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Fußball
31.10.2018

Autist im Fanpulk

Jason und sein Vater beim Stadionbesuch auf St. Pauli.
Foto: dpa

Trotz Asperger-Syndroms ist Jason mit seinem Vater als „Groundhopper“ unterwegs

Jason sagt, er habe „Krieg im Kopf“. Es seien so viele rasende Gedanken, dass, wenn man versuche sie zu ordnen, man nur scheitern könne. Jason ist Autist, er hat das Asperger-Syndrom. Und Jason ist Fußball-Fan. Er kann sich nicht für einen Verein entscheiden und muss deshalb erst mal alle sehen. Gemeinsam mit seinem Vater hat er in sechs Jahren etwa 90 Stadien besucht. „Wir Wochenendrebellen“, so heißt das bemerkenswerte Buch, das Mirco und Jason von Juterczenka aus Kassel geschrieben haben.

Es ist vielleicht das wahrhaftigste Buch über Fußball seit Nick Hornbys legendärem „Fever Pitch“ (Ballfieber). Weil die beiden keine Event-Zuschauer sind, weil der heute so verbreitete Star-Kult keine Rolle spielt. Und vor allem weil Jason, inzwischen 13 Jahre alt, einen verblüffenden Blick auf den Fußball und seine Fans hat. Wieso gibt man nicht jedem einen Ball? Warum gibt es nur eine Halbzeit und keine Vollzeit? Wie groß sind die Löcher im Tornetz? Diese Fragen stellte Jason mit fünf. Und das mit dem Lieblingsklub ist so eine Sache: „Kann man einfach immer am Schluss des Spiels für den Gewinner sein?“

Für ihren Blog haben die beiden im vergangenen Jahr den Grimme-Online-Award erhalten. Die „Wochenendrebellen“ standen dieses Jahr bei der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur auf der Liste der besten Bücher des Jahres. Mit dem Erlös des Werkes unterstützen die von Juterczenkas die Neven-Subotic-Stiftung. „Wir touren durch die Stadien, weil ich dem Sohn damals versprach, er könne sich alle Fußballvereine erst einmal live im jeweiligen Stadion anschauen, bevor er sich entscheidet, welcher Klub sein persönlicher Lieblingsverein sein soll“, sagt der Vater. „Und heute, knappe sechs Jahre später, sind wir in der eigentlichen Kernfrage auch kein Stück weitergekommen. Das hat mich zu einem sehr glücklichen Menschen gemacht.“

Sein Filius hat einen ausgeprägten Regelzwang, das macht viele Dinge schwierig. Zum Beispiel dürfen sich einzelne Bestandteile des Mittagessens nicht berühren – was im ICE-Restaurant schon mal zu einem Eklat führen kann. Zum allerersten Spiel ging es zum TSV 1860 München in die Allianz-Arena. Beim „Groundhopping mit Asperger“, wie es in dem Blog der beiden heißt, folgten unzählige Stadien. „DFB-Pokal, Champions League, Relegationsspiele, Abschiedsspiele. Wir nehmen mit, was kommt und ein Ende ist nicht in Sicht“, schreibt Vater Juterczenka. (dpa)

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