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FC Augsburg

03.03.2020

Mit Philipp Max in der Kältekammer: Erholung bei minus 110 Grad

Philipp Max verlässt nach drei Minuten die Kältekammer. Die eisigen Temperaturen regen den Stoffwechsel ein.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Philipp Max regeneriert sich in der Kältekammer. Der FCA-Profi ist von dieser Reha-Maßnahme so überzeugt, dass er daraus ein Geschäftsmodell gemacht hat.

Natürlich ist es kalt, sehr kalt. Und es wird gleich noch kälter. Aber von vorne. Diese Geschichte beginnt mit Philipp Max – Bundesliga-Profi beim FC Augsburg und seit kurzem auch Unternehmer. Im Sheridan-Park betreibt er zusammen mit seiner Frau Annabell-Lee eine Ganzkörperkältetherapiekammer. Sportlern hilft sie, schneller zu regenerieren und gleichzeitig die Leistung zu steigern. Die Kälte soll zudem Schmerzen und Entzündungen im Körper reduzieren. Die Haut wird gestrafft, der Stoffwechsel angekurbelt, das Immunsystem gestärkt. Zusätzlich steigt der Kalorienverbrauch durch die extreme Energie, die vom Körper für das Wiedererwärmen der Haut nach der Kältetherapie benötigt wird. „Sie fühlen sich beweglicher, belastbarer, entspannter und leistungsfähiger“, verspricht Cryoboost, so der Name des Unternehmens, auf seiner Homepage.

-107 Grad steht auf der Anzeige außen an der Kältekammer.
Bild: Ulrich Wagner

Sicher ist: In der kleinen Kammer ist es kälter als in der Arktis. Die einzige Fensterscheibe ist sechsfach verglast. Von außen fühlt sie sich angenehm warm an. Auf der Innenseite herrschen bis zu minus 110 Grad und null Prozent Luftfeuchtigkeit. Wer in die Kältekammer geht, ist allerdings nicht entsprechend den Temperaturen angezogen. Stirnband oder Mütze, Handschuhe, Socken, feste Schuhe und ein Mundschutz. Der Rest des Körpers ist dem Frost ausgesetzt. Nur so kann die Kälte optimal wirken.

Der Atem stockt, die Haut kribbelt

Für Max ist das Routine. Zweimal die Woche, je drei Minuten. „Es hilft mir, mich schneller zu regenerieren. Ich fühle mich danach richtig gut“, sagt der 26-Jährige. Er zieht den Schal über Ohren, Mund und Nase, öffnet die erste Türe und sagt: „Auf geht’s...“. Die Vorkammer, ist zur Eingewöhnung auf angenehme minus 60 Grad abgekühlt. Der Atem stockt. Die Haut kribbelt. Der Puls steigt. 30 Sekunden später öffnet Max die Schleuse in die eigentliche Kältekammer. Ein Schritt und die Temperatur sinkt noch einmal auf rund minus 110 Grad. Max schließt die Türe. Ab jetzt läuft die Uhr.

„Ich finde es extrem spannend, mich mit den Menschen nach der Behandlung zu unterhalten. Die meisten sagen, dass sie sich fitter, agiler und auch entspannter fühlen“, sagt Max. Vor zwei Jahren hatte er zum ersten Mal eine Kältekammer gesehen. Eine mobile Variante gastierte am FCA-Trainingsgelände. „Wir konnten das austesten und ich habe mich danach super erholt gefühlt. Ich habe dann geschaut, ob es so etwas in Augsburg gibt. Gab es nicht und da kam eben die Idee auf, so etwas zu machen.“ Zusammen mit seiner Frau sammelte Max Informationen und setzte die Idee in die Tat um. Seit Mitte Januar ist Cryoboost im Sheridan-Park für jedermann geöffnet. Wer es testen möchte, muss 25,95 Euro zahlen. „Ich wollte schon immer mehr machen, als nur Fußballprofi zu sein. Die Kältekammer ist etwas cooles, innovatives. Ich kann Menschen helfen, die Schmerzen haben – und ich kann das alles sogar noch perfekt mit dem Fußball verbinden.“

