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Literatur

27.11.2019

Mit Büchern über Freundschaft in die Pause

Helga Heilmann (links) und Hilde Mühsam stellten die Biografie von Alma Mahler-Werfel und Bücher zum Thema Freundschaft vor.
Foto: Marion Kehlenbach

Treff in der Königsbrunner Stadtbücherei hat sich etabliert. 2020 soll es weitergehen

Um Freundschaft und die Biografie von Alma Mahler-Werfel ging es in der letzten Literatur-Matinee des Jahres in der Stadtbücherei. In dieser Veranstaltungsreihe stellen Teilnehmer des Königsbrunner Literaturkreises in Kooperation mit der Stadtbücherei verschiedene Bücher und Autoren vor. Diesmal waren es Helga Heilmann und Hilde Mühsam, die Interessantes aus dem Bereich Literatur zu berichten wussten.

Heilmann hat ein Faible für Frauenbiografien und las diesmal Auszüge aus dem Buch „Witwe im Wahn“ von Oliver Hilmes. Hilmes hat anhand tausender Briefe, Postkarten, Fotos und vor allem unveröffentlichten Tagebüchern das Leben von Alma Mahler-Werfel nachgezeichnet. Diese Biografie unterscheidet sich wesentlich von ihrer verklärten Autobiografie „Mein Leben“. Mahler-Werfel wurde 1879 in Wien geboren, starb 1964 in New York und war verheiratet mit dem Komponisten Gustaf Mahler, Bauhausgründer Walter Gropius und dem Schriftsteller Franz Werfel. Sie hatte eine wilde Affäre mit dem Maler Oskar Kokoschka und auch Dramatiker Gerhart Hauptmann lag ihr zu Füßen. „Von Alban Berg bis Carl Zuckmayer ist das gesamte gesellschaftliche, künstlerische und politische Establishment Österreichs und Deutschlands dieser Zeit vertreten“, erläuterte Heilmann.

Zudem war Mahler-Werfel eine schillernde Persönlichkeit voller Widersprüche. „Was soll man zu diesem Weib sagen? Diejenigen, denen die Spucke nicht wegblieb, bespieen sie. Die anderen erlagen restlos ihrem Charme.“ Der Zeitraum, in dem Mahler-Werfel lebte, war gesellschaftlich und politisch sehr bewegt und das mache das Buch so interessant, da unzählige namhafte Persönlichkeiten ihr wildes Leben begleiteten, hob Heilmann hervor. Auch die Besucher waren fasziniert von dem Buch, das auch in der Stadtbücherei ausleihbar ist. „Das war eine besondere Frau und das Buch ist eine epochale Schilderung über den Umweg der Biografie“, stellte eine Besucherin in der anschließenden Diskussion fest.

Im zweiten Teil mit Hilde Mühsam ging es um das Thema Freundschaft und wie zur Demonstration hatte Mühsam gleich auch ihre langjährige Freundin zu dieser morgendlichen Veranstaltung mitgebracht. Das Thema sei gerade in Bezug auf die neuen Medien sehr aktuell: „Mein persönliches Glück ist es, gute Freunde zu haben“, erzählte Mühsam und ihre Freundin habe ihr das Buch „Auf die Freundschaft“ von Ina Schmidt geschenkt. Das Sachbuch hinterfragt, was bedeutet Freundschaft heute zu Zeiten von Facebook und anderen Social Networks? Was ist die Kernidee von Freundschaft und was macht eine wirklich gute Freundschaft aus? „Die Philosophin Ina Schmidt nimmt die Leser mit auf einen Weg in das Reich der Freundschaft und beschreibt, was wir für eine gelingende Freundschaft tun können.“ Zu Wort kommen viele Philosophen. „Ein Buch, das animiert innezuhalten und darüber nachzudenken, welchen Platz Freunde in unserem Leben haben und haben sollten“, sagt Mühsam.

Ganz anders im Stil und in der Art ist das Buch von Amos Oz „Unter Freunden“ mit Erzählungen aus einem Kibbuz, aus dem Mühsam den Zuhörern eine Kostprobe gab. Zuletzt stellte sie dann noch quasi einen Gegenentwurf zur Freundschaft vor, das Buch „Lieber allein, als gar keine Freunde“ von Anja Rützel. Das Buch ist ein Journal mit persönlichen Erfahrungen, die Anja Rützel beschrieben hat. Rützel ist gerne alleine – und steht damit ziemlich einsam da.

Aber warum ist das Leben als Einzelmensch eigentlich so negativ belegt? Braucht die Einsamkeit vielleicht einfach nur einen guten Imageberater? Rützel forscht nach, was hinter dem menschlichen Drang zum Zusammenglucken steckt, und lernt, ihr Solo-Leben richtig zu lieben. Und dann zitiert Mühsam noch den großen Philosophen Cicero: „Gibt es etwas Beglückenderes, als einen Menschen zu kennen, mit dem man sprechen kann wie mit sich selbst?“

Stadtbüchereileiterin Kathrin Jörg und Literaturkreisleiterin Marion Kehlenbach freuen sich über das stetige wachsende Zuschauerinteresse, das die Literatur-Matinee im ersten Jahr verzeichnen konnte und wollen die Veranstaltungsreihe im nächsten Jahr fortführen. (AZ)

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