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Aus für Fujitsu

26.10.2018

Experte: "Deutschland konnte dem Kostendruck nicht standhalten"

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Gordon Rohrmair ist Professor für Informatik und Präsident der Hochschule Augsburg
Bild: Annette Zoepf

Der Augsburger Informatikprofessor Gordon Rohrmair erklärt zum Fujitsu-Aus, weshalb es sich nicht mehr lohnt, Computer in Deutschland herzustellen.

Herr Rohrmair, mit dem Fujitsu-Werk verschwindet das letzte Computer-Werk Europas. Weshalb rentiert es sich nicht mehr, hochwertige Rechner in Europa herzustellen?

Gordon Rohrmair: Der Grund ist der hohe Kostendruck im Hardware-Bereich. Deutschland hat sich schwergetan, dem Kostendruck standzuhalten. Dieser drückt die Gewinnmargen immer tiefer nach unten. Dies gilt gerade für die Halbleiterhersteller, also die Produzenten von Chips und Prozessoren, in deren Nähe dann auch Rechner hergestellt werden. Es gibt zwei Trends, weshalb Deutschland nicht mehr dabei ist. Zum einen dreht sich dieser Markt sehr schnell. Bei Produkten, die sich an den Endkunden richten, ist die deutsche Industrie aber allem Anschein nach nicht so gut. Das zeigt das Beispiel Siemens: Das Unternehmen kann perfekt große Industrieanlagen errichten. Mit Produkten für die Endkunden, also Handys oder Rechnern, ist man aber gescheitert. Dazu kommt, dass die Entwicklung und der Bau energiesparender Chips immer komplizierter werden. Hier dominieren gigantische Produktionsanlagen in Asien und US-Firmen wie Intel und Texas Instruments. Deutsche Firmen sind längst nicht mehr dabei.

Heißt es aber nicht, wir suchen IT-Fachkräfte in Deutschland? Wo werden die gesucht, wenn nicht bei Fujitsu?

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Rohrmair: Der Zukunft wird nicht im Hardware-, sondern im Software-Bereich liegen. Und zwar in Dienstleistungen, die Firmen für andere Firmen erbringen. Die deutschen Unternehmen haben Schwierigkeiten mit Produkten für den Endkunden, also den normalen Verbraucher. Das sieht man auch im Software-Bereich: Ob Google, Facebook oder Amazon, viele Firmen, mit denen der Verbraucher am Computer zu tun hat, kommen aus Amerika. Die Stärke deutscher Unternehmen sind Produkte und Dienstleistungen für andere Firmen, also Business-to-Business-Lösungen. Hier werden Fachleute gesucht. Das sieht man auch in der Region.

Wie ist die Entwicklung der Computerbranche in der Region?

Rohrmair: Unternehmen, die klassische Software herstellen, haben ein moderates Wachstum. Durch die Digitalisierung stellen aber auch Maschinen- und Anlagenbauer wie Bosch oder Kuka Softwarespezialisten ein.

Wohin entwickelt sich die IT in den nächsten fünf Jahren?

Rohrmair: Software wird zur Schlüsselkomponente in der Industrie. Früher zahlte ein Kunde bei einer Maschine zu hundert Prozent für die Hardware, also Eisen und Schrauben. Heute machen knapp 40 Prozent des Preises Software-Komponenten aus. Maschinen sind heute steuerbar und programmierbar – wie Computer. Auch die Datenauswertung wird eine Schlüsseltechnik: Stellt ein deutsches Unternehmen heute in Singapur eine Maschine auf, kann das Gerät kontinuierlich Daten zurücksenden. In Augsburg oder Hamlar merkt man dann, wenn der Motor nicht mehr rund läuft, und kann einen Mechaniker mit einem Ersatzteil nach Singapur schicken. Deutschland muss es gelingen, solche Dienstleistungen anzubieten.

Wie gehen Sie an der Hochschule Augsburg mit diesen Trends um?

Rohrmair: Wir sehen uns die Entwicklungen genau an und fragen uns, für welche Bereiche wir ausbilden müssen. Die Zukunft liegt meiner Meinung nach in Fertigkeiten in der komplexen Datenanalyse und dem nutzerorientierten Design. IT-Fähigkeiten sind unabdingbar in der Mechatronik, der Elektrotechnik, in der Verfahrenstechnik. Hier bauen wir Studienplätze auf. Ich denke, dass wir damit auf einem ganz guten Weg sind.

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