Philipp Max in der Kältekammer.
Bild: Ulrich Wagner

In der Kammer laufen wir eineinhalb Minuten links herum, dann eineinhalb Minuten in die andere Richtung. Da die Luft in der Kammer trocken ist, wird die Kälte nicht als so extrem wahrgenommen wie sie ist. Musik läuft über einen Lautsprecher, unterbrochen nur von René Winkler, der über ein Mikrofon alle 30 Sekunden die Zeit durchgibt und sich nach dem Befinden der Kunden erkundigt. Drei Minuten können lang werden. Jeder Atemzug dampft. Die Haut kühlt sich innerhalb einer Minute auf fünf Grad ab. Der Körper schaltet in den Überlebensmodus und konzentriert sich darauf, seinen Kern warm zu halten. Jetzt beginnen all die Prozesse, die der Gesundheit zuträglich sein sollen. Außerdem werden körpereigene Morphine ausgeschüttet. Davon ist jetzt aber noch nichts zu merken. Es ist zu kalt.

Auch der FC Bayern hat seine Kältekammer

„Noch 30 Sekunden“, sagt Winkler von draußen. Der Sohn des ehemaligen Löwen-Stürmers Bernhard Winkler leitet die Geschäfte von Cryoboost und ist gleichzeitig Max’ Trauzeuge. Er zählt die letzten zehn Sekunden herunter. Vorbei. Max öffnet die Türe. Herrlich, nur noch minus 60 Grad. Dann geht die Glastür in den Vorraum auf. Sofort bilden sich Dampfwolken, als die kalte auf die warme Luft trifft.

Der Körper reagiert etwas langsamer. Die Haut wird stark durchblutet und rötet sich. Jetzt machen sich auch die Morphine bemerkbar. Der Körper freut sich, dass er dem „Kältetod“ entkommen ist. Die Laune steigt. Vor allem, als Max fragt, wer einen heißen Tee mit Honig will. Ob es den auch beim FC Bayern – dort spielt Max mit seinen Kollegen am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) – gibt, ist nicht bekannt. Bekannt ist nur, dass der deutsche Meister schon seit 2015 eine eigene Kältekammer besitzt. Der Verein erfüllte seinem damaligen Trainer Pep Guardiola einen Wunsch. Die Kammer ist Teil eines Reha-Programms, um muskuläre Blessuren zu bekämpfen und Verletzungen vorzubeugen.

Philipp Max mit Sportredakteur Andreas Kornes.
Bild: Ulrich Wagner

Im Leistungssport ist die Kälte-Therapie weit verbreitet. Natürlich nutzen die Profis des FCA das Angebot ihres Kollegen. Aber auch Schwimm-Olympiasieger Adam Peaty aus Großbritannien geht regelmäßig in die Kältekammer. Die Basketballer von Brose Bamberg haben seit einiger Zeit eine Kryosauna. Dort stehen die Sportler bis zum Hals in einem Kältenebel aus flüssigem Stickstoff. Der Effekt ist nicht ganz vergleichbar, die Sportler berichten aber auch hier von einer schnellen Regeneration, weniger Muskelverletzungen und einem besseren Gefühl nach Trainingseinheiten. Wissenschaftlich bewiesen ist das alles (noch) nicht. Es gibt zwar Studien, die sind aber angesichts sehr kleiner Teilnehmerzahlen nicht besonders aussagekräftig.

Zehn Minuten nach der Rückkehr ins Warme hat sich der Körper wieder eingependelt. „In den kommenden Stunden werden 500 bis 800 Kalorien verbrannt“, sagt Winkler. Leistungssportler fühlen sich jetzt erholt. Wer nicht viel Sport macht, muss erst die Belastung verarbeiten, denen der Körper ausgesetzt war.

Lesen Sie dazu auch: Ab der Saison 2020/21: Neue Anstoßzeiten in der Bundesliga

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04.03.2020

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