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Unterallgäu
10.01.2019

100 Jobs fallen beim Flugzeugbauer Grob Aircraft weg

André Hiebeler ist Chef von Grob Aircraft in Mattsies. Jetzt gab er bekannt, dass das Unternehmen 100 Jobs streicht.
Foto: Johann Stoll

Der Unterallgäuer Flugzeugbauer fährt seine Kapazitäten zurück. Damit verlieren 100 der insgesamt 360 Mitarbeiter bei Grob Aircraft ihre Jobs.

Der einzig verbliebene rein deutsche Flugzeugzeughersteller, Grob Aircraft in Mattsies im Unterallgäu, entlässt zum Monatsende 100 der insgesamt 360 Mitarbeiter. Mit dem Betriebsrat wurde ein Sozialplan vereinbart, sagte Geschäftsführer André Hiebeler. Aufträge, die bereits fest vereinbart waren, seien storniert worden, gab das Unternehmen als Begründung für den harten Schnitt an. Am Unterallgäuer Stammsitz sollen auf Dauer 240 bis 250 Leute beschäftigt bleiben.

Grob Aircraft baut Stellen ab

Betroffen vom Personalabbau seien die Produktion mit 20 Stellen sowie 80 „prozessrelevante Positionen“. Vor zehn Jahren war Grob Aircraft aus der insolventen Grob Aerospace hervorgegangen. Im Schnitt werden in Mattsies pro Jahr 30 bis 40 Trainingsflugzeuge gebaut. Diese werden in rund 20 Länder weltweit verkauft. Dort nutzen die Maschinen vor allem Militärs.

Das vergangene Jahr 2018 war für Grob Aircraft nicht sehr glücklich verlaufen. Mehrere Länder hatten bereits geschlossene Lieferverträge oder kurz vor dem Abschluss befindliche storniert. Hiebeler sprach von einem sehr fragilen und volatilen Geschäft. Ein Erdbeben oder ein Regierungswechsel könne zur Folge haben, dass die Länder vereinbarte Lieferungen nicht mehr einhalten könnten oder wollten.

Das beste Jahr für Grob Aircraft war 2016. Der Personalstand war im Laufe der Jahre auf 360 angewachsen. Schon damals sei aber klar gewesen, dass das Auftragsvolumen mit rund 180 Mitarbeitern erledigt werden könnte, so Hiebeler. In den vergangenen Jahren haben die Mattsieser sich vom reinen Flugzeugbau verabschiedet und neue Geschäftsfelder erschlossen.

So wurde ein Learning-Management-System eingeführt, das viele Kunden nutzten, insbesondere in England und den USA. Dazu gehören auch Simulatoren, mit deren Hilfe angehende Piloten das Fliegen erlernen können. Ein weiteres neues Geschäftsfeld ist die „Missionsabteilung“. Hier geht es um Kameras und Überwachungssysteme, die an Flugzeuge montiert werden. Im Büro von André Hiebeler hängt ein gestochen scharfes Luftbild, das aus einer Höhe von drei Kilometern aufgenommen wurde. Ins Geschäft mit Drohnen ist Grob Aircraft aber nicht eingestiegen und hat das auch nicht vor.

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Derzeit arbeitet das Unternehmen an der Entwicklung eines neuen Flugzeuges. Der Erstflug ist noch für dieses Jahr vorgesehen. Näheres sagte Hiebeler mit Hinweis auf die hohe Geheimhaltung nicht.

Hiebeler klagt über mangelnde Unterstützung

Dieses Flugzeug allerdings soll nicht mehr in Mattsies produziert werden. Hiebeler äußerte sich tief enttäuscht über die Bundespolitik und beklagte mangelnde Unterstützung. Das Geschäft innerhalb Deutschlands mache gerade einmal 0,1 Prozent aus. Jedes andere Land würde seinen einzigen Flugzeughersteller unterstützen. Er nennt als Beispiele Frankreich, Italien oder Spanien. In Berlin werde auf Airbus und Lufthansa gesetzt als Folge der vielen Lobbyisten, die dafür das Feld bereiteten. Zunehmend unkalkulierbar sei auch die Handhabung der Ausfuhrgenehmigungen, die für militärische Güter erforderlich seien. Der Stopp für Lieferungen an Saudi-Arabien in Folge des Todes des regierungskritischen Journalisten Dschamal Kaschoggi in der Istanbuler Botschaft hat auch Folgen für die Vereinigten Arabischen Emirate. Dorthin hat Grob Aircraft bereits Trainingsflugzeuge geliefert.

Das Management in Mattsies zieht daraus nun Konsequenzen. Das neu entwickelte Flugzeug wird außerhalb Europas gebaut. Dort sollen zwischen 150 und 250 Arbeitsplätze entstehen. Welches Land das sein wird, sei noch nicht entschieden. Die Wahl werde zwischen drei Ländern fallen. Zum Zug kommt, wer bereit ist, Grob Aircraft zu unterstützen.

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