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Königsbrunn

04.10.2019

Vorsorge gegen den Totalausfall im Honigglas

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4 Bilder
Damit der Imker die Königin zwischen all den vielen Tausend Arbeiterbienen schneller findet, wird sie mit einem farbigen Opalith-Plättchen markiert. Rot bedeutet, die Königin ist 2018 geschlüpft. Fotos: Marion Kehlenbach
Bild: Marion Kehlenbach

Imkern auf Probe; Unsere Autorin lernt beim Imkerverein das Handwerk der Bienenzucht. Nach der Pflege geht es nun um das Bilden von Ablegern. Warum die Königin doch nicht das Maß aller Dinge ist.

Das Imkerjahr neigt sich dem Ende zu. Bald werden die Probeimker beim Königsbrunner Imkerverein ihre Bienenvölker mit nach Hause nehmen können oder in diesem Fall sollte es besser heißen, mit in den heimischen Garten. Eine Saison lang haben wir Dinge gelernt wie Pflege der Bienenvölker, Einfangen von Schwärmen, Honigschleudern und zuletzt die Varroa-Behandlung, sprich, wie man den eingeschleppten Varroamilben mit Ameisensäure den Garaus macht.

Wenn sich Bienen eine neue Bleibe suchen

Ein wichtiges Thema ist das Bilden von Ablegern. Es kann immer wieder passieren, dass ein Bienenvolk ausschwärmt, seinen Bienenstock komplett verlässt und sich eine neue Bleibe sucht. Bemerkt der Imker das zu spät, kann er es unter Umständen nicht mehr einfangen und das Volk ist für ihn verloren. Ein weiterer Totalverlust droht, wenn das Volk aus unterschiedlichen Gründen den Winter nicht überlebt.

Damit der Imker nicht mit leeren Händen und Honiggläsern dasteht, macht er sich aus seinen Bienenvölkern Ableger. Dafür gibt es verschiedene Methoden und einige hören sich ganz schön kompliziert an, zum Beispiel wenn es um die Zucht von Königinnen und Arbeiterbienen mit bestimmten Eigenschaften geht. Aber es gibt auch für Anfänger ein paar einfache Methoden, die Coach Walter Steinbach erklärt. Dabei machen wir uns das natürliche Verhalten der Bienen zunutze.

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Bemerken die Arbeiterbienen, dass die Königin fehlt, beispielsweise, weil sie gestorben ist, legen sie sogenannte Weiselzellen an, in denen innerhalb von drei Wochen eine Königin heranwächst. Die Weiselzellen sind deutlich größer als die Brutzellen für Arbeiterbienen und erinnern ein wenig an eine Erdnuss. Das Besondere ist nicht nur die Größe, sondern auch das Futter. Die Königinnen-Larven bekommen ausschließlich das Superfood Gelée royale. Übrigens hat auch die Königin einen Stachel. Allerdings wehrt sie sich damit nicht gegen äußere Feinde, wie die Arbeiterinnen, sondern gegen royale Konkurrenz. Denn die Arbeiterinnen gehen immer auf Nummer sicher und legen mehrere Weiselzellen an. Die erste geschlüpfte Königin setzt ihren Stachel zum Töten der Nebenbuhlerinnen ein – Maria Stuart lässt grüßen.

Der neue Stock muss mindestens 2,5 Kilometer entfernt sein

Für einen Ableger braucht der Imker deshalb nur aus einem bestehenden Volk, das möglichst groß genug ist, um den Verlust zu verkraften, Wabenrahmen mit Brut- und Futterzellen zu entnehmen und zusammen mit einigen Arbeiterbienen in einen neuen Bienenstock zu hängen. Wichtig ist, diesen Stock mindestens 2,5 Kilometer entfernt vom alten Bienenstock aufzustellen. Falls der Abstand zu kurz ist, fliegen die Arbeiterinnen mit ihrem Orientierungssinn einfach wieder zu ihrem alten Bienenvolk zurück, ohne vorher eine neue Königin zu krönen.

Die andere einfache Methode, einen Ableger des Bienenvolkes zu erhalten, ist das Herausschneiden einer bestehenden Weiselzelle bei einem aktiven Volk. Steinbach hat dafür eine kleine Box mit Minirähmchen mitgebracht. Vorsichtig schneidet er mit einem Messer die Weiselzelle zwischen den Brutwaben heraus und drückt das umliegende Wachs an das Minirähmchen. „Jetzt brauchen wir noch eine Handvoll Arbeiterinnen, die die junge Königin versorgen“, sagt Steinbacher und holt behutsam mit einem kleinen Becher Bienen aus dem Bienenstock, um sie in die Box zu „schütten“. Hinzu kommt noch Futter, und dann kann alles für den Transport verschlossen werden. Diese Methoden der Ablegerbildung sollten aber rechtzeitig im Jahr erfolgen, denn die Jungköniginnen müssen ja noch zur Begattung zu ihrem Hochzeitsflug aufbrechen.

Dann fliegen sie zu den Drohnensammelplätzen, wo sich alle männlichen Bienen (die Drohnen) treffen. Dabei paart sich die Jungkönigin mit bis zu zwölf Drohnen und nimmt so viele Samen auf, dass sie bis an ihr Lebensende befruchtete Eier legen kann.

Königin ist mit einem roten Punkt markiert

Gefühlt dreht sich beim Bienenvolk alles um die Königin, auch wir Jungimker schauen bei jeder Durchsicht nach, wo sich ihre königliche Hoheit gerade befindet. Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte man die längliche, schlankere Königin auch gut zwischen den kleineren Arbeiterinnen erkennen. Damit die Suche bei mehreren Zehntausend Tieren schnell geht, markieren viele Imker die Königinnen mit einem kleinen farbigen Opalith-Plättchen. Die Farbe gibt zudem Auskunft über das Alter der Königin. Rot bedeutet, sie ist 2018 geschlüpft.

Leicht bekommt man den Eindruck, die Königin sei die wichtigste Dame im Bienenstaat: Wenn sie den Stock verlässt, folgen ihr die Arbeiterinnen, und im Winter wird sie von ihrem Volk warmgehalten und gefüttert – doch eine Herrscherin ist sie deshalb noch lange nicht. Denn wenn die Königin mit zunehmendem Alter weniger Eier legt als in jungen Jahren, wird auch sie von ihren Arbeiterinnen getötet, die sich dann kurzerhand eine neue Königin züchten. Also alle Macht geht vom Volke aus? Auch nicht ganz. Bei einem Bienenstaat spricht man von einem Superorganismus, zu dem alle Arbeiterinnen mit den vielfältigen Aufgaben, die Drohnen und eben auch die Königin gehören. Keiner bestimmt alleine, wo es langgeht. Jedes Individuum des Bienenvolkes lebt alleine nur für eine kurze Zeit, überleben kann die Honigbiene nur als Superorganismus in der Gemeinschaft.

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