. Johannes. Gemeinsam mit Bianca Bachmann, Bernhard Gruber und Berni Filser zog der Erfinder und Moderator der BR-Sendung „Brettl-Spitzen“ mit seinen Couplets – das sind scherzhaft-satirische, zweideutige Lieder mit Kehrreim – auch Königsbrunn in den Bann.

"Lass uns am Abend müde sein"

Trotz allen Humors ist nicht von der Hand zu weisen, dass man mit der Familie seine liebe Not hat und man sie so hinnehmen muss, wie sie ist, was mit dem Lied „Jeder kennt so Typen, jeder ist verwandt“ parodiert wurde. Einen nicht minder wahren Kern beschreiben die Kabarettisten auf derbe Weise mit ihrem Lied „Lass uns am Abend müde sein“, in dem sich Abgründe einer sich im Laufe der Zeit abgenutzten Ehe auftun, in der man lieber „voneinander seine Ruh“ hat.

Über Sauberkeit in jedem Winkel

Während sich Kirner und Bachmann für jeden Auftritt in neue Kostüme warfen, überbrückten Bernhard Gruber als „Otto“ und Bernie Filser als der lispelnde, einfältige Brettl-Tätowierer „Gustl“ die Wartezeit mit pointierten und geistreichen Reimen. Sprüche wie „Denkt bei fröhlichem Gepinkel an Sauberkeit in jedem Winkel“ oder „Sagt der große Stift zum kleinen Stift: Wachsmalstift“ waren zwar zwischendurch ganz witzig, nutzten sich jedoch mit der Zeit ab.

Die vier Volksmusikanten stöberten brutal direkt, kompromisslos und mit dem Feingefühl eines Fleischerhundes in den Tiefen menschlicher Psyche und politischer Unzulänglichkeiten, egal, ob sie sich als nachhaltig denkendes Bauernehepaar oder derbes Alkoholiker-Liebespaar ausgaben. Stets wurde dem begeisterten Publikum in facettenreichem Dialekt – mal derb bairisch, fränkisch, österreichisch oder sächsisch – sowie mit lieblich-eingängiger musikalischer Untermalung vorgeführt, welche Abgründe sich beim menschlichen Zusammenleben auftun können. Zur Melodie von Beethovens „Ode an die Freude“ nahmen sie bei „Stündlich einen Zucker-Joint“ die heutzutage florierende Werbung für Süßigkeiten und ungesunde Lebensweise aufs Korn.

Die erste Reihe hat verloren

Urkomisch mutete es an, als Kirner, bekleidet mit einem altbackenen grün-lila Trainingsanzug, ein Loblied auf seine gepeinigte, aber treue Leber namens Heidi sang, die prompt von einem Zuschauer aus der ersten Reihe befühlt werden durfte. Hier zeigte sich, dass die Wirtshausmusikanten während der gesamten Vorstellung stets den Kontakt zum Publikum suchten –und schnell war klar: Wer in der ersten Reihe sitzt, hat verloren. Nicht nur mussten einzelne Besucher für die elegante Sängerin Olga alias Bianca Bachmann unter dem Motto „Wollt ihr mich beglücken, dann lasst mich Pickel drücken“ zu Demonstrationszwecken herhalten, auch die gespielte Liebe des grenzdebilen Gustl zu einer Zuschauerin namens „Liane“ wurde als „roter Faden“ immer wieder aufgegriffen.

Mitleid mit Söder

Nach knapp zwei Stunden geballter bissiger Satire stellten die Kabarettisten den Königsbrunnern noch das Allheilmittel vor, von dem es für einige auch Kostproben in Tütchen gab: Das „Zapferl Söder rektal“, ist „einfach zu dosieren“, macht „hemmungslos, gnadenlos, skrupellos“ und erweckte beim Zuschauer fast ein bisschen Mitleid für den besagten Politiker, der hier aufs Korn genommen wurde.

Zum Schluss präsentierte das Ensemble als kleines Highlight noch Lieder von Karl Valentin, der über 115 Couplets überliefert hatte, jedoch meist ohne Originalmelodie. Bernhard Gruber, seit 25 Jahren Komponist der Couplet AG, vertonte diese Liedtexte neu. Unter anderem bei „So amüsiert sich jeder, so gut er eben kann“ durfte auch das Publikum den Refrain mitsingen und wurde nach lang anhaltendem Applaus schließlich entlassen mit dem Wissen: „Weil der Mensch halt so ein Mensch ist, menscheln wir tagein, tagaus.“

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