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Eine kuriose Basketball-Geschichte

Kommentar Von Milan Sako
05.05.2022

Haarige Angelegenheit: Nur weil er sich nicht rasieren wollte, ist ein Schiedsrichter in der Euroleague nicht mehr berücksichtigt worden.

Eines schon mal vorab: Die Geschichte ist haarig und hat soooo einen Bart. Außerdem muss man sich wundern ob der Unverfrorenheit oder auch Ignoranz mancher Sport-Funktionäre im Jahr 2022 nach Christus.

Eishockey-Trainer Zach schickte Spieler zum Friseur

Über üppige Gesichtsbehaarung sollten wir heute nicht mehr diskutieren. In den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts galt es noch als revolutionär oder aufrührerisch, wenn die Keratinfäden auf dem Kopf und im Gesicht ungezügelt sprießten. Gängiger Spott des Establishments: lange Haare, kurzer Verstand. Im Eishockey schickte ein kerniger Urbayer namens Hans Zach (Spitzname nicht umsonst: der Alpen-Vulkan), später auch höchst erfolgreicher Bundestrainer, jeden der Burschen erst mal zum Friseur, wenn die Matte unter dem Helm hervorquoll. Rauschebärte der Marke Rübezahl – ebenfalls ein Ding der Unmöglichkeit.

Ausgeschlossen: Bundesliga-Schiedsrichter mit Bart.
Foto: imago images

Die Zeiten gehören glücklicherweise der Vergangenheit an. Bis ein österreichischer Travestiekünstler mit Wallewalle-Mähne und Stoppeln im Gesicht erneut für Aufruhr in deutschen Wohnzimmern sorgte. Auch an Conchita Wurst haben wir uns gewöhnt. Sollte man meinen. Doch nun hat ein deutscher Basketball-Schiedsrichter keine Spiele mehr zugeteilt bekommen, weil er – unerhört, unglaublich, widerlich – einen Bart trägt. Erst rasieren, dann pfeifen, wurde ihm unmissverständlich signalisiert.

Trainer mögen keine Schiri mit Bart

Das erzählte der 43-Jährige jetzt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dokumentierte den Vorfall mit Chatprotokollen. „Stokes erklärte mir, dass Headcoaches und Sportdirektoren Bärte nicht mögen und sich darüber beschweren würden“, sagte der Ausgeschlossene mit Bezug auf Richard Stokes, den Schiedsrichter-Chef der Euroleague. In Europas höchster Basketball-Klubliga kam der Referee, der in der Bundesliga über 500 Partien geleitet hat, fortan nicht mehr zum Einsatz. Ein klarer Fall von Diskriminierung.

Der Schiedsrichter schaltete Juristen ein und drohte, an die Öffentlichkeit zu gehen. Es sei ihm nicht nur um ihn selbst gegangen, sondern auch darum, solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern. Sein Name ist, kein Witz: Benjamin Barth.

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