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Transfermarkt

14.08.2019

Wie horrende Ablösesummen in der Bundesliga normal geworden sind

Er hat weit mehr als zehn Millionen gekostet. Der teuerste Transfer des Sommers - und der Bundesliga-Geschichte: Lucas Hernandez.
Bild: Matthias Balk, dpa

Plus Die Bundesliga hat sich bereits 20 Spieler geleistet, die eine achtstellige Ablöse gekostet haben. Der Transfermarkt kennt kaum noch Hemmungen.

Max Eberl erinnert sich zwar nicht mit Wehmut, aber mit Erheiterung an seine Anfänge nach der aktiven Karriere zurück. Bevor der gebürtige Niederbayer vor knapp elf Jahren den Posten des Sportdirektors bei Borussia Mönchengladbach übernahm – und zu einem der versiertesten Manager der Bundesliga aufstieg – hatte Eberl als Nachwuchskoordinator am Niederrhein gearbeitet. Unschätzbare Erfahrungen, wie der 45-Jährige sagt, "alles eine Nummer kleiner – und ein paar Nullen weniger". Mittlerweile ist Mönchengladbachs Manager nahezu gezwungen, die schwindelerregende Preistreiberei im Profifußball mitzumachen, will die Fohlenelf nicht national und international den Anschluss verpassen.

Eberl stellt gravierende Veränderungen fest. "Die Zahlen sind in den vergangenen fünf, sechs, sieben Jahren viel größer geworden", sagte er kürzlich bei einer Gesprächsrunde mit dem Fachmagazin Kicker. Heutzutage würden die Verhandlungen ganz anders geführt als früher. Ein Beispiel: "Ein Spieler mit noch einem Jahr Vertrag, der könnte fünf Millionen kosten. Der Berater sagt auch: Für fünf müsste man das hinkriegen. Und der abgebende Verein sagt dann: Wir wollen 15 Millionen. Dann sind es statt drei auf einmal zehn Millionen Unterschied." Heraus kommt dann, was in der Bundesliga fast schon die Regel geworden: eine achtstellige Ablösesumme.

Über 20 Spieler haben im Sommer 10 Millionen oder mehr gekostet

In der aktuellen Transferperiode haben aktuell allein 20 Spieler mehr als zehn Millionen gekostet. Die Preistreiberei treibt immer wildere Blüten. Der österreichische Nationalspieler Xaver Schlager kostet den VfL Wolfsburg mal eben 15 Millionen Euro. Eine vergleichbare Summe blätterte Bayer Leverkusen dem Vernehmen nach für das französische Talent Moussa Diaby hin. Und für den dänischen U21-Nationalspieler Robert Skov bezahlte die TSG Hoffenheim klaglos auch rund zehn Millionen. Wohlgemerkt nicht für die Spieler aus dem oberen Regal des Sortiments.

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Schon vor Jahren warnte Heribert Bruchhagen, damals noch Vorstandschef bei Eintracht Frankfurt, vor einer solchen Entwicklung mit dem prägenden Satz: "Die Flut hebt alle Boote." Damit war auch das Boot der Spielergehälter gemeint, da die Marktwerte der Spieler bei einem Transfer erheblich steigen. Von den vor allem über die Medienerlöse generierten Mehreinnahmen profitieren in erster Linie die Akteure und deren Agenten.

Als die Deutsche Fußball-Liga (DFL) im Frühjahr die Finanzkennzahlen der Bundesliga aus der Saison 2017/2018 bzw. dem Kalenderjahr 2018 offenlegte, waren darin auch die Auszahlungen für Spielerberater darin enthalten. Summa summarum flossen 205 Millionen Euro an die Vermittlerdienste. Der Jahresumsatz eines gehobenen Erstligisten. Geht’s noch? Die Verteuerung mündet naturgemäß nicht ad hoc in eine sportliche Verbesserung.

Vor der Saison 2012/2013, als sich Bayern München und Borussia Dortmund im Champions-League-Finale von Wembley begegneten und mit der deutschen Dominanz einen Vorboten für den WM-Triumph 2014 aussandten, leistete sich die Liga gerade einmal sechs Transfers für einen zweistelligen Millionenbetrag, der Vereinen wie Werder Bremen oder Eintracht Frankfurt als unüberwindbare Schallmauer erschien. Teuerster Deal vor sieben Jahren: Der Wechsel von Javier Martinez zum FC Bayern für 40 Millionen Euro. Damals neue Rekordablöse.

Transfersummen im Fußball: 80 Millionen gelten als handelsüblich

Heute gelten die 80 Millionen, die der Branchenführer für Weltmeister Lucas Hernandez ausgab, gemessen an internationalen Maßstäben als handelsüblich. Landsmann Benjamin Pavard war mit einem 35-Millionen-Preisschild versehen. Borussia Dortmund blättert dreimal je rund 25 Millionen Euro hin, um sich mit Thorgan Hazard, Nico Schulz und Julian Brandt auf den Flügeln zu verstärken. Auch Mats Hummels, obwohl mit 30 Jahren kein aktueller Nationalspieler mehr, war für den BVB noch mehr als 30 Millionen Euro teuer.

Die Bosse Karl-Heinz Rummenigge (Bayern) und Hans-Joachim Watzke (BVB) haben sich das Wehklagen fast abgewöhnt. Im Umkehrschluss profitieren deutsche Vereine bei Verkäufen ja auch von opulenten Summen, die vor allem aus der englischen Premier League in den Markt gepumpt werden. Aber am Ende der Nahrungskette lauern die Global Player und die meisten englischen Vereine. Nur fressen die Großen die Kleinen jetzt immer schneller.

Fußball-Bundesligisten haben in diesem Sommer fast 700 Millionen ausgegeben

Die Bundesliga wirtschaftet inzwischen grundsätzlich mit viel Augenmaß und hat nach aktuellem Stand laut dem Portal transfermarkt.de rund 685 Millionen Euro für Einkäufe ausgegeben und für  Verkäufe rund 520 Millionen eingenommen. Im letzten DFL-Wirtschaftsreport für 2017/2018 machten Transfers bei den Erlösen 645,5 Millionen Euro aus, der Anteil war größer als die Zuschauereinnahmen. Neue Spieler kosteten 839 Millionen Euro (22,6 Prozent der Ausgaben).

Noch können bis zur Schließung des Transferfensters in mehr als zwei Woche diese Rekordmarken fallen. Eberl hat am Mittwoch vom französischen Pokalsieger Stade Rennes den Linksverteidiger Ramy Bensebaini (anstatt des FCA-Verteidigers Philipp Max) verpflichtet. Der 24 Jahre alte algerische Nationalspieler soll angeblich rund neun Millionen Euro gekostet haben. Heutzutage fast der normale Anschaffungspreis für einen Durchschnittsprofi mit ein bisschen Entwicklungspotenzial.

Lust auf noch mehr Fußball? Dann hören Sie sich hier unseren Podcast mit FCA-Kapitän Daniel Baier an:

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