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Wehringen: Neues Gewerbegebiet in Wehringen: Klima-Aktivisten planen Waldbesetzung

Wehringen

Neues Gewerbegebiet in Wehringen: Klima-Aktivisten planen Waldbesetzung

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    Ingo Blechschmidt gehört zu den Klimaaktivisten, die die Waldrodung zwischen Wehringen und Bobingen-Siedlung verhindern wollen.
    Ingo Blechschmidt gehört zu den Klimaaktivisten, die die Waldrodung zwischen Wehringen und Bobingen-Siedlung verhindern wollen. Foto: Maximilian Czysz

    "Rettet den Wald für unsere Kinder" stand auf dem Banner, das Klimaaktivisten nachts gut fünf Meter über der Straße im Gewerbegebiet Auwald aufgehängt hatten. Am nächsten Morgen war es verschwunden. Jemand hatte es wieder abgehängt. Und mitgenommen.

    Das Banner war der Anfang einer Reihe von Aktionen, die die Naturschützer planen. Die Klimaaktivisten - sowohl Aktive im Augsburger Klimacamp als auch Kletterer, die sich nicht im Klimacamp engagieren - wollen wie der Bund Naturschutz und die Schüler- und Studentenbewegung Fridays for Future das geplante Gewerbegebiet an der Wertach verhindern. Für die Fläche soll ein Waldstück mit einer Größe von über 40.000 Quadratmeter gerodet werden.

    Klimaaktivisten planen ein Traversen-Netzwerk im Auwald

    In einer spontanen Aktion trafen sich die Gegner des geplanten Gewerbegebiets zwischen Wehringen und Bobingen-Siedlung in der Nacht auf Donnerstag vor Ort. Im Wald suchten sie auch geeignete Bäume für ein Traversen-Netzwerk. Das bedeutet: In großer Höhe könnten Seile gespannt werden, um bei einer Besetzung der Bäume Lebensmittel oder auch Menschen zwischen den Waldteilen und über Polizeiabsperrungen hinweg zu transportieren. "So bleibt man mobil", sagt Ingo Blechschmidt. Der Klimaaktivist rechnet "auf jeden Fall" mit Absperrungen.

    Der 33-jährige Mathematikdozent hat bereits Erfahrung bei der Waldbesetzung gesammelt. Er beteiligte sich vor Jahren am Protest im Dannenröder Forst in Nordhessen, wo für den Ausbau der A49 über 80 Hektar Wald gerodet werden sollten. Um den teilweise über 250 Jahre alten Mischwald zu retten, hatten sich viele Gegner in selbst gebaute Baumhäuser zurückgezogen. Ganze Dörfer in großer Höhe entstanden. So etwas schwebt auch den Klimaaktivisten wie Ingo Blechschmidt vor. Allerdings will es gelernt sein, ein Baumhaus zu bauen.

    Naturschützer wollen Bobinger Anwohner einbinden

    Die Naturschützer wollen dafür auch die Bobinger Anwohner einbinden: "Wir werden öffentliche Kletterworkshops veranstalten, damit auch die Bürger und Bürgerinnen vor Ort den Baumhausbau unterstützen können", sagt die Kletteraktivistin Charlotte Lauter.

    In der Nacht auf Christi Himmelfahrt hängten Kletterer ein Protestbanner auf. Am nächsten Morgen war es verschwunden.
    In der Nacht auf Christi Himmelfahrt hängten Kletterer ein Protestbanner auf. Am nächsten Morgen war es verschwunden. Foto: Ingo Blechschmidt

    Die Pläne für das neue Gewerbegebiet kommentiert sie in einer Pressemitteilung so: "Die Waldzerstörung ist ein Planungsdinosaurier. Heute würde das gar nicht mehr genehmigt werden. Um den Gerichten die nötige Zeit zu geben, planen wir daher nach dem Vorbild des Hambacher Forsts eine Besetzung des Bobinger Auwalds. Da wir erst geräumt werden müssen, bevor der erste Baum fallen kann, können wir damit die Rodung in die Länge ziehen, und Bürger und Bürgerinnen über die Rodungspläne aufklären."

    Der Hambacher Forst ist ein 4000 Hektar großer Wald zwischen Aachen und Köln in Nordrhein-Westfalen. Er sollte für den Braunkohleabbau zu großen Teilen gerodet werden. 2018 kam der Wald in die Schlagzeilen, als er nach Jahren durch einen der größten Polizeieinsätze der Geschichte Nordrhein-Westfalens geräumtwurde. Er blieb nach einem Gerichtsurteil erhalten.

    Online-Petition gegen Auwald-Rodung hat schon über 800 Unterschriften

    Aus Protest gegen das Gewerbegebiet wurde vor einigen Wochen eine Online-Petition gestartet. Knapp 850 Unterstützer haben sich bislang online eingetragen. In über 350 Kommentaren drücken die Gegner ihr Missfallen am Projekt und ihre Gedanken aus. Die Initiatoren des Protests - das sind die Bobinger Ortsgruppe des Bund Naturschutz und die Bewegung Fridays for Future - wollen den Wald erhalten. Sie argumentieren: "Dieses Vorhaben muss, angesichts der sich verschärfenden Klimakrise und des Artensterbens, neu bewertet werden. Es passt nicht mehr in unsere Zeit." In der Umgebung seien bereits zu viele Flächen versiegelt und unwiederbringlich für die Natur verloren. Dieses Stück Natur sei als ein Schatz zu betrachten, den es für die Zukunft zu bewahren gelte.

    Manfred Nerlinger, der Bürgermeister von Wehringen, erklärt, dass der Fichtenbewuchs das Ende seiner natürlichen Lebenszeit erreicht hätte und nicht langfristig erhaltenswert sei. Bei dem umzäunten Fichtenareal handele es sich weder um einen funktionalen Auwald, noch um einen öffentlich zugänglichen Erholungswald. Die Bezeichnung des Ortsteils Wehringen-Auwald sei historisch und bezeichne nicht den Charakter des heutigen Waldbestands der Planungsfläche. „Hier wird keine ökologisch langfristig erhaltenswerte Waldfläche für eine Gewerbefläche geopfert", so Nerlinger. Rund fünf Hektar an Ausgleichsflächen sind im rechtskräftigen Bebauungsplan festgesetzt, ein Teil davon sei schon umgesetzt.

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