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Klosterlechfeld

11.08.2019

Highlander Wolfgang Hiller: Ein starker Mann im Schottenrock

Wolfgang Hillers Leidenschaft sind unter anderem Highland Games. Egal ob Steine heben, Kugeln stoßen oder Baumstämme werfen – dem Klosterlechfelder kann es nicht anstrengend und schwer genug sein.
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Wolfgang Hillers Leidenschaft sind unter anderem Highland Games. Egal ob Steine heben, Kugeln stoßen oder Baumstämme werfen – dem Klosterlechfelder kann es nicht anstrengend und schwer genug sein.
Bild: Hiller

Der Klosterlechfelder ist nicht nur Steinheber, sondern auch Highlander. Sein Ziel ist ein Trainingsgelände. Dort soll unter anderem mit Bäumen geworfen werden.

Wolfgang Hiller ist eine Ausnahmeerscheinung. Ihn als Kraftpaket zu bezeichnen, greift viel zu kurz. Auf 1,80 Meter verteilen sich rund 100 Kilogramm Muskelmasse. Ob es an seinem Körper auch nur ein Gramm Fett gibt, ist kaum vorstellbar. Das besondere an „Hilli“, wie ihn seine Freunde nennen: Er ist bereits 58 Jahre alt, doch zum alten Eisen gehört er noch lange nicht. Das beweist der gebürtige Niedersachse, der seit einigen Jahren in Klosterlechfeld lebt, immer wieder aufs Neue. In der Region ist er als erfolgreicher Steinheber bekannt, doch Hiller hat seit wenigen Jahren ein neues Hobby für sich entdeckt: Highland Games – und die will er nun in seiner neuen Heimat etablieren.

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Doch was sind Highland Games eigentlich und wo kommen sie her? Es handelt sich um sportliche Wettkämpfe, die seit Hunderten von Jahren einen Teil von Schottlands Kultur bilden. Damals wurden sie ausgetragen, um den stärksten und schnellsten Mann zu finden, der dann in die Dienste des jeweiligen Königs gestellt wurde. Die nun ausgetragenen Disziplinen sind eine Kombination von Ausdauer, Geschicklichkeit und Kraft. Beim sogenannten „Weight for Height“ geht es darum, eine an einer Eisenkette schwere Kugel so hoch wie möglich zwischen ein mittels Schnüren markiertes Gestell zu werfen. 19 Kilogramm ist das gesamte Sportgerät schwer. Während sich der Laie abmüht, die etwa bierkastenschwere Last nach oben zu befördern, sieht es bei Wolfgang Hiller fast schon spielerisch leicht aus. Etwa fünf Meter schleudert er das Gerät in die Höhe.

Highland Games: vom Baumstammwerfen bis zum Streitaxtwerfen

Nicht minder anstrengend sind die weiteren Disziplinen – egal ob Baumstammwerfen, Streitaxtwerfen, Steinstoßen mit 8,5 Kilogramm, Gewichtweitwurf (zwölf Kilogramm) oder Baumstammslalom. Bei Letzterem tragen die fünf – bei Frauen vier – Mannschaftsmitglieder einen Baumstamm durch einen eng gesteckten Slalom. Diese Disziplin ist für Wolfgang Hiller und seine Frau Diana, die übrigens auch bei den Highland Games aktiv dabei ist, die unbeliebteste. „Alle Übungen sind anspruchsvoll, aber beim Baumstammlauf muss man volle Power geben und bleibt im Ziel völlig entkräftet liegen“, sagt Wolfgang Hiller.

Highlander Wolfgang Hiller: Ein starker Mann im Schottenrock

Seit 35 Jahren betreibt der Mann mit den Oberarmen aus Stahl erfolgreich Body Building. Vier- bis fünfmal pro Woche geht er ins Fitnessstudio, um die nötige Kraft und Ausdauer zu erhalten. Dann verschlug es ihn zu den Steinhebern. In Klosterlechfeld wird beim Lechfeldcup jedes Jahr der mehr als 250 Kilogramm schwere Stein so weit wie möglich nach oben gezogen. Beim Steinheben hat er durch Zufall einen Flyer über Highland Games entdeckt – und seine Begeisterung war sofort geweckt. Nach wenigen Probetrainings reiste Wolfgang Hiller mit „einigen jungen Burschen“ nach Schliersee und nahm an den dortigen Highland Games mit, wie er sagt, ganz achtbarem Erfolg teil. Im Jahr darauf siegte er mit seiner Mannschaft, dem „High Glen Clan“.

