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Schwimmen: Florian Wellbrock ist ein Superstar, den nur wenige kennen

Schwimmen

Florian Wellbrock ist ein Superstar, den nur wenige kennen

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    Florian Wellbrock ist der größte deutsche Schwimmstar.
    Florian Wellbrock ist der größte deutsche Schwimmstar. Foto: Uncredited/AP, dpa

    Andere Zeiten. Andere Typen auch. Was für ein Rummel, als eine 14-Jährige zu vier Medaillen in Barcelona schwimmt. Später verspottet sie der Boulevard als Franzi van Speck, um sie kurz darauf für ihren 200 Meter-Weltrekord zu feiern. Franziska van Almsick war der erste gesamtdeutsche Sportstar. Sie vereinte Glamour und Tragik.

    Britta Steffen schwamm zu zwei olympischen Goldmedaillen, stand auch in der Öffentlichkeit, weil sie eine Beziehung mit dem damals besten deutschen Schwimmer führte, Paul Biedermann. Schwimmen war mal eine große Nummer in Deutschland. Der Albatros, natürlich. Die sechs Goldmedaillen von Kristin Otto 1988 in Seoul, selbstverständlich. Und nun schwimmt da einer, der in wenigen Jahren möglicherweise als einer der erfolgreichsten Athleten in die Ahnengalerie des deutschen Sports aufgenommen worden wird - und die Öffentlichkeit nimmt kaum Notiz von ihm.

    Am Mittwoch sollte die nächste Goldmedaille folgen

    Florian Wellbrock hat bei der Schwimm-Weltmeisterschaft in Budapest am Montag seine zweite Goldmedaille geholt. In seiner Karriere sammelte er bereits fünf Siege bei einer WM. Am Mittwoch kann Nummer fünf über seine Paradedisziplin folgen, die 10.000 Meter . Über diese Distanz kürte er sich im vergangenen Jahr zum Olympiasieger. Er war somit der erste männliche deutsche Schwimmer mit olympischen Gold seit Michael Groß 1988. Wellbrock ist 24 Jahre alt, die besten Jahre warten im Ausdauerbereich somit noch auf ihn. Selbst mit Mitte 30 sind noch Top-Leistungen möglich. Auf so einen Sportler hat der Deutsche Schwimm-Verband Jahrzehnte gewartet - die Erfolge Wellbrocks aber strahlen kaum aus.

    Wellbrock führt ein eher zurückgezogenes Leben, wohnt und trainiert in Magdeburg, wo er für sich optimale Bedingungen gefunden hat. Zu seiner sowieso schon starken Trainingsgruppe gehört derzeit auch der Ukrainer Mychajlo Romantschuk. Nachdem dessen letztes Trainingsbecken mit einer 50-Meter-Bahn kaputt gebombt wurde, holte ihn Wellbrock nach Magdeburg. Beide sind befreundet, Romantschuk holte in Budapest Silber über 800 Meter. In Magdeburg lebt Wellbrock zusammen mit seiner Frau Sarah, die unter ihrem Mädchennamen Köhler bei den Olympischen Spielen 2021 Bronze über 1500 Meter holte. Derzeit hat sie ihr Trainingspensum runtergefahren, um sich auf ihr Jura-Studium zu konzentrieren.

    Zwei Ausnahme-Schwimmer in einer Beziehung - und doch kaum Parallelen zu Britta Steffen und Paul Biedermann, deren Weg die Öffentlichkeit mit viel Anteilnahme verfolgte. Die Wellbrocks zieht es nicht in die erste Reihe. Sie fühlen sich wohl, wenn sie mit ihrer französischen Bulldogge Kojak um die Seen und Kanäle spazieren gehen. Es ist ein Leben für die Leistung. Im sportlichen bei Florian Wellbrock und in der Ausbildung bei seiner Frau.

    Der Weltklasse-Schwimmer hat dabei allerdings nicht das Gefühl, verzichten zu müssen. Plackerei und Konsequenz sind selbstbestimmtes Schicksal. "Wasser ist mein Ruhepol, es fühlt sich heimisch an", sagte er in einer Dokumentation des NDR. Dementsprechend befolgt er auch jene Tätowierung, die er auf seiner Brust trägt. "Genieß dein Leben ständig, du bist länger tot als lebendig", ziert eine Songzeile von Sido den Oberkörper.

    Wellbrocks Schwester starb im Alter von 13 Jahren

    Seine Freude im Wasser endete auch nicht, als seine Schwester im Alter von 13 Jahren starb. Florian Wellbrock war neun Jahre alt, als Franziska nach einem Wettkampf am Beckenrand zusammenbrach. Sämtliche Reanimationsversuche blieben erfolglos. Er wechselte später trotzdem auf die gleiche sportorientierte Schule, die auch seine Schwester bis zu ihrem Tod besucht hatte. Damals wohnte er noch bei seinen Eltern in Bremen. Mit 17 Jahren wechselte er schließlich nach Magdeburg in die Trainingsgruppe des jetzigen Bundestrainer Bernd Berkhahn nach Magdeburg. Zur Stadt Bremen hat er seitdem ein zwiespältiges Verhältnis. Zwar feierte er dort seine ersten Erfolge als Kind und Jugendlicher, erfuhr aber nicht die Unterstützung, die er sich für seinen weiteren Karriereweg gewünscht hatte. Nach dem Olympiasieg lehnte er auch deswegen eine Einladung aus dem Bremer Rathaus ab: "Da habe ich das Gefühl, dass sich Bremen mit mir schmücken möchte. Dabei hat mich Bremen nie in der Art unterstützt, wie es Magdeburg und Sachsen-Anhalt getan haben. Vom Land Bremen kam nie etwas", sagte Wellbrock dem Weser-Kurier.

    Ein Spitzen-Athlet mit einer klaren Haltung, dekoriert mit Goldmedaillen, liiert mit einer Leistungssportlerin - Wellbrock wird nicht mehr lange als unbekannter Star durchgehen.

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