Newsticker

Spahn: Bisher wurden rund 300 Corona-Infektionen über die App gemeldet
  1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Wie ein visionärer Garten

Kunst

07.03.2016

Wie ein visionärer Garten

Drei Künstler, drei Gestaltungstypen: Die Werke von Felix Weinold (Bild oben links), Patrick Fauck (Bild oben rechts) und Yvonne Schneider (Bilder unten links) zeigen unterschiedliche Herangehensweisen. Zur Vernissage kamen Dr. Stefan Lindl, Bürgermeister Willy Lehmeier, Yvonne Schneider, stellvertretender Landrat Alfred Schneid und Felix Weinold (Bild unten rechts von links).
6 Bilder
Drei Künstler, drei Gestaltungstypen: Die Werke von Felix Weinold (Bild oben links), Patrick Fauck (Bild oben rechts) und Yvonne Schneider (Bilder unten links) zeigen unterschiedliche Herangehensweisen. Zur Vernissage kamen Dr. Stefan Lindl, Bürgermeister Willy Lehmeier, Yvonne Schneider, stellvertretender Landrat Alfred Schneid und Felix Weinold (Bild unten rechts von links).

Yvonne Schneider, Patrick Fauck und Felix Weinold präsentieren in der Galerie Wertingen ihre Kunstwerke – Noch bis zum 3. April

Was würden Sie mit einem Garten anfangen? Einfach wachsen lassen oder genau durchplanen? Stefan Lindl hatte diese Frage den Künstlern gestellt, bevor er sich deren Werke widmete und sich eine Laudatio für die Vernissage überlegte. Der Kunsthistoriker aus Augsburg näherte sich am gestrigen Sonntagvormittag durch diese Garten-Metapher den rund hundert Besuchern und vermittelte ihnen auf anschauliche Weise zeitgenössische Kunst.

Patrick Fauck zum Beispiel, der mit seiner Familie in Leipzig zur Miete wohnt, würde alles exakt planen – vom Häuschen mit Atelier und einem Raum für die Frau bis zum Baumhaus für den Sohn. „Künstler bekommen die Kunst, die sie verdienen“, sagte Dr. Lindl mit Blick auf die ausgestellten Bilder in der städtischen Galerie.

Faucks Bilder seien wie der visionäre Garten ebenfalls komplett durchgeplant. Die historische Methode der Vervielfältigung erfordere auch akribische Planung. Der Künstler bedient sich des Lichtdrucks, einer Technik, die kaum mehr in der Welt angewandt wird. Die Titel sind vielsagend: „Waldgeistermeister“, „Scheinheiliger“, „Hausgeburt“, „While my guitar gently weeps“ oder „Piratenpech“. Dass die Lichtdruck-Bilder „überhaupt nicht vegan“ seien, erwähnte Lindl humorig nebenbei. Lindl: „Hier wird Gelatine auf Glas aufgetragen, bevor die Foto-Negative darauf gelegt werden.“

Wie ein visionärer Garten

Gänzlich anders geht Felix Weinold vor. Lindl bezeichnete ihn als Jäger und Sammler, der sich die Dinge – Ideen und Fotovorlagen – aus der Kultur und Natur „stiehlt“. Vieles bei ihm passiert zufällig. Gleichzeitig bekommen die Bilder Individualität und Eigenständigkeit. Felix Weinold spiele mit der Wildheit. Während Fauck aufs Funktionelle bedacht sei, schaut Weinold, was passiert. Fotografien werden bei ihm verfremdet. Malerei und Fotografie stehen verbunden gegenüber. Weinold verzichtet bewusst auf eine durchgängige Handschrift: Eine „Tapete für ein Kinderzimmer“, das Porträt „Georg Kern“, das Innere einer Kirche „Souvenir“ oder die „Madonna“ mit Kind. Felix Weinold gibt Rätsel auf und sorgt in seinen Bildern für Überraschungen. Um mit der Garten-Metapher zu sprechen: Weinold sitzt im Garten und schaut, was kommt. Seine Kompositionen gleichen einem Wildwuchs. Lindl: „Er zeigt sich als zurückgelehnter Gestalter.“

Genau zwischen Funktionalität und Wildwuchs steht Yvonne Schneider. Den Garten würde sie erst einmal wachsen lassen und später Pflanzen dazu setzen, beantwortete sie Lindls Frage. Genauso geht sie in der Kunst vor. Siebdruckarbeiten sind im Malprozess verwoben. „Sie bemalt intuitiv und überformt die Dinge der Natur“, erklärte Lindl. Dadurch schafft sie vielschichtige und hintergründige Bilder, die allesamt keine Titel tragen.

Dr. Lindl war angetan vom Aufbau der Kunstausstellung und von der Auswahl der Künstler: „Hier waren Profis am Werk“, lobte er den Wertinger Kunstkreis. Die Kunstwerke in der Galerie würden sichtlich miteinander kommunizieren und aufeinander antworten.

So schmiegte sich die Matinee-Musik von Stefan Tiefenbacher (Saxofon) und Walter Weh (Keyboard) ebenfalls wunderbar ins künstlerische Geschehen. Beide spielten eigene Kompositionen in Jazz-Manier. Dazu muss man wissen, dass Stefan Tiefenbacher seit einem Unfall einhändig auf einem umgebauten Saxofon spielt.

„Jeder Künstler gestaltet, was er verdient. Jeder verdient, was er gestaltet.“

Die Gruppenausstellung in der städtischen Galerie Wertingen geht bis einschließlich 3. April 2016.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren