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12.02.2015

Tschüss Zeugnis

In entspannter Atmosphäre spricht Lehrerin Silke Meisenheimer (rechts) mit Leonie über ihre schulischen Leistungen. Mutter Angi Hettenkofer hört gespannt zu.
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In entspannter Atmosphäre spricht Lehrerin Silke Meisenheimer (rechts) mit Leonie über ihre schulischen Leistungen. Mutter Angi Hettenkofer hört gespannt zu.

Grundschulen können auf das Zwischenzeugnis verzichten. Als Ersatz dient ein Gespräch zwischen Lehrern und Schülern. In Schwabmünchen gibt es schon Erfahrungen

Jetzt  gibt es Zwischenzeugnisse. Doch nicht an allen Schulen. In der St.-Ulrich-Grundschule Schwabmünchen wurde bereits ein Nachfolge-Modell einführt, welches auch anderenorts Schule machen könnte. Großaitinger Pädagogen beispielsweise, interessieren sich schon dafür. Statt der bekannten Noten-Liste bekommen in Schwabmünchen Erst-, Zweit- und Drittklässler heute jeweils ein Protokoll ihrer Selbsteinschätzung und eines Gesprächs mit ihrer Lehrkraft. Das soll ihnen und Eltern einen viel anschaulicheren Überblick zum Entwicklungsstand geben.

Viel Neues prasselte Anfang des Schuljahres auf die bayerischen Grundschullehrer ein. Mit dem „Lehrplan plus“ wurden der Unterricht und seine Inhalte neu geregelt. Dazu kam noch die Anregung zur Einführung eines sogenannten Lernentwicklungsgespräches. Dieses findet noch auf freiwilliger Basis statt. In der St.-Ulrich-Grundschule Schwabmünchen wurde das schon eingeführt. Rektorin Ursula Timmler erzählt: „In unserer ersten Konferenz im Herbst haben sich die Kollegen mit großer Mehrheit für die Einführung des Gespräches ausgesprochen“. Zuvor wurden die Schwabmünchner Grundschullehrer von Kollegen aus Senden informiert. Dort gibt es das Lernentwicklungsgespräch schon seit fünf Jahren.

Somit gibt es jetzt an der Schwabmünchner Grundschule für die ersten drei Jahrgangsstufen kein Zwischenzeugnis. Stattdessen bewerten die Schüler ihre Leistungen mittels eines Bogens selbst. Den ganz Kleinen helfen dabei Smileys. Einen ähnlichen Bogen füllen die Klassenlehrer aus. Diese Bögen beinhalten die Beurteilung im Sozial-, Lern- und Arbeitsverhalten sowie den Lernstand in den Unterrichtsfächern. Es folgt ein Gespräch zwischen Lehrer und Schüler, im Beisein eines Elternteils, bei dem die beiden Bögen verglichen werden.

Bis jedoch diese Bögen einsatzbereit waren, hatten die Lehrkräfte viel Arbeit. Da es keine festen Vorlagen gab, wurden die Bewertungsbögen in Arbeitsgruppen selbst entwickelt. So kam es, dass die Bögen von der ersten bis zur dritten Klasse „mitwachsen“, aufeinander aufbauen. Ursula Timmler sieht im Lernentwicklungsgespräch viele Vorteile: „Die Lehrer können mehr erklären, es entsteht ein Dialog. Man kann dem Kind die Hand auf die Schulter legen und gemeinsam den richtigen Weg finden“. Zudem sei es für die Kinder etwas besonderes, im Beisein der Eltern vom Lehrer gelobt zu werden. Auch Gertrud Seiler, die eine Klasse der zweiten Jahrgangsstufe unterrichtet, wirbt für das neue Verfahren. „Es ist schön, dass man dadurch für jedes einzelne Kind Zeit hat,“ so die erfahrene Pädagogin.

Auch von Eltern gibt es schon Zustimmung. Angi Hettenkofer freut sich für Tochter Leonie: „Ich finde das wesentlich besser als das gedruckte Zeugnis. So können sich alle mehr einbringen“. Susanne Thoma, die mit ihrer Tochter Franziska beim Lernentwicklungsgespräch war, bestätigt: „Es war sehr nett, nicht so unpersönlich wie ein Zeugnis. Toll fand ich auch, dass man auch selbst nachfragen konnte, wenn etwas nicht klar war“.

Doch ganz ohne Papier zum Zeugnistermin geht es nicht. Die Kinder bekommen heute ein Protokoll des Gesprächs mit nach Hause, bei den Drittklässlern sind darin auch Noten aufgeführt.

In der Großaitinger Grundschule gibt es das Lernentwicklungsgespräch noch nicht. Das könnte sich aber bald ändern. Noch im Februar soll es eine Fortbildung für die Lehrer geben. Schulleiter Stefan Bader ist dem neuen Modell gegenüber nicht abgeneigt: „Ich denke, das Lernentwicklungsgespräch kann eine gute Möglichkeit sein, den Kindern ihre Lern- und Fördermöglichkeiten aufzuzeigen. Im Gegensatz zum Zeugnis bietet solch ein Gespräch auch die Möglichkeit der Rückfragen.“

In Schwabmünchen wird Rektorin Timmler bald alle Antworten auf einen Elternbrief haben, in dem sie nach Erfahrungen von Müttern und Vätern fragt. Schon vorab lobte sie ihre Kollegen: „Das Kollegium hat sich richtig reingehängt.“ Vor allem, weil sehr viel Zeitaufwand dahinter steckt. „Die Kollegen aus Senden haben aber klar gesagt, dass der Zeitaufwand dem für ein normales Zeugnis ähnelt, sobald das System einmal steht.

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