Wolfgang Hiller gründete mit Franz Ritzer die 1. Bayerische Highland Game Vereinigung

2017 gründete er mit Franz Ritzer die 1. Bayerische Highland Game Vereinigung. „Wir haben einfach mehr Leute und können so bei vielen Highland Games mitmachen“, sagt Wolfgang Hiller. 40 Mitglieder umfassen den Verein, etwa 15 sind aus der Region. Laut Hiller ist es die am stärksten wachsende Sportart Deutschlands, mehrere tausend Menschen betreiben hierzulande diesen Extremsport. Derzeit trainieren die Hillers und ihre Gefährten am Ortsrand von Klosterlechfeld auf einer Wiese – halb legal wie Wolfgang Hiller verrät: „Wir wollen das jetzt offizieller machen und benötigen ein richtiges Trainingsgelände.“ Im Auge hat er ein Gelände an der südöstlichen Seite des Sportgeländes, ein Antrag hierfür liegt bereits beim Gemeinderat, der darüber nach der Sommerpause entscheiden soll. Ob dort möglicherweise auch einmal das Equipment, also Baumstämme, Eisenkugeln und Steine, gelagert werde, sei derzeit noch nicht absehbar.

Klosterlechfelds Bürgermeister Rudolf Schneider steht dem Antrag Hillers aufgeschlossen gegenüber. „Das ist eine sehr spannende Sportart, die mir nicht ganz fremd ist“, sagt Schneider. Er sei grundsätzlich offen gegenüber Dingen, die Menschen anziehen und begeistern. Aus Sicherheitsgründen müssten allerdings ein paar Rahmenbedingungen festgelegt werden. Der Bürgermeister verrät, dass er sich bei der entscheidenden Gemeinderatssitzung am 9. September positiv gegenüber eines Trainingsgeländes für Highland Games positionieren werde. Dort werden dann auch Fakten wie die genaue Grundstücksgröße präsentiert.

Highland Games haben ihren Ursprung in der schottischen Geschichte

Highland Games sind für Wolfgang Hiller aus mehreren Gründen eine spannende Sportart. So haben laut dem schottlandbegeisterten Sportler alle Disziplinen einen historischen Bezug. Der Hochwurf war früher nötig, um mittels eines Hakens und Seils die Befestigungsmauer zu erklimmen. Der Baumstammlauf hat seinen Ursprung ebenfalls im Kampf: Die Männer rannten mit dem Rammbock im Zick-zack, um den Pfeilen der Bogenschützen auszuweichen. Und beim „Stein-auf-ein-Podest-Heben“? „Es gab früher vor den Stadtmauern einen schweren Stein. Und wer diesen Hochheben konnte, wurde in der Gesellschaft als Mann angesehen“, erläutert Hiller die Hintergründe.

Und die Sportart, die laut Hiller unheimlich fair sei, kommt beim Publikum gut an. In Kaltenberg waren zuletzt bis zu 4000 Zuschauer, welche die Highland Games der 20 Mannschaften verfolgten. Hillers Team wurde zum dritten Mal in Folge bayerischer Meister – und zwar sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern. Besonders begeistert ist Hiller von der Atmosphäre in Kaltenberg: das Stadion, die Zuschauer und die Marching Bands, die in ihren farbenprächtigen Kostümen ausgefeilte Choreografien zeigen.

Wolfgang Hiller tritt bei den deutschen Meisterschaften in Wuppertal an

Und wie geht es für Wolfgang Hiller nun weiter? Am 25. August tritt er bei den Highland Games in Schliersee an, eine Woche später geht es für ihn zu den deutschen Meisterschaften nach Wuppertal. Sein großes Ziel für 2020 sind die Weltmeisterschaften in Irland, gerne einmal will er auch einen Wettkampf in Schottland bestreiten. Die oberste Regel muss überall befolgt werden: Ein Kilt, also der knielange Schottenrock, ist bei allen Wettkämpfen Pflicht – die Tradition muss schließlich bewahrt werden.

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