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Bobingen

09.11.2018

Zwei Bobinger Traditionsgeschäfte schließen

Zwei Bobinger Traditionsgeschäfte schließen in den nächsten Monaten. Franz Schrall schließt sein Elektrogeschäft und betreibt die Servicesparte weiter.
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Zwei Bobinger Traditionsgeschäfte schließen in den nächsten Monaten. Franz Schrall schließt sein Elektrogeschäft und betreibt die Servicesparte weiter.
Bild: Elmar Knöchel

Plus Nach der Apotheke in der Siedlung verliert Bobingen mit Elektro Schrall und Bobinger Schuh zwei weitere bekannte Läden. Warum die beiden Besitzer aufhören.

Zum Jahresende wird in der Bobinger Einkaufslandschaft einiges nicht mehr so sein, wie seit Jahren gewohnt. Nachdem bereits Anfang der Woche bekannt wurde, dass die Apotheke in der Siedlung Ende Dezember schließt, wird die Liste der Geschäftsaufgaben nun noch länger. Ebenfalls zum Ende des Jahres schließt der Schrall-Expert Elektronikmarkt in der Lindauer Straße. Ihm folgen wird zwischen Mitte und Ende Januar auch das renomierte Schuhgeschäft Bobinger Schuh.

Die Gründe für die Schließungen ähneln sich stark, auch wenn es im Detail Unterschiede gibt. Auffällig ist, dass die Inhaber alle im gleichen Alter sind. „Wenn man auf die siebzig zugeht, fällt es einem nicht mehr so leicht, zehn bis zwölf Stunden am Tag im Laden zu stehen“, sagt Franz Schrall.

Der gelernte Radio-und Fernsehtechnik-Meister weiß, wovon er spricht. Denn das Unternehmen wurde bereits 1948 von seinem Vater gegründet. Zusammen mit seinem Bruder übernahm er später die Geschäftsführung. Nachdem sein Bruder in den Bergen verunglückt war, ging die alleinige Geschäftsführung auf ihn über.

Trotz Internetkonkurrenz - kleine Händler können sich über den Service profilieren

Natürlich seien große Ketten und das Internet ernst zu nehmende Wettbewerber. Doch die Nische für kleinere Händler sei nach wie vor gegeben. Über den Service könne man sich immer noch profilieren. Aus diesem Grund schließe er auch „nur“ das Ladengeschäft. Der Service für Installationen und Reparaturen bleibe jedoch in gewohnter Weise bestehen, beruhigt Franz Schrall seine vielen Stammkunden. Einen Nachfolger habe er zwar noch nicht gefunden, aber die Hoffnung sterbe ja bekanntlich zuletzt. Natürlich würde er es begrüßen, wenn in die Räume wieder ein Elektro-Fachmarkt einziehen würde. Momentan sei jedoch kein Bewerber in Sicht.

Auch bei Bobinger Schuh, ein paar Meter weiter nördlich in der Lindauer Straße, sind Altersgründe einer der Faktoren zur Geschäftsaufgabe. Xaver Bobinger ist im gleichen Alter wie auch Franz Schrall und Wolfgang Stingl, Inhaber der Wertach-Apotheke in der Siedlung. Speziell im Schuhhandel kommen aber noch viele Probleme hinzu.

Xaver Bobinger schließt Bobinger Schuh nach 38 Jahren

Wenn man von einem „Traditionsunternehmen“ spricht, dann ist Bobinger Schuh wohl ein Paradebeispiel dafür. Die Bobingers üben das Schuhhandwerk bereits seit 1675 aus. Immer wieder ging das Gewerbe an den Sohn über, auch Xaver Bobinger, der das Geschäft 1980 von seiner Mutter übernahm, ist gelernter Schuhmacher. Doch diese Reihe geht nun zu Ende. Selbst wenn er Kinder hätte, so erklärt Xaver Bobinger, würde er ihnen davon abraten, die Firma zu übernehmen: „Wer eröffnet heute noch ein Schuhgeschäft?“

Aber die Gründe für den Umsatzrückgang seien vielfältig. Die großen Handelsketten und das Internet seien mit Sicherheit die hauptsächlichen Verursacher. Ein Preiskampf auf dieser Ebene sei schlichtweg nicht zu gewinnen, sagt Bobinger. Aber auch Faktoren wie ein geändertes Einkaufsverhalten und auch ein Wandel in der Kundenstruktur sorgten für Umsatzrückgänge. Er würde zwar nicht mit Bitterkeit seinen Laden zusperren, aber ein bisschen Wehmut sei schon dabei. Wann genau das „Aus“ für Bobinger Schuh kommen wird, liegt am bereits laufenden Ausverkauf. „Wenn wir keine Ware mehr haben, ist Schluss“, sagt Bobinger.

Kritik: Baustellen in Bobingen sorgten für weiteren Umsatzrückgang

Auch die Stadt Bobingen kommt nicht ganz ungeschoren davon, wenn die Geschäftsinhaber ihr Fazit ziehen. Die Arbeit von Wirtschaftsförderer Thomas Ludwig wird zwar ausdrücklich gelobt, aber es gibt auch Kritikpunkte. So seien die Sperrungen und Baustellen der vergangenen Zeit nicht ursächlich für die Schließungen, aber wenn der Umsatz sowieso schon rückläufig sei, dann würden ein paar zusätzliche Prozent Rückgang besonders schmerzen. Außerdem wären noch Verbesserungen bei der Vergabepraxis von öffentlichen Aufträgen wünschenswert. „Das billigste Angebot ist nicht immer das Günstigste“, erklärt Franz Schrall. Nun verliert die Stadt wieder zwei Geschäfte, die viele Bobinger seit ihrer Kindheit begleitet haben.

Lesen Sie hier die Meinung und Erinnerung unseres Redakteurs zu den beiden Geschäften: Geschäftsaufgaben: Nicht immer auf andere zeigen

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