1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Musikalischer Wettstreit unter Brüdern

Konzert in Wertingen

13.05.2017

Musikalischer Wettstreit unter Brüdern

Na, spielt der nachwuchs vernünftig oder macht er wieder Unfug? Die drei Musiker von links: Prabash Maharaj an der Tambla, Vater Vikash Maharaj an der Sarod und Abhishek Maharaj an der Sitar. Das Familienoberhaupt hatte sich zwischen seinen Söhnen positioniert, die sich einen kleinen Wettstreit lieferten.

Ein unvergleichlicher Musikabend in Wertingen Das weltweit bekannte „Maharaj Trio“ gab ein besonderes Konzert – inklusive eigenwilliger Vorschläge zur Eheführung

Ob ägyptische, lateinamerikanische, oder eben indische Klänge: Das Maharaj Trio aus Varanasi im nordindischen Staat Uttar Pradesh sorgte am Donnerstagabend im Festsaal des Wertinger Schlosses für eine schier unendliche Vielfalt. Das weltweit bekannte Trio, laut Organisator Benjamin Pütter die Creme de la Creme der klassischen indischen Musik, begeisterte die Besucher über zwei Stunden hinweg.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Seit rund 15 Generationen gibt es das Trio in der Familie Maharaj. Vater Vikash an der Sarod – ein Zupfinstrument mit 25 Saiten, das mit den Fingernägeln gespielt wird – wurde in seiner Heimat aufgrund seiner außergewöhnlichen Beiträge zur dortigen klassischen Musik schon mit dem höchsten zivilen Orden ausgezeichnet. Und auch seine Söhne können bereits einige Erfolge vorweisen. Der älteste Sohn Prabhash an der Tabla, zwei kleinen Kesseltrommeln, hat schon mehrere Preise abgesahnt, der jüngste Sohn Abhishek hat mit seiner Sitar schon öfter einen landesweiten Wettbewerb mit rund einer Million Teilnehmern gewonnen. Und dass die drei hervorragend harmonieren, merkten die Besucher schnell. Zunächst stimmten sich die drei Musiker sorgfältig aufeinander ab, erst wenn jeder den richtigen Ton gefunden hatte, legten sie los. Und wie: Die Klangvielfalt der drei Instrumente war beeindruckend, vor allem Prabash an der Tabla sorgte für eine außergewöhnliche Variation.

Er war es auch, der dem Publikum erklärte, was sie denn da zu hören bekamen. Er zog dabei einen eigenwilligen Vergleich zur Ehe: „Wenn die Frau spricht, hat der Mann still zu sein. Wenn der Mann spricht, sollte die Frau still sein“, sagte er auf Englisch mit einem Lachen. Das bedeutet, dass immer einer ein Solo spielte, während ein zweiter den Takt im Hintergrund vorgab, der Dritte hielt sich dabei raus.

Musikalischer Wettstreit unter Brüdern

Ein wundervolles Wechselspiel entwickelte sich dabei. Aus ihrer stoischen Ruhe brachen die Musiker plötzlich aus, gegenseitig schaukelten sich die drei Virtuosen hoch. Zuweilen wirkte es, als würden sie nicht nur miteinander Musik machen, sondern sich gegenseitig aufziehen und in musikalischer Form Witze über den anderen machen. In der Mitte saß der Vater, der alles mit einem zufriedenen Lächeln beobachtete.

Nach der Pause, in der Benjamin Pütter dem Publikum erläuterte, wie die Wertinger Patenschaft für eine Schule in Indien aussieht (Bericht folgt), spielten die drei Musiker selbst komponierte Stücke des Vaters. Und in jedem von ihnen merkte man das Herzblut, das das Familienoberhaupt in die Stücke investiert hatte. Im ersten Lied ging es um die Sicherung von Wasser, ein großes Anliegen des Trios, das selbst in der Nähe des Ganges lebt. Nach einem weiteren Stück entfernten sie die Mikrofone, um die ganze Akustik ihrer Instrumente zur Geltung kommen zu lassen.

In „Heart of East“ nahm das Trio die Zuhörer mit in die Heimat, der Staat Uttar Pradesh liegt im Osten Indiens. Bei diesem Stück merkte man einmal mehr, wie sich die drei Musiker blind verstehen und ergänzen, aber auch ihren Stolz und die Verbundenheit zur Heimat. Das Publikum spendete lautstarken Applaus, sodass es in der Zugabe noch einmal auf Weltreise ging. Zunächst mit „Flamenco“ nach Spanien, im letzten Stück des Abends nach Ägypten. Denn dieses Stück hatte Vater Vikash Maharaj dort komponiert, als er aus dem Fenster gesehen und Kamelreiter entdeckt hatte. Der Applaus des Publikums war groß.

Am Freitag spielten die drei Musiker dann noch zwei Konzerte für verschiedene Klassen der Wertinger Schulen. Die Schüler zeigten sich begeistert von dem Talent der Musiker; vor allem die Schnelligkeit, mit der Prabash Maharaj an seiner Tabla spielte, faszinierte die Jugendlichen.

Kurzfristig waren auch noch Schüler der Montessori Schule ins Wertinger Schloss gekommen. Beate Lohner-Ptach, Stellvertretende Schulleiterin dort, war schon am Donnerstagabend beim Konzert und war „völlig begeistert. Man hat gemerkt, dass ihre Musik wirklich von Herzen kommt“, sagt sie. Und das hatte sie dazu bewogen, am Freitag mit Schülern der siebten und achten Klasse zu kommen; aus dem Konzertbesuch soll nun auch ein Projekt entstehen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren