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Hundekrankheit

12.09.2019

25 tote Tiere in Norwegen: Experte beschwichtigt deutsche Hundehalter

Die Ursache für die Darminfektion, an der bereits 25 Hunde in Norwegen gestorben sind, ist immer noch unklar. Ein Experte beschwichtigt jedoch Hundehalter in Deutschland.
Bild: Maurizio Gambarini, dpa (Symbolbild)

Aus bislang ungeklärter Ursache sind zahlreiche Hunde in Norwegen erkrankt. Tierpathologe Achim Gruber erklärt, was Hundehalter hierzulande nun wissen müssen.

In Norwegen erkranken derzeit immer mehr Hunde an einer mysteriösen Darminfektion. 25 Tiere sind dem Veterinärinstitut in Oslo zufolge bereits gestorben, wie am Dienstag bekannt wurde. Nach Informationen der Deutschen Botschaft in Oslo ist die Krankheitsursache derzeit noch unklar. Der Verband Deutscher Schlittenhundesport Vereine (VDSV) warnte zuletzt vor einer Verbreitung der norwegischen Hundekrankheit und bat deutsche Hundehalter mit ihren Tieren insbesondere von Reisen nach Oslo und Umgebung abzusehen.

Das Auswärtige Amt schließt sich der Reiseempfehlung des VDSV nicht an, da in den Reise- und Sicherheitshinweisen allgemein keine besonderen Empfehlungen für Hunde(-halter) ausgesprochen werden. Auf Nachfrage verweist man hier an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Dem BMEL liegen allerdings bislang keine Informationen aus Norwegen vor, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion. Da bisher zu wenig über die Krankheit bekannt sei, könne auch keine Empfehlung abgegeben werden, erklärte eine Sprecherin.

Tierpathologe Gruber zu Hundekrankheit: "Vorsicht ist eine gute Empfehlung"

Achim Gruber ist Geschäftsführender Direktor des Instituts für Tierpathologie an der Freien Universität Berlin und erklärt im Gespräch, weshalb aus seiner Sicht in Deutschland kein Grund zur Panik besteht. Von einer neuartigen Krankheit oder Seuche möchte er nach bisherigem Kenntnisstand zu den Fällen in Norwegen nicht sprechen.

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Herr Gruber, in Norwegen erkranken derzeit immer mehr Hunde an einer mysteriösen Darminfektion. Die Symptome sind bei allen Tieren Erbrechen und blutiger Durchfall. Wie häufig sind derartige Krankheitsanzeichen bei Hunden in Deutschland?

Achim Gruber: Wir sehen diese Symptome nicht selten bei Hunden auch in Deutschland, teils auch örtlich und zeitlich gehäuft. Dahinter können jedoch viele Ursachen stehen, die zunächst durch Experten abgeklärt werden müssen. Ich halte verschiedene Infektionskrankheiten durch etwa bestimmte Bakterien oder Viren sowie auch verschiedene Vergiftungen für denkbare Ursachen. Diese müssen dann durch eine gründliche zunächst pathologische Untersuchung geklärt werden, eventuell durch weitere mikrobiologische, toxikologische und andere Folgeuntersuchungen.

Achim Gruber ist Geschäftsführender Direktor des Instituts für Tierpathologie an der Freien Universität Berlin
Bild: dpa

Auch wenn die Ursache der Krankheit noch nicht geklärt ist, bat zuletzt der Verband Deutscher Schlittenhundesport Vereine Hundehalter, von Norwegenreisen abzusehen. Wie groß ist allgemein die Gefahr vor Krankheiten, die normalerweise nicht in Deutschland vorkommen und von importierten Haustieren oder durch Urlaubsreisen eingeschleppt werden können?

Gruber: Ohne eine ursächliche Diagnose kann auch eine Ansteckung nicht ausgeschlossen werden. Vorsicht ist daher eine gute Empfehlung, wobei ich jedoch einen wirklich seuchenhaften, gefährlichen Charakter der norwegischen Situation noch nicht sehen kann. Wer mit wem wohin fährt, sollte dann im Einzelfall abgewogen werden. Die Gefahr der Einschleppung neuer Krankheiten nach Deutschland durch Hunde und andere Tiere, die importiert werden oder einfach nur mit in den Urlaub genommen wurden, auf Ausstellungen oder zu Sportzwecken unterwegs waren, ist allgemein recht hoch und in der nahen Vergangenheit noch deutlich gestiegen. Leider sehen wir viele bei uns neue Infektionserreger, die für Hunde, andere Tiere und teils auch den Menschen gefährlich werden können. Wir raten daher dringend, sich vor und nach den Reisen oder Importen tierärztlich beraten zu lassen.

Ist Ihnen ein ähnlicher Fall einer derart verbreiteten Hundekrankheit aus Deutschland bekannt?

Gruber: Ja, hier gibt es Fälle von verschiedenen Vergiftungen oder den genannten Infektionskrankheiten, die in einigen Fällen auch mehrere Hund in einer Region betroffen haben, wenn diese Zugang zu derselben Ursache hatten. Die norwegische Situation scheint dort zwar akut sehr ernst zu sein, von einer wirklich neuen Krankheit oder Seuche würde ich nach aktueller Kenntnis noch nicht sprechen. Lassen Sie uns erst einmal abwarten, was dort wirklich die Ursache ist oder - hoffentlich - war.

Ab wann sollten Ihrer Meinung nach Hundehalter präventiv mit ihrem Tier zum Arzt gehen, wenn es an Durchfall leidet oder sich erbricht?

Gruber: Wenn es wiederholt auftritt, ernst scheint oder andere Auffälligkeiten hinzukommen.

Wie lässt sich als Haustierbesitzer verhindern, dass das eigene Tier im Urlaub erkrankt?

Gruber: Verhindern lässt sich das prinzipiell nicht, man kann jedoch das Risiko reduzieren, indem man sich vorher gut tierärztlich für die spezifische Situation beraten lässt.  

Als Tierpathologe landen immer wieder verstorbene Haustiere zur Obduktion auf ihrem OP-Tisch. Gibt es bei den Todesursachen von Haustieren, und insbesondere Hunden, einen Trend?

Gruber: Einen Trend sehen wir schon über Jahre und Jahrzehnte, so ändern sich die häufigeren Infektionserreger und auch die haltungs- und fütterungsabhängigen Todesursachen. Manche Probleme werden durch Forschung, Beratung, Prophylaxe oder verbesserte Therapien weniger, andere kommen neu hinzu. Große Sorgen bereiten uns über die letzten Jahre die zahlreichen Krankheiten, die durch problematische Zucht entstehen, besonders bei Hunden.

Wie häufig sterben Haustiere an Krankheiten, die vom Menschen übertragen wurden? Und an welchen?

Gruber: Das ist zum Glück eher selten, etwa an der Folge des chronischen Anhustens durch einen Halter mit offener Tuberkulose.

Wie viele Krankheitserreger, die zwischen Menschen und Tieren übertragen werden können, sind in der Tiermedizin bislang bekannt?

Gruber: Wir kennen über 250 davon, Tendenz steigend, wobei jedoch einige darunter zumindest in unseren Regionen oder aus historischer Sicht bedeutungslos sind.

Im März ist Ihr Buch „Das Kuscheltierdrama: Ein Tierpathologe über das stille Leiden der Haustiere“ erschienen. Was war Ihre Motivation dazu?

Gruber: Als Tierpathologe will ich mit dem Buch die Gesellschaft darauf aufmerksam machen, dass nicht nur unsere Versuchstiere, Nutztiere und Wildtiere - inklusive Insekten - einen teils hohen Preis für die Leistungen zahlen müssen, die wir ihnen abverlangen und dafür, dass wir so leben wie wir leben. In dem Buch schildere ich an etwa 25 wahren, teils unterhaltsamen, teils auch ernsten bis melancholischen Einzelschicksalen aus meinem beruflichen Alltag unnötige Dramen der in unsere Familien aufgenommenen Lieblinge. Dazu zählen auch alte und neue Infektionskrankheiten. Dabei will ich nicht anklagen, sondern aufklären und wertvolle Tipps geben, damit das Miteinanderleben - noch - besser gelingt.

Service: Die geltenden Einreisebestimmungen sowie erforderliche Impfungen für Reisen nach Norwegen mit Haustieren, finden Sie hier.

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