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Graben

28.01.2020

Poetry Slam in Graben: Sie texten über Rachegelüste und verschimmelten Toast

Beim Poetry Slam in Graben lieferten sich sieben Poeten im voll besetzten Jugendhaus mit ihren Texten einen Wettstreit. Gewinner des Abends wurde Martin Geier (Mitte).
Foto: Sabine Biedermann

Beim Poetry Slam im Gräbinger Jugendzentrum treten sieben junge Dichter gegeneinander an. Mit welchen Texten sie das Publikum zum Lachen bringen.

Was ein junger Rekrut erlebt, wenn er sich mit zehn Dioptrin durch den Wehrdienst schlägt? Martin Geier hat es beim Gräbinger Poetry Slam auf den Punkt und mit seinem Text die Zuhörer im voll besetzten Jugendhaus zum Lachen gebracht – so sehr, dass sie ihn zum Gewinner des Abends kürten.

Doch Geiers Auftritt war nicht der einzige, der beim fünften Dichterwettstreit überzeugte. Sieben junge Poeten traten gegeneinander an – mit sehr unterschiedlichen Themen. Jens Rohrer aus Ingolstadt eröffnete die Vorrunde mit einem Rap über die Liebe zu Bäumen und Blumen. Wie eine Welt aussehen könnte, in der die eigenen Fähigkeiten betont werden und weniger die Schwächen im Vordergrund stehen, stellte sich Julia Flierler vor.

Poetry Slam: Von schimmeligem Toast und Selbst-Therapie

Der Augsburger Jason Böhner setzte anhand eines verschimmelten Toasts die kleinen Alltagsärgernisse ins Verhältnis zu den wirklichen Problemen auf der Welt. Ilayda Kohl ließ das Publikum wissen, wie schwierig es ist, etwas Lustiges zu schreiben angesichts der Ernsthaftigkeit der Gegenwart. Dafür zog sie zusammen mit Böhner ins Finale. Jonas Biedermann moderierte den Gräbinger Poetry Slam, den Jugendreferent Matthias Schäfer im Rahmen des Programms von Kulturpur Lechfeld organisierte.

In der zweiten Gruppe startete der junge Dichter Tobias Melder mit einem Text über seine Selbst-Therapie, der mit dem Fazit endete: „Sei bereit zu leben, es kann nichts Schöneres geben.“ Wie es sich anfühlt, wenn eine ehemalige Mitschülerin plötzlich im Aufzug neben einem steht und alte Rachegelüste hochkochen, beschrieb Martin Geier.

Ein Text über die Erfahrungen als junger Rekrut macht das Rennen

Die junge Poetin Rieke hatte sich ihre Haare abrasieren lassen und textete darüber, wie sich das auf ihr Leben auswirkte: In den Augen anderer entwickelte sie sich vom Mädchen zur Kampflesbe, sie selbst bekam dagegen das Gefühl, ihr Gesicht nicht mehr hinter einem Vorhang zu verstecken. Damit gelang ihr neben Geier der Sprung ins Finale.

In der letzten Runde setzten sich die jungen Dichter mit der Doppelmoral in aktuellen politischen Diskursen auseinander oder philosophierten über die Liebe – inspiriert von einem Gespräch mit einem Mitglied der AfD und die Frage, wo Nächstenliebe endet. Doch am meisten überzeugte das Publikum Martin Geiers Text über seine Erfahrungen als halb blinder Rekrut bei der Bundeswehr.

Doch Gewinner waren am Ende des zweistündigen Wettstreits alle: Die Poeten, die den Mut hatten, ihre Gedanken vor Publikum in Worte zu fassen und die Gäste, die im Jugendhaus jede Menge lustige Anekdoten und nachdenkliche Texte zu hören bekamen. (SZ)

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