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Königsbrunn

16.08.2018

Zwei Frauen, zwei Wohnungen, eine Gemeinschaft

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2 Bilder
Susan R. mit ihren Kindern Felix (zehn Jahre) und Mia (sieben Jahre) auf ihrer Dachterrasse im Mehrgenerationenhaus.
Bild: Foto: Claudia Deeney

Eine Witwe und eine zweifache Mutter erzählen von ihrem Leben im Mehrgenerationenhaus. Wie sich Bewohner helfen, schwere Zeiten zu überwinden.

„Ich bin so froh, dass ich hierher gezogen bin“. Die Worte kommen ohne zu zögern, und werden mit Nachdruck ausgesprochen. Margrit Pitsch lässt im Gespräch mit unserer Zeitung keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie sich ausgesprochen wohlfühlt in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung im Generationenpark. Mehr noch, sie ist überaus dankbar, dass sie 2016 noch zusammen mit ihrem Mann Gerhard die Anlage beziehen konnte. Zu dieser Zeit war er schon sehr krank und so bekam das Ehepaar eine Wohnung mit barrierefreier Ausstattung. Breite Türrahmen, hohe Toilette sowie eine offene Dusche sind ein paar der Merkmale ihres rund 55 Quadratmeter großen Reiches, das Margrit Pitsch seit 2017 alleine bewohnen muss, da ihr Mann verstarb. Sie sei zuerst vor Trauer wie gelähmt gewesen, erzählt sie, aber die Gemeinschaft habe sich immer wieder bei ihr gemeldet und sie wieder in das aktive Leben des Generationenparks zurückgeholt. „Die Grundeinstellung der meisten Bewohner hier ist einfach etwas anders“, erklärt sie. Viele wollen Kontakt haben so wie sie selbst und in ihrem Wochenablauf ist der Besuch im Café des Generationenparks fester Bestandteil. Auch den monatlich stattfindenden Brunch genießt Pitsch sehr. „Wenn jemand Geburtstag hatte, bringt er noch zusätzlich was mit und wir feiern zusammen“, beschreibt sie die gemeinsamen Feste. Ihre Kinder seien anfangs skeptisch gewesen, sie hätten die Eltern lieber weiterhin ganz in der Nähe gehabt. Sie sind auch jetzt nicht weit weg, aber eben nicht direkt in der Wohnung nebenan. Margrit Pitsch sieht das ganz pragmatisch: „Die Kinder müssen mit ihren Familien ihr eigenes Leben führen, ich bin da gerne mal dabei, aber bin auch gerne selbstständig und brauche meine eigenen Ansprechpartner.“ Die Tochter und der Sohn haben auch schnell gemerkt, dass sie sich richtig wohlfühle im Generationenpark und freuen sich, dass sie sich nach dem Tod des Vaters wieder aufgerappelt habe und die Gesellschaft der Mitbewohner genieße. „Ich bin hier wirklich richtig angekommen“, sagt sie strahlend und sie will auch nicht wieder weg.

Das Konzept der GWG und des MGH erlaubt es ihr, trotz Witwenrente die Wohnung ohne Probleme halten zu können. Von ihrem Frühstückstisch aus kann sie auf den Spielplatz sehen und sie sieht den Kindern gerne zu und ermahnt sie auch mal, wenn sie merkt, ein Streit untereinander artet aus. „Die Kleinen rufen mich Oma und ich gebe den Kindern ab und an Süßigkeiten“, lacht sie. Auch betreut sie hin und wieder andere Menschen in der Anlage, die nicht gerne alleine sind, weil sie, wie sie sagt, etwas zurückgeben möchte von der Zusammengehörigkeit, die ihr hier widerfahren ist.

„Der Spielplatz ist toll“, das findet die siebenjährige Mia. Und möchte da auch schnellstens hin. Zusammen mit ihrer Mutter Susan und Bruder Felix, zehn Jahre, wohnt sie in einer Vier-Zimmer-Wohnung mit schöner Dachterrasse. „Wir haben seinerzeit den Mietvertrag überglücklich unterschrieben, obwohl da erst der Rohbau stand“, erzählt Susan R, die ihren vollständigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Wir, das waren damals noch sie und ihr Mann. Überall haben sie nach bezahlbarem Wohnraum gesucht und über das Internet sind sie auf die Wohnanlage der GWG gestoßen. Sie haben sich dann gemeldet und sowohl mit Achim Friedrich (MGH) und dem damals zuständigen Sachbearbeiter der GWG ein Bewerbungsgespräch geführt. Zu diesem Zeitpunkt war Susan mit Mia gerade in anderen Umständen und das Ehepaar hatte kein großes Einkommen. Daher erfüllten sie die Kriterien für eine bezuschusste Wohnung. Im Jahr 2012 zogen sie ein, mittlerweile ist Susan von ihrem Mann geschieden. „Ich bin sehr froh, dass ich die Wohnung auch alleine halten kann“, sagt sie. Im freien Wohnungsmarkt wäre das nicht für sie zu stemmen. Beide Kinder haben ihr eigenes Kinderzimmer und mussten ihr vertrautes Umfeld nicht verlassen. Wenn Susan R. im Stau steht, kann sie spontan jemanden in der Anlage anrufen, der dann die Kinder nach der Schule in Empfang nimmt. Sie hat keine Familie hier in der Nähe, sodass sie froh ist, auf die gute Nachbarschaft zählen zu können. „Da ich in Teilzeit berufstätig bin, kann ich nur bedingt an den vielen angebotenen Veranstaltungen teilnehmen“, erklärt sie. Es sei im Generationenpark aber auch kein Zwang spürbar, sich engagieren zu müssen. Auch gebe es keine Vorgaben, wer wie oft etwas macht. Zum Ausgleich backe sie beispielsweise Kuchen für Feste.

Kinder entwickeln automatisch Toleranz

Was der alleinerziehenden Mutter sehr gut gefällt, ist die gelebte Inklusion im Generationenpark. „Die Kinder wachsen automatisch damit auf, dass es Menschen mit Behinderungen gibt und entwickeln Toleranz“, erklärt sie. Mia und Felix fragen auch mal nach, man spricht darüber, aber es ist selbstverständlich, dass die Menschen mit Handicap hier leben und überall anzutreffen sind. Das Gleiche gilt auch für die verschiedenen Nationen und Religionen, die hier zusammenkommen. „Eine gewisse Toleranz muss man als Mieter hier mitbringen, ohne die geht es nicht“, ist ihr Fazit nach rund fünf Jahren Leben im Generationenpark. Wegziehen? Daran verschwendet sie keinen Gedanken. Die Kinder fühlen sich hier wohl, haben ihre Freunde, sie sei glücklich und fühle sich dazugehörig, erklärt sie und sagt abschließend: „Schließlich wohne ich von Anfang an im Generationenpark und habe die Entwicklung intensiv miterlebt.“

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