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EM 2016
15.06.2016

Die EM der späten Tore

Bastian Schweinsteiger traf für Deutschland gegen die Ukraine in der Nachspielzeit - und folgte damit dem Trend bei der EM 2016.
Foto: Laurent Dubrule, dpa

Bei der EM 2016 geht der Trend bisher zu Spielen mit wenigen und späten Treffern. Ist das nur Zufall? Oder lässt sich das anders erklären?

Was lange währt, wird endlich gut. Zumindest manchmal. Zumindest bei dieser Europameisterschaft. Bis zum gestrigen Tag verwöhnte der kontinentale Titelkampf die Zuschauer ja nicht gerade mit zahlreichen Toren. Wenn die Treffer dann aber doch fielen, so schlug es auffallend oft in der Schlussphase der Partien ein.

Die deutsche Mannschaft liegt somit vollkommen im Trend. Dem Team gelangen gerade mal zwei Treffer, jener zum 2:0-Endstand fiel erst nach einem beherzten Sprint von Bastian Schweinsteiger in der Nachspielzeit. Noch wichtiger waren für die Franzosen und Spanier ihre Treffer in der Schlussphase. Ansonsten hätten sie sich zum Turnierauftakt mit einem Remis begnügen müssen. Berti Vogts scheint so späte Ehre zuteilzuwerden.

Der ehemalige Bundestrainer hatte ja bereits vor 20 Jahren gesagt, dass es im Weltfußball keine Kleinen mehr gebe. Was die Fakten belegen, unterstreicht Shkodran Mustafi verbal. „Hier nehmen nur Mannschaften teil, die sich in der Qualifikation durchgesetzt haben. Da gibt es keine leichten Spiele“, so der Innenverteidiger.

Nur Deutschland und Italien schossen bisher zwei Tore

Allein mit konditionellen Vorteilen lässt sich die Flut später Tore aber auch nicht erklären. Wie kämen sonst die alten Italiener dazu, den jugendlichen Belgier in der Nachspielzeit den Auftakt endgültig zu vermiesen? Das 2:0 der Squadra Azzura war erst die zweite Partie, in der am Ende beide Mannschaften mehr als ein Tor trennte. Die deutsche Mannschaft war das erste Team, dem diese bisherige Seltenheit gelang.

Letztlich blieben bislang die großen Überraschungen aber doch noch aus. Wenn Spiele in der Schlussphase entschieden wurden, dann zugunsten des Favoriten, was wiederum die These bestätigt, wonach sich Qualität irgendwann eben doch durchsetzt. Was schlicht auch damit zu tun hat, dass etliche Nationen auf der Torwartposition mit Qualitätsproblemen zu kämpfen haben.

Sowohl der rumänische als auch der albanische, slowakische, russische und türkische Schlussmann begünstigten mit eigentümlichen Patzern Gegentore. Stellen wir uns nun allerdings vor, dass jede Nationalmannschaft einen Torwart vom Format eines Manuel Neuer zwischen den Pfosten stehen hätte, würden wohl noch weniger Tore fallen. Und irgendwann verlöre ja dann auch das x-te Elfmeterschießen nach dem x-ten torlosen Unentschieden an Reiz.

So gesehen ist es von Vorteil, dass andere Länder ganz offensichtlich nicht so viel Aufwand bei der Ausbildung ihrer Torhüter betreiben. Ansonsten würden noch weniger Treffer bei dieser Europameisterschaft fallen. Tilmann Mehl

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