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Interview

09.03.2018

Rewe-Chef-Einkäufer: Darauf kommt es bei einem Produkt an

Rewe-Chef-Einkäufer Hans-Jürgen Moog (links) sitzt mit Model Lena Gercke und Moderator Joko Winterscheidt in der Jury von „Das Ding des Jahres“.
Bild: Willi Weber, ProSieben

In der Show „Das Ding des Jahres“ treten Erfinder gegeneinander an. Hans-Jürgen Moog, Rewe-Chef-Einkäufer, sitzt in der Jury und erklärt die neue Gründerstimmung.

Herr Moog, in der Jury von „Das Ding des Jahres“ bewerten Sie die Erfindungen deutscher Start-up-Gründer. Wie weit ist das von Ihrer täglichen Arbeit als Chef-Einkäufer von Rewe entfernt?

Hans-Jürgen Moog: Gar nicht so weit. Bei Rewe beschäftige ich mich täglich mit Produkten, mein Büro ist voller Eigenmarken. Ich stehe in der Verkostungsküche, verhandle mit Lieferanten und überlege, wie sich einzelne Dinge noch verbessern lassen. Das Schöne an meinem Job ist, dass ich ständig mit neuen Ideen in Berührung komme.

Was muss ein Produkt haben, damit es bei Ihnen ins Sortiment kommt?

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Moog: Es muss den Kunden ansprechen, sowohl vom Preis als auch von der Verpackung und bei Lebensmitteln natürlich vom Geschmack. Und es sollte einen Mehrwert bieten, irgendetwas Neues, das andere Produkte nicht haben. Nicht jede Neueinführung kommt automatisch gut beim Kunden an. Manche Hersteller hüllen ihre Marken in eine neue Verpackung, ändern aber sonst nichts daran. Das merkt der Kunde sofort, der hat ein untrügliches Gespür dafür.

Ist es also nur konsequent, dass bei „Das Ding des Jahres“ die Zuschauer und damit auch die potenziellen Kunden abstimmen, welche Erfindungen ins Finale kommen?

Moog: Ja, auch wenn ich an der ein oder anderen Stelle einen anderen Favoriten hatte.

Haben Sie ein Beispiel?

Moog: Der Sockenkuss hat mir gut gefallen. Das ist ein Clip, der Socken beim Waschen zusammenhält. Oder der Ecken-Diener, mit dem sich auch schwierige Stellen in der Dusche sauber machen lassen. Die haben mich zum Beispiel wirklich positiv überrascht.

Ihre Sendung wird häufig mit der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ verglichen, die auf dem Sender Vox läuft. Was machen Sie anders?

Moog: Anders als bei der „Höhle der Löwen“ bewerten wir von der Jury die Erfindungen zwar, sind aber keine Investoren. Wir brauchen also keinen Businessplan, sondern die Idee ganz allein muss uns überzeugen. Die Frage, die bei uns im Vordergrund steht, ist schlicht und einfach: Welche Erfindung können wir und die Zuschauer am besten gebrauchen?

Start-ups und Gründer waren noch nie so präsent im Fernsehen wie heute. Gibt es eine neue Gründerstimmung in Deutschland?

Moog: Auf jeden Fall. Und das finde ich absolut super. Wir brauchen diese ganzen neuen Ideen, nur Innovation bringt die Wirtschaft voran. Deshalb suchen wir bei Rewe auch in einem eigenen Wettbewerb nach vielversprechenden Gründern. Die besten Produkte werden bei uns ins Sortiment aufgenommen. Außerdem erhalten die Nachwuchs-Unternehmer Unterstützung beim Vertrieb oder bei schwierigen Rechtsfragen.

Ist es für Start-ups überhaupt möglich, ohne eine solche Plattform oder einen gut vernetzten Investor groß zu werden?

Moog: Es ist sicher möglich, aber sehr schwer. Von den Gründern wird eine hohe Professionalität erwartet, die zu Beginn oft einfach noch nicht da ist. Viele Jungunternehmen kämpfen mit der Finanzierung. Dazu kommt die Bürokratie, sie müssen sich um die Lebensmittelsicherheit kümmern und neben all dem noch mit anderen Gründern um Regalplätze konkurrieren. Gute Ideen können da manchmal untergehen.

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