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Gottmannshofen

21.09.2016

Wolkig mit Aussicht auf Pilze

Nicht jeder hat das Glück, auf getrocknete selbst gesammelte Pilze (im Bild Totentrompeten) zurückgreifen zu können wie der Wertinger Pilzexperte Jochen Stolle. Er hofft wie alle anderen Pilzliebhaber, dass mit dem derzeitigen Regen noch frische Pilze zu finden sein werden.

Obwohl der Sommer sehr trocken war, ist Pilzsammler Jochen Stolle optimistisch, dass es in diesem Jahr noch viele Pilze geben wird. Dabei ist beim Sammeln und Lagern aufzupassen.

Für die Pilzsammler sah es dieses Jahr nicht so gut aus. Der Boden war zu trocken und zu warm, sodass nur wenige Pilze wachsen konnten. Erst seit ein paar Tagen gießen Regenschauer über das Zusamtal, die die Pilzsammler unter den Bewohnern optimistisch stimmen. Pilzberater Jochen Stolle hat für September eigentlich nicht mehr mit Pilzen gerechnet. „Aber wenn es die nächsten Tage so feucht bleibt, werden die Pilze kommen“, sagt er erfreut. „Wenn wir ganz viel Glück haben, könnten wir sogar ein paar Schwindlinge finden.“ Diese gehören zu den teuersten aller Pilzsorten, denn sie verschwinden sofort, wenn es wieder trocken wird. Sie werden gerne als Gewürze für Suppen oder Soßen verwendet. Dies gilt besonders für den Knoblauchschwindling, denn er sorgt für das Aroma, aber nicht für den mit Knoblauch verbundenen Mundgeruch.

Bekannter als der Knoblauchschwindling sind die Weißen Trüffel. Diese sind in Deutschland sehr selten, aber wandern seit einigen Jahren über die Alpengrenze nach Norden. In Schweden habe Stolle sogar mal einen Trüffel im Garten eines Bekannten gefunden. Dort tauchen die Pilze immer häufiger auf und mittlerweile gibt es sogar speziell abgerichtete Hunde, die auf Exkursionen nach den Trüffeln suchen.

Bei einem Spaziergang im Wald muss man aber gut darauf aufpassen, welche Pilze man pflücken darf und welche nicht. Beispielsweise sind sich die Champignons und der giftige Knollenblätterpilz sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich allein in der Farbe ihrer Lamellen. „Pilze mit weißen Lamellen sollte man da grundsätzlich stehen lassen“, rät Stolle. Viele Pilzarten ließen sich außerdem an ihrer Knolle unterscheiden. Die meisten von ihnen haben eine sogenannte Scheidenhülle um die Knolle. Also eine Art weiße Schale, aus der der Pilz herauswächst. Giftige Pilze haben diese meist gar nicht, besitzen stattdessen aber Wölbungen im Stiel, die man „Kindersöckchen“ nennt. Dieses Kriterium allein reicht aber nicht aus, um die Pilze zu unterscheiden. Wichtig ist eine gute Kenntnis der heimischen Pilzarten und viel Vorsicht. „Am besten man fragt nochmals bei einem Fachmann nach“, empfiehlt Stolle.

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Für viele Giftpilze, wie besagten Knollenblätterpilz, gibt es bereits Gegengifte, doch diese wirken nur, wenn man sie maximal sieben Stunden nach dem Verzehr zu sich nimmt. „Die meisten Gifte wirken erst sehr spät“, sagt Stolle, „da helfen nur noch die Abwehrkräfte des Körpers.“ Als Beispiel nennt er einen Fall in Frankreich, bei dem in einem Dorf plötzlich mehrere Menschen zeitgleich starben. Erst später fand man heraus, dass in der Pilzsuppe auf einer Feier ein Orangefuchsiger Trichterling war. Dieser braucht 14 Tage, um sein Gift zu entfalten.

Gefährliche Giftpilze wie dieser seien allerdings selten und müssten in großen Mengen zu sich genommen werden. Viel häufiger gebe es Fälle in Deutschland, die gar nicht mit tödlichen Giftpilzen zusammenhängen. „Die meisten Vergiftungen entstehen dadurch, dass die Pilze einfach zu alt sind“, erklärt Stolle. Im Kühlen könne man Pilze relativ lange lagern, aber besonders in der Sonne zersetzen sich ihre Eiweiße schnell, was die Pilze dann giftig mache. Um Vergiftungen zu vermeiden, putzt Stolle seine Pilze immer selbst und bereitet sie auch selbst zu. Seine Kinder können die Pilze mittlerweile zwar auch gut auseinanderhalten, doch er kontrolliert sie trotzdem zur Sicherheit. Außerdem ist es ihm sehr wichtig, dass es in den Pilzen keine Löcher gibt. „Ich bin da sehr empfindlich“, sagt er. „Ein Bekannter hat mal einen wunderbaren Pilz mitgebracht, aber als wir ihn aufgeschnitten haben, waren überall Fliegeneier.“ Das sei gesundheitlich zwar ungefährlich, aber nicht sonderlich appetitlich.

Trotz dieser Erfahrung lässt sich der 69-Jährige nicht abschrecken. „Ich mag Pilze und Pilze mögen mich“, sagt er. Seit ein paar Jahren wachsen in seinem Garten Austernseitlinge, die sich ab November an seinem Baum zeigen. Er selbst bevorzugt aber die Totentrompete, die auch als Herbsttrompete bezeichnet wird. Diese sei ihm lieber als der allseits bekannte Trüffel. „Der hat meiner Meinung nach so einen aufdringlichen Geschmack“, sagt Jochen Stolle.

Ob Trüffel, Herbsttrompete oder Austernseitling – Jochen Stolle ist sich sicher, dass es in diesem Jahr noch einige Pilze zum Sammeln geben wird. 

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