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EM 2016
24.06.2016

Das ist die Erfolgsgeschichte des Joshua Kimmich

Beim FC Bayern hat sich Joshua Kimmich in dieser Saison durchgesetzt. Das honoriert Löw mit dessen Einsatz bei der EM.
Foto: Guido Kirchner/dpa/Archiv

Der 21-jährige Kimmich vom FC Bayern München gibt bei der EM sein Debüt - und überzeugt. Möglicherweise springt er am Sonntag gegen die Slowakei für Boateng ein.

In Zukunft drehen sich mehr Menschen nach Joshua Kimmich um. Bisher kann der 21-Jährige recht unerkannt durch München gehen, berichtet er. Das zumindest ändert sich nach der Europameisterschaft. Kimmich hat gegen Nordirland sein erstes Pflichtspiel für die deutsche Nationalmannschaft bestritten, sein zweites folgt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Sonntag im Achtelfinale gegen die Slowakei folgen. Dann wird er wieder über die rechte Seite das Spiel ankurbeln und rund 30 Millionen Zuschauern fühlen sich an Philipp Lahm erinnert.

Der agierte in jungen Jahren ähnlich unaufgeregt. Lahm war es auch, der Kimmich eine SMS schrieb und ihm zu seiner Leistung gegen Nordirland gratulierte. Dass der Defensivallrounder deswegen seine Bodenhaftung verliert, ist unwahrscheinlich. Zusammen mit seiner jüngeren Schwester Deborah wohnt er in einer WG in München. Während sie studiert, trainiert er zusammen mit Thomas Müller, Robert Lewandowski und Manuel Neuer. Mutter Anja ruft häufig an, um dem Sohn am Herd zu helfen. Schließlich soll es nicht jeden Tag Nudeln mit Tomatensauce geben. Bevor er seine Profikarriere startete, legte er sein Abitur mit 1,7 ab., konnte sich auch ein BWL-Studium vorstellen.

Im vergangenen Jahr aber überwiesen die Bayern rund sieben Millionen an den VfB Stuttgart. Sieben Millionen für einen 20-Jährigen, der gerade einmal ein Jahr in der Zweiten Liga gekickt hat. Unverantwortlich viel Geld für ein Talent. Heute gelten nicht mehr die Bayern als verrückt, weil sie das Geld gen Stuttgart überwiesen, sondern der VfB, weil er Kimmich ziehen ließ. Zuvor hatten die Schwaben ihn ja schon an RB Leipzig ausgeliehen, weil sie keine Verwendung für ihn hatten.

Gurdiola: "Wie ein Sohn für mich"

Kimmich entwickelte sich formidabel. Das erste Jahr in München war als reines Lehrjahr gedacht. Ein wenig bei den großen Meistern Xabi Alonso und Thiago lernen, sich das ein oder andere abschauen. So lief es dann auch hauptsächlich in der Vorrunde. Sein zweites Bundesligaspiel von Beginn an bestritt er im November - gegen Stuttgart. Die Bayern gewannen 4:0 und anschließend trug VfB-Trainer Alex Zorniger seinen Hang zum offenen Wort offen zur Schau. Er würde "gerne jeden erschlagen, der an dieser Entscheidung beteiligt war", umschrieb er seine Gefühlslage bezüglich des Weggangs von Kimmich. Der lernte immer schneller. War eigentlich als Mittelfeldspieler eingeplant worden, spielte dann aber auch rechter Verteidiger und als die Not besonders groß war in der Defensivzentrale. Kimmich machte das auffällig unauffällig, fügte sich einfach in das Kombinationsspiel der Bayern an und Pep Guardiola entwickelte väterliche Gefühle. "Er ist wie ein Sohn für mich", sagte er über Kimmich.

Der Zögling bekam das Vertrauen gegen Juventus und gegen Dortmund, stand im Pokalfinale 120 Minuten auf dem Platz. Die Berufung in den EM-Kader überraschte kaum mehr. Wie abgeklärt er dann auch gegen die Nordiren agierte, wunderte zumindest Manuel Neuer nicht: "Ich weiß, wie cool Joshua ist und dass er die Aufgabe gut lösen kann." Kimmich gibt die Blumen an den Torwart sofort wieder zurück. Schließlich könne man von Neuer viel lernen. Lediglich die Niederlage im Tennisduell gegen den Keeper am trainingsfreien Donnerstag habe ihm nicht so gefallen. Was er auch nicht mag, ist die falsche Aussprache seines Namens. Das "h" in seinem Namen sei lediglich aus optischen Gründen in den Ausweis gerutscht, gerufen möchte er aber Josua werden.

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Vertritt Kimmich Boateng am Sonntag?

Sollte er zusammen mit der Mannschaft am Sonntag erfolgreich sein, verdient er bei dieser Europameisterschaft erstmals auch Geld. Der Einzug ins Viertelfinale würde 50.000 Euro bringen. Bei einem vorzeitigen Aus, müsste der DFB keine Prämie zahlen - beim Titelgewinn hingegen 300.000 Euro pro Spieler.

Offen ist noch, ob Jerome Boateng gegen die Slowakei mithelfen kann, die ersten 50.000 Euro zu verdienen. Das Mannschaftstraining am Freitag musste er noch ausfallen lassen. Seine Wadenprobleme ließen lediglich eine Laufeinheit zu. Ob er spielen kann, entscheidet sich erst nach dem Abschlusstraining am Samstag. Falls es nicht reichen sollte: Kimmich hat Boateng auch schon beim FC Bayern vertreten.

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