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Skispringen

23.11.2018

Wie sich Severin Freund zurückgekämpft hat

Severin Freund feiert am kommenden Wochenende in Kuusamo sein Comeback.
Bild: Daniel Karmann

Er war Deutschlands bester Skispringer, dann musste Severin Freund zwei Jahre pausieren. Vor seinem Comeback hat sich viel verändert, Hoffnung macht ihm die Rückkehr auf eine ganz besondere Schanze

„Ein Freund, ein guter Freund / das ist das Beste, was es gibt auf der Welt / Ein Freund bleibt immer Freund / auch wenn die ganze Welt zusammenfällt.“

Die Definition von Freundschaft, die das Vokalensemble Comedian Harmonists 1930 so euphorisch intonierte, sie könnte auch als „starker emotionaler Joker“ zusammengefasst werden – eine Begrifflichkeit, die jüngst Werner Schuster über die Lippen kam. Bloß sprach der Bundestrainer der deutschen Skispringer dabei von keiner Bezugsperson aus Fleisch und Blut, sondern einem Koloss aus Stahl und Beton: Die Schanze von Kuusamo. Sie soll Severin Freund, einem von Schusters Schützlingen, an diesem Wochenende zum positiven Neustart verhelfen, ihm Stütze sein. Wieder einmal.

Ein sensationelles Comeback - dann beginnt der nächstes Leidensweg

Vor fast genau zwei Jahren feiert Freund ebendort, in Finnland, nahe des Polarkreises, eines der bemerkenswertesten Comebacks der jüngeren Skisprung-Geschichte. Gerade von den Folgen einer Hüftoperation erholt, springt Freund am 26. November 2016 sensationell zum 22. Weltcup-Erfolg seiner Karriere – sein bis dato letzter. Kurz darauf beginnt der nächste Leidensweg.

Im Januar 2017 verletzt sich Freund schwer, das rechte Kreuzband reißt. Er kämpft sich zurück, doch sechs Monate später ereilt ihn dieselbe Verletzung. Der Olympiasieger, Weltmeister und Gesamtweltcup-Sieger ist zur Pause gezwungen. Es folgen Operationen, Rehas, Quälerei im Kraftraum. Dazu die Ohnmacht aus der Ferne, während sich andere, Jüngere, Titelkämpfe liefern, in denen er bislang selbst Protagonist war. Ein Albtraum für jeden Sportler, den extrem ehrgeizigen Freund ganz besonders.

In der Verletzungspause schließt Freund sein Studium ab - und wird Vater

Doch der heute 30-Jährige nutzt die sportliche Zwangspause zur privaten Weichenstellung. Um für die Karriere nach der Karriere vorzusorgen, schreibt er seine Bachelorarbeit im Fach Internationales Management. Gleichzeitig gründet er mit Ehefrau Caren, die er seit gemeinsamen Tagen am Berchtesgadener Gymnasium für angehende Elitesportler kennt und 2016 heiratet, eine Familie. Anfang Oktober diesen Jahres kommt Tochter Johanna auf die Welt. Ein Moment, der ihm zeigt, „was wirklich zählt“, wie er in den sozialen Medien stolz kundtut. An Bodenhaftung mangelt es dem Überflieger ohnehin nicht, der Niederbayer kümmert sich seit Jahren um soziale Projekte, insbesondere während seiner Verletzung.

Vor dem Comeback: Freunds Team hat sich emanzipiert

Mit den Jahreszeiten und fortschreitender Genesung ändern sich nun aber auch allmählich wieder die Prioritäten. Der Winter naht und damit die nächste Saison, der nächste Konkurrenzkampf um Plätze im starken deutschen Skisprung-Kader. Der Rest des jungen Teams hat sich von der einstigen Gallionsfigur Freund inzwischen emanzipiert, allen voran der 23-jährige Einzel-Olympiasieger Andreas Wellinger. Freund gibt sich vor seinem Comeback in Kuusamo aber betont entspannt. Schließlich geht es nur zu einem alten Freund.

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