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Volkskrankheit

29.01.2015

Depressionen: Viele Fragen bleiben offen

Laut TK-Studie gibt es immer häufiger Fälle von depressionsbedingten Fehlzeiten in deutschen Unternehmen.
Bild: Julian Stratenschulte (dpa)

Depressionen sind lange tabuisiert worden. Auch, wenn die Erkrankung inzwischen ernst genommen wird, bleiben noch einige Fragen offen. Depressionen sind schwer greifbar.

Wo hört der Stress auf, wo fängt die Depression an? Obwohl Depressionen auf dem besten Weg sind, eine Volkskrankheit zu werden, bleibt die Definition der Erkrankung schwer greifbar. Der Übergang von einer ständigen Belastung von Psyche und Seele zu einer Krankheit, die auch körperliche Komponenten enthält, ist offensichtlich fließend.

Der Chef der Techniker Krankenkasse (TK) Jens Baas hat am Mittwoch in Berlin den TK-Depressionsatlass vorgestellt. Dabei betonte er, wie kritisch dieser schwer greifbare Übergang zwischen psychischer Belastung und Depression ist. Dadurch kann es zur Diagnose der Erkrankung kommen, obwohl der Patient womöglich einfach nur traurig sei. Baas warnte hier auch vor Befunden psychischer Probleme, die nicht vom Experten, sondern vom Hausarzt stammen.

Depressionen wurden viel zu lange unterschätzt

Eine Therapie der Depression beinhaltet einerseits die Betreuung durch einen Psychologen und andererseits den Einsatz von Medikamenten (Antidepressiva), die auf den Körper wirken. Depressionen sind oft die Folge eines belastenden Erlebnisses, wie beispielsweise Beziehungsprobleme oder der Verlust eines Angehörigen. Sie werden häufig unterschätzt, weil sich die körperlichen Folgen nicht so deutlich äußern wie ein Herzinfarkt oder Magengeschwüre.

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Wegen Depressionen fallen viele Menschen auch bei der Arbeit aus. Zwar sind sie nicht so oft krank wie ihre Kollegen mit Rückenbeschwerden, doch dafür bleiben sie im Schnitt wesentlich länger der Arbeit fern. Die Produktionsausfälle durch Depressionen betragen nach Angaben einer Studie inzwischen rund vier Milliarden Euro. Doch viele Fragen im Zusammenhang mit der Erkrankung bleiben ungeklärt, weil die Erkrankung zu wenig erforscht ist.

Depressionen sind noch nicht lange gesellschaftlich als Krankheit angesehen. Deshalb behalten viele Menschen ihre Erkrankung für sich - bis es eskaliert. Der ehemalige Nationaltorwart Robert Enke beispielsweise wurde von seinen Depressionen in den Suizid getrieben. Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, kritisiert die TK-Studie in diesem Punkt. Depressionen und Alter, eine Verbindung zu Suiziden: Diese wichtigen Daten seien in der Studie nicht erfasst. dpa/sh

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