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Ski-WM 2021

23.02.2021

Ski-WM: Die beste deutsche Skispringerin auf der Spur des richtigen Gefühls

„Es ist ein komplexes System, das stimmen muss, damit ein Flug weit geht“, sagt Katharina Althaus.
Bild: imago

Plus Vorzeigeathletin Katharina Althaus beschreibt das fragile Flugsystem, dem Sportler in der Luft ausgesetzt sind. Die 24-Jährige über Automatismen und detaillierte Fehlersuche.

Es bleibt eine Frage des Gefühls. Und Katharina Althaus ist derzeit auf der Suche nach dem kleinsten Detail. Deutschlands Vorzeigespringerin kämpft – wie die gesamte Nationalmannschaft der Frauen – vor den ersten Medaillenentscheidungen bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf um den Anschluss an die absolute Weltspitze. Denn wenn die Skispringerinnen am Mittwoch ab 18 Uhr in die Qualifikation für den Auftaktwettkampf zu den Titelwettkämpfen am Donnerstag (ab 17 Uhr) starten, gehören die Athletinnen von Bundestrainer Andreas Bauer nicht zu den Titelanwärterinnen. „Wir haben nach wie vor einen zähen Rhythmus, kommen nicht ganz rein in die Saison, weil wir viele Pausen hatten“, sagt Katharina Althaus. „Aber ich spüre, jetzt wo die Wettkämpfe kommen, dass es Stück für Stück nach vorne geht.“

Olympische Silbermedaille für Althaus in Pyeongchang

Als Gesamt-Weltcup-Zehnte ist Althaus sogar noch die deutsche Vorspringerin in diesem besonderen Winter, der in ihrem „Wohnzimmer“ seinen sportlichen Höhepunkt finden soll. Sprang die Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Winterspiele von Pyeongchang im Winter 2019 noch 18 Mal auf das Podest bei einem Weltcup, waren es in der vergangenen Saison nur noch zwei Top-Drei-Ränge – in der laufenden wartet die 24-Jährige vom Skiclub Oberstdorf gar noch auf einen Rang auf dem Podium bei einem Weltcup.

Althaus investiert immense Zeit ins Training

Die Gründe dafür zu finden – darin investiert die achtfache deutsche Meisterin seit Wochen immense Zeit. „Es ist derzeit von allem ein bisschen was – von der Technik her treffe ich den Absprung in Sachen Timing an der Kante oft noch ein bisschen zu spät. Das Feingefühl fehlt automatisch auch im Flug ein wenig, wenn man schon beim Absprung zu spät ist, und entsprechend kommt man gar nicht erst richtig ins Gleiten“, beschreibt Althaus ihre derzeitigen Schwierigkeiten. „Im Gefühl macht sich das so bemerkbar, als müsste man in der Luft darauf warten, ob man mit dem Schwerpunkt noch drüberkommt oder nicht.“

Katharina Althaus ist die beste deutsche Skispringerin und die große Hoffnung im Frauenteam bei der Weltmeisterschaft in Oberstdorf.
Bild: Ralf Lienert

Beim Training auf den Heimschanzen in der letzten Woche vor der WM und auf einem abschließenden Lehrgang in Garmisch-Partenkirchen sollte sich die Mannschaft den letzten Feinschliff holen. Dieses so wichtige Fluggefühl zurückholen. Dieses fragile Konstrukt, das den Athleten vom Abdrücken am Balken über den Absprung und den Sieben-Sekunden-Flug sicher bis zur Landung tragen soll, ist diffizil. Komplex. „Manchmal hat man keine Erklärung dafür, dass es läuft, aber ebenso keine, wenn es hakt. Gefährlich wird es aber erst, wenn der Kopf anfängt zu denken und man nur noch schwer einen Weg oder einen Zugang findet“, sagt Althaus. „Man spürt diese Dinge, wenn Abläufe nicht mehr so selbstverständlich sind und schon kleine Fehler das Gefühl unheimlich beeinflussen.“ Die äußeren Umstände – abgesehen von den Beeinträchtigungen durch die Pandemie – seien im Vergleich zu den von Erfolg gekrönten Vorjahren dabei unverändert, wie die 24-Jährige bestätigt. Die Trainingsmethoden habe man nicht umgestellt, alle Fitnesswerte seien besser, körperlich sei sie stärker, das Gewicht habe sogar abgenommen, die Sprunggeschwindigkeit zugenommen. All diese Faktoren erschweren entsprechend die Ursachenforschung kurz vor der WM.

Skispringerin Althaus will Druck in Vorfreude ummünzen

„Mit Blick auf die WM sind die Abstände nach vorne kürzer geworden und das macht mich optimistisch. Aber ehrlich, es ist zäh, wenn man immer wieder anklopft, es aber nicht ganz für die Spitze reicht“, gesteht Althaus, wohl wissend, dass in diesem sensiblen Geflecht aus Springen und Springenlassen ein „Erzwingenwollen“ die denkbar schlechteste Idee ist. „Gerade für die WM zu Hause ist es wichtig, den Druck in Vorfreude umzumünzen“, sagt Katharina Althaus. „Ich versuche, nicht zu sehen, was ich liefern muss, sondern zu zeigen, was ich liefern kann. Auf meiner Schanze bin ich x-mal gesprungen. Da sollte das Gefühl stimmen.“

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