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Dialekte

16.02.2015

Schwaben und Bayern sind sich näher als gedacht

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Jürgen Dillmann

Sprach-Erklärer Jürgen Dillmann hat während unserer Serie selbst viel Neues erfahren

170 Mal hat Jürgen Dillmann uns und unseren Lesern sprachliche Besonderheiten, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen bayerischen und schwäbischen Dialekten erläutert. Dabei gab es seit dem Beginn unserer Serie im November 2011 auch so manchen Ausflug ins österreichische Idiom. Nun zieht Dillmann eine kleine Bilanz seiner wöchentlichen kleinen Sprachforschungen.

„Im Laufe der Zeit sind mir ein paar Sachen aufgefallen, die ich zuvor so nicht erkannt hatte“, erzählt er. „So sind zum Beispiel die süddeutschen Dialekte stärker miteinander verwandt, als ich dachte. Es kommt zum Beispiel vor, dass schönes, gepflegtes Münchnerisch für Österreichisch gehalten wird.“ Vielfach fänden sich für die selben Sachverhalte die selben Worte. „Die Unterschiede reduzieren sich dabei oft lediglich auf verschiedene Aussprachevarianten.“ Ein Beispiel: Links des Lechs sagt man „Gelump“ und „Geraffel“ und rechts des Lechs heißt es knapp „Glump“ und „Graff(e)l“ für Unrat, Krimskrams und dergleichen.

Dillmann erklärt sich das unter anderem durch die gemeinsam aus den vielen dem Italienischen, Lateinischen und Französischen entlehnten Formulierungen und Wortstämmen. Andererseits hat unser Autor auch Begriffe gefunden, die man auf einer Seite des Lechs kennt und auf der anderen nicht. Im Schwäbischen gibt es zum Beispiel ein Wort für „Pfütze“, das im altbairischen Raum unbekannt ist: „Flo(t)sche“ und „Pflotsche“. Damit bezeichnet man auch einen Tümpel oder eine feuchte Senke in der Wiese. Auch Sickergruben werden so genannt.

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Dass Jürgen Dillmann einmal ein solches Interesse für verschiedene Ausprägungen der gleichen Sprache entwickeln würde, war zunächst nicht vorgezeichnet: „Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der man nicht gerne Dialekt sprach – dies sogar verpönt war.“ So wurde er angehalten, sich in „Schriftdeutsch“ auszudrücken.

Erst ein Griechischlehrer im Gymnasium weckte bei ihm das Interesse für dieses Thema: „Bei einer Übersetzung eines wütenden Ausrufs aus dem Griechischen hat ein Mitschüler ,O weh, o weh‘ übersetzt und der Lehrer hat dann gesagt – ,Der hat sicher so was wie ,Sacklzement‘ gesagt!“ Da sei ihm der Dialekt bewusst geworden.

So sei die Hochsprache weniger ausdrucksstark. „Im Dialekt kann man Nuancen viel besser wiedergeben.“ So gibt es einen deutlichen Unterschied, ob jemand „Ich bin ärgerlich“ sagt oder „Das stinkt mir gewaltig“.

Auch wenn unser Sprachexperte jetzt seine Erläuterungen über Besonderheiten zwischen den Dialekten beendet – er hat schon ein neues Forschungsgebiet, das er für unsere Leser aufbereiten wird: Demnächst startet Jürgen Dillmann eine neue Serie. Einmal wöchentlich widmet er sich der Entstehungsgeschichte besonderer Ortsnamen im Augsburger Land. „Viele haben eine Beziehung zur Geschichte, andere, wie ,Schlipsheim‘ verführen zu Fantasiegedanken.“

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