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21.03.2015

Lauterbacher Bade-Spaß wird ernst

Die Sauna soll geschlossen werden – ein heißes Thema auch beim Faschingsumzug im vergangenen Februar.
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Die Sauna soll geschlossen werden – ein heißes Thema auch beim Faschingsumzug im vergangenen Februar.
Bild: Günther Herdin

Offensichtlich wird im Buttenwiesener Ortsteil seit 40 Jahren illegal geschwitzt und geplanscht. Bürgermeister auf der Suche nach Unterlagen

Den Buttenwiesener Bürgermeister Norbert Beutmüller treibt derzeit eine pikante Frage um: Wird das beliebte Freibad im Ortsteil Lauterbach, das dazugehörende Sportheim und die integrierte Sauna seit nahezu 40 Jahren illegal betrieben? Wenn ja, dann hat die Gemeinde ein Problem, dann müsste schnell gehandelt werden, ehe die Badegäste in der Sommersaison vor verschlossenen Türen stehen. Doch so weit soll es nicht kommen. Erzählen wir die Geschichte von vorne. Ausgerechnet die dampfenden Saunabrüder, die von überall her in der von der Gemeinde betriebenen Schwitzstube regelmäßig ihren Kreislauf ankurbeln, haben das Thema ins Rollen gebracht. Unzufriedenheit mit den hygienischen Zuständen der Sauna wurde laut, was schon im Jahr 2010 in einem Schreiben des damaligen Gemeinderats Hans Kaltner und der Wasserwacht – sie managt Sauna- und Badbetrieb – an die Gemeinde ausgedrückt wurde. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Situation einer Sanierung bedürfe, berichtet Bürgermeister Beutmüller.

2011 dann ein weiteres Schreiben von Seiten einiger Bürger, die die hygienischen Voraussetzungen in Sportheim und Bad anprangerten. Der Bauausschuss befasste sich mit dem Thema, Toiletten wurden renoviert, Schönheitsreparaturen vorgenommen. Dabei wurde auch festgestellt, dass man sich Gedanken über die hygienische Situation der Sauna machen müsse. Ende letzten Jahres tat dies der Hautpausschuss. Er kalkulierte die Kosten für eine Sauna-Sanierung und kam zu dem Ergebnis, dass die Verpflichtung zum gemeindlichen Saunabetrieb nicht mehr zu verantworten wäre. Der Beschluss des Ausschusses: In der Saison 2015/16 wird die Gemeinde die Sauna nicht mehr betreiben.

Ein Aufschrei ging durch die Schwitz-Gemeinde – Bürgermeister Beutmüller hatte schnell einen Einspruch von rund 30 Saunagängern auf dem Tisch. Auch im vergangenen Fasching war die Sauna ein Thema. Beim Lauterbacher Umzug wurde die Situation gehörig aufs Korn genommen. Das anfängliche Lachen über die gelungene Inszenierung der Situation blieb dem Bürgermeister aber bitter im Halse stecken. Er begann zu grübeln und sah sich jetzt „aufgrund der öffentlichen Reaktionen verpflichtet, mir das einmal genauer anzuschauen“, wie er sagt. Beutmüller recherchierte. Im gemeindlichen Bauamt gab es keine Unterlagen über die Entstehung des Sauna- und Badebetriebs, keine Bescheide auch im Landratsamt Dillingen. Die Akte Freibad war geschlossen und ans Staatsarchiv weitergeleitet, berichtet Beutmüller. Vergebens ließ der Bürgermeister nach einer baurechtlichen Genehmigung für den Betrieb von Freibad, Sauna und Sportheim forschen. „Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, wo ich weiß, dass es das alles eigentlich gar nicht gibt“,“ zieht Beutmüller den Schluss, dass die Gemeinde die Freizeitanlagen ohne Genehmigung gar nicht betreiben dürfe. Beutmüller denkt noch weiter: „Was ist, wenn dort etwas passiert, wer haftet?“. Dies wolle er als Bürgermeister nicht verantworten.

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Also hat er das Thema auf die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am 30. März gesetzt. Tagesordnungspunkt: Genehmigung des Freibades Lauterbach.

Noch eine Geschichte, die zum Sachverhalt gehört: Vor 40 Jahren wurde auf der schönen Lauterbacher Anhöhe, auf der man vom Freibad bis ins Donauried schauen kann, kein Bad genehmigt, dafür aber ein Regenrückhaltebecken. Zur öffentlichen Einweihung des Beckens war der damalige Landrat Dr. Martin Schweiger eingeladen. Zu seiner Überraschung soll ihm der damalige Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Lauterbach, Georg Kaltner, kein Rückhaltebecken, sondern ein schönes Bad präsentiert haben.

Die Wertinger Zeitung schwärmt in ihrer Ausgabe vom Samstag, 8. Juni 1974 von der „vorbildlichen Gesamtanlage als attraktiver Anziehungspunkt im unteren Zusamtal“. Rund 60 Zeilen werden dem inzwischen verstorbenen Bürgermeister Kaltner gewährt, die neue Anlage anzupreisen: „Wenn nun nach dreijähriger Bauzeit die landschaftlich und gärtnerisch großartig gestaltete Anlage für die Bevölkerung freigegeben wird, hat die Gemeinde Lauterbach eine einmalige, dem Sport und der Gesundheit dienende Einrichtung geschaffen“. Kaltner dankt „den Landratsämtern Wertingen und Dillingen, den Wasserwirtschaftsämtern Donauwörth und Krumbach und der Regierung von Schwaben für die Unterstützung. „Möge die gesamte Anlage eine vorbildliche Stätte des Sports und der Volksgesundheit und eine Quelle der Erholung für die gesamte Bevölkerung sein“, schließt Kaltner im WZ-Bericht.